Rheinisches Museum für Philologie 78 (1929) pp. 220-221


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Zu Ps.-Tertullian De execrandis gentium diis.

Ernst Bickel beruft sich in seiner Abhandlung über diese pseudotertullianische Schrift (in dieser Zeitschrift 1927, S. 394 bis 417) zum Beweise für nachkonstantinischen Ursprung mit Harnack (Chronologie d. altchr. Litt. II 288 Anm.) in erster. Linie auf den Satz in § 7: caeteras eius (sc. Iovis) corruptelas . . . nolo scribere, ne rursus foeditas iam sepulta auribus renovetur. Ohne zur Zeitfrage selber Stellung nehmen zu wollen, gestatte ich mir nur die Bemerkung, dass aus dieser Stelle der Ursprung der Schrift nach Konstantin wohl nicht geschlossen werden darf. Cyprian schreibt nämlich ad Donatum c. 8 (9, 19ff. Hartel) von den Theateraufführungen: de parri-cidiis et incestis horror antiquus . . . replicatur, ne saeculis transeuntibus exolescat quod aliquando commissum est . . . numquam aevi senio delicta moriuntur, numquam temporibus crimen obruitur, numquam scelus oblivione sepelitur. Und in der pseudocyprianischen Schrift de spectaculis, die vielfach Novatian zugewiesen wird, heisst es c. 6 (App. 9,16 Hartel): ita amatur quicquid non licet, ut quae etiam aetas abscon-derat, sub oculos memoria reducat. 'Begraben' sind also diese Schandtaten durch die Zeit und das Vergessen und sie würden begraben bleiben, wenn sie nicht immer wieder in den Theatern vorgeführt würden, und sie bleiben begraben, |p221 wenn man -- von ihnen schweigt. Das ist der Sinn der Stelle bei Ps.-Tertullian. Mit einem politischen Umschwung hat sie wohl nichts zu tun.

München

Hugo Koch.


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