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Gegen Marcion. III.

207 n. Chr.

[Übersetzt von Dr. K. A. Heinrich Kellner]

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Inhalt:

Drittes Buch.

1. Cap. Gegenstand der folgenden Bücher ist die Lehre von der Person Christi. Sie ist im vorigen schon mehrfach berührt und dient ihrerseits wiederum zur Bestätigung der im vorigen festgestellten Einheit Gottes.

2.  Cap. War Christus der Sohn und der Gesandte Gottes, so konnte er nicht urplötzlich und unvorbereitet auftreten, wie Marcion lehrt; in diesem Fall hätte er keinen Glauben bei den Menschen beanspruchen dürfen.

3. Cap. Ob in einem solchen Falle noch die Wunder als Beweise für Christus würden gelten können? Dieselben würden für sich allein ohne vorausgegangene Prophezeiungen auch seine Beweiskraft haben.

4. Cap. Wenn das System Marcions richtig ist, so hat dessen Gott der reinen Güte für sein Eingreifen jedenfalls nicht die rechte Zeit gewählt.

5. Cap. Zwei Vorbemerkungen über die Anwendung der hl. Schrift zu Beweisen bei der gegenwärtigen Erörterung.

6. Cap. Die Juden verwarfen Christum nicht deshalb, weil sie ihn als den Christus eines andern Gottes ansahen, wie Marcion die Sache drehen möchte, sondern weil sie ihn gar nicht für den von den Propheten angekündigten Christus hielten. Sie verurteilten ihn wegen Verletzung des mosaischen Gesetzes.

7. Cap. Die Marcioniten machen es wie die Juden und ignorieren es, dass von den Propheten neben der Ankunft Christi in Herrlichkeit, auch eine Ankunft in Niedrigkeit geweissagt worden ist.

8. Cap. Die Lehre Marcions über den Scheinleib Christi. Sie macht das ganze Christentum zu einem blossen Schein.

9. Cap. Ob die Leiber, womit die Engel erschienen, solche Scheinleiber waren und Marcion sich auf sie berufen könne?

10. Cap. Es ist kein Grund abzusehen, warum Gottes ein Scheinleib würdiger sein sollte als ein wirklicher.

11. Cap. Marcion hat zu dieser Hypothese nur gegriffen, um die wirkliche Geburt Christi zu beseitigen. Denn war Christus wirklich geboren, so konnte er kein anderer sein als der im alten Testament von den Propheten des Schöpfergottes angekündigte Christus.

12. Cap. Marcion wendet dagegen ein, Christus habe weder den Namen geführt, den er nach der Weissagung haben sollte, noch stimme die Art seines Auftretens zu der bei Isaias gegebenen Schilderung. Ob Christus den Namen Emmanuel verdiene?

13. Cap. Ob und inwiefern Christus als ein Kriegsheld und als Überwinder von Damaskus und Assyrien nach Is. Cap. 8 gelten könne.

14. Cap. Auch die analogen Stellen in den Psalmen sind nur figürlich und geistig gemeint.

15. Cap. Der Christus, den Marcion lehrt, hätte in keiner Hinsicht den Namen Christus führen dürfen.

16. Cap. Mit noch weniger Recht durfte er den Namen Jesus annehmen.

17. Cap. Das äussere Aussehen und Auftreten Christi beweist, dass er der bei Isaias verheissene Messias ist.

18. Cap. Über den Kreuzestod Christi. Ob derselbe im alten Testament vorher verkündet und durch Vorbilder angezeigt worden sei?

19. Cap. Nachweis, dass dieses der Fall sei.

20. Cap. Die Identität des im alten Bunde von den Propheten des Schöpfergottes geweissagten Christus mit dem unter Tiberius wirklich erschienenen folgt weiter aus Ereignissen, die sich sonst noch an dessen Erscheinung knüpfen und die ebenfalls geweissagt waren, nämlich der Verbreitung des Christentums unter allen Völkern, seiner Herrschaft über sie und seiner Abstammung von David.

21. Cap. In welcher Weise sich die geweissagte Bekehrung der Heiden erfüllt habe.

22. Cap. Auch das Wirken der Apostel, die Kirche, als die allgemeine Heilsanstalt zur Verehrung Gottes, und ihre Sakramente sind durch die Propheten des Schöpfer gottes bereits angekündigt worden.

23. Cap. Ebenso ist das den Juden, wenn sie Christus verwerfen würden, in den Weissagungen angedrohte Schicksal eingetroffen.

24. Cap. Auch die Weissagungen, welche das neue himmlische Jerusalem, das Reich des Messias und die letzten Dinge überhaupt betreffen, sind keineswegs danach angethan, zur Annahme eines zweiten, noch zu erwartenden Messias zu nötigen. Es ist nur einer verheissen, der wirklich erschienen ist und das Himmelreich auf die Erde gebracht hat.

III. Buch.

1. Nach den übrig gebliebenen Spuren des verloren gegangenen früheren Werkes, mit dessen Wiederherstellung wir fortfahren, käme nun bereits die Lehre über Christus an die Reihe, obwohl sie eigentlich überflüssig, nachdem die Verteidigung der Einheit und Einzigkeit Gottes durchgeführt ist. Denn wenn ausgemacht ist, dass man neben dem Schöpfergott keinen andern Gott annehmen dürfe, so ist damit auch schon hinreichend festgestellt, dass er nicht für den Christus eines andern Gottes als des Schöpfergottes anzusehen sei. Ihn wird also auch Christus gepredigt, ihn werden darnach auch die Apostel nicht für den Christus eines andern Gottes ausgegeben haben, als für den Christus des Gottes, den jener selbst gepredigt hat, d. h. des Schöpfergottes, so dass also, bevor Marcion dieses Ärgernis angerichtet, von gar keinem andern Gott, und daher auch von gar keinem andern Christus die Erde gewesen ist. Das ist sehr leicht zu beweisen durch Herzählung der Kirchen, der apostolischen wie der häretischen, nämlich dass man auf Verfälschung der Glaubensregel erkennen müsse bei dem, was das später auftretende ist.1) Das habe ich auch im ersten Buche einfliessen lassen.2) Aber auch jetzt wird diese Polemik, die sich mit Untersuchungen über Christus allein beschäftigen soll, jedenfalls die Tragweite haben, mit dem Gott des Marcion gänzlich aufzuräumen, indem wir beweisen, dass Christus dem Schöpfergotte angehört habe. Es geziemt sich für die Wahrheit, von allen ihren Kräften vollen Gebrauch zu machen, nicht bloss halben. Im übrigen aber behauptet sie ja durch das abgekürzte Präscriptions-Verfahren den Sieg. Doch es ist unser Entschluss, unserem Gegner überall mit Siegesgewissheit entgegenzutreten, da er so toll ist, lieber anzunehmen, es sei ein Christus erschienen, der niemals angekündigt wurde, als an dem, welcher beständig gepredigt worden war, zu glauben.

2. Ich leite also den Kampf mit der Frage ein, durfte er so plötzlich kommen, erstlich, weil auch er ja der Sohn seines Gottes war. Denn die Ordnung hätte erfordert, dass sich erst der Vater zum Sohne bekannte, dann der Sohn zum Vater, und erst der Vater von seinem Sohne Zeugnis gab, dann der Sohn vom Vater. Sodann auch, weil er gesandt wurde, abgesehen von seiner Eigenschaft und seinem Namen als Sohn. Der Sendende hätte sich mithin vorher verbürgen müssen zum Zeugnis für den Gesandten. Denn niemand, der kraft der Autorität eines andern kommt, kann dieselbe auf seine eigene Aussage hin beanspruchen, sondern erwartet vielmehr seine Verteidigung von ihr, wobei das ganze Ansehen dessen für ihn ins Gewicht fällt, der die Autorität verleiht.

Sonst wird nicht der als Sohn anerkannt, den der Vater niemals so genannt hat, auch nicht als Gesandter angesehen, wen sein Auftraggeber nie als solchen bezeichnet hat. Ein wirklicher Vater würde ihn so genannt, ein Auftraggeber ihn als solchen bezeichnet haben. Alles wird als verdächtig gelten müssen, was von der Regel abweicht und die prinzipielle Stufenfolge der Dinge erlaubt nicht, dass der Sohn eher zur Anerkennung gelange als der Vater, der Abgeschickte eher als der Auftraggeber, Christus eher als Gott. Kein Ding wird früher Gegenstand der Erkenntnis als sein eigener Ursprung, so wenig als es in der Reihenfolge vorangeht. Er aber wird auf einmal Sohn, auf einmal Gesandter, auf einmal Christus. Ich dagegen möchte bei Gott nichts Urplötzliches annehmen, weil es nichts gibt, was von Gott nicht vorbereitet wäre. Ist die Sache aber vorbereitet, warum nicht auch vorher angekündigt? Denn dann kann sie sich als wohl vorbereitet ausweisen mittels der Ankündigung und als göttlich infolge der Vorbereitung.

Und ein so grossartiges Unternehmen, wie es nämlich für die Erlösung des Menschen vorbereitet wurde, wäre schon aus dem Grunde kein plötzliches gewesen, da es vermittels des Glaubens nützen sollte. Denn in dem Maasse, als es auf den Glauben angewiesen war, um nützen zu können, bedurfte es, um Glauben zu finden, auch der Vorbereitung. Letztere aber hat den Ratschluss und die Predigt zu ihren Fundamenten, worauf sie aufgebaut ist, damit so der ordnungsgemäss herangebildete Glaube seitens Gottes mit Recht vom Menschen gefordert werden und der Mensch ihn Gott leisten könne, durch Erkenntnis zum Glauben gezwungen, weil er glauben konnte, was er infolge der Verkündigung zu glauben angeleitet worden war.

3. Ein derartiger Hergang, wendet man ein, war nicht unumgänglich notwendig, weil Christus sich sofort durch Thaten als Sohn, Gesandter und Christus Gottes erweisen sollte mit der Beweiskraft der Wunder.

Ich stelle dagegen in Abrede, dass Beweise dieser Kategorie allein ein vollwichtiges Zeugnis für ihn waren; denn später hat er selbst ihr Ansehen geschwächt, indem er sagt, viele würden kommen, Zeichen wirken und grosse Wunder sehen lassen zur Verlockung sogar für die Auserwählten3) und man dürfe sie darum nicht annehmen. Damit hat er zu erkennen gegeben, dass der Glaube an Zeichen und Wunder ein übereilter sei, da diese auch bei dem falschen Christus sehr leicht vorkommen. Oder was soll es heissen, dass er für sich Beweise und Ursachen der Anerkennung und Aufnahme aus Dingen ableiten wollte, woraus sie die andern nicht ableiten sollten, d. h. aus Wundern, obwohl auch sie ebenso plötzlich kommen würden und von keinem Gewährsmann vorher angekündigt sind. Wenn er deshalb, weil er eher kam als sie und sich früher der Wunderbeweise bedient, den Glauben, so zu sagen, wie einen Platz im Bade belegte und ihn allen Nachkommenden vorwegnahm, dann kommt er doch, gib nur Acht, in dieselbe Lage mit den späteren. Denn der Schöpfergott war vor ihm da und bereits bekannt. Er hatte mithin auch schon früher Wunder gewirkt und sich vorher in derselben Weise geäussert, man dürfe andern nicht glauben, solchen nämlich, die nach ihm kommen würden. Wenn also frühere Ankunft und frühere Aufstellung derartiger Äusserungen über die Nachkommenden den Glauben ausschliesst, dann ist auch Dein Christus längst im voraus von dem verdammt, mit dem verglichen er sich als der Spätere zu erkennen gab 4), und es darf einzig und allein der Schöpfer, dem keiner zuvorkommen kann, diesen Grundsatz gegen die späteren» geltend machen.

Da ich nun im Begriff stehe, den Beweis zu liefern, dass Gott Wunder derselben Art, wie Du sie als Beglaubigungen ausschliesslich für Deinen Christus in Anspruch nimmst, in der Vorzeit manchmal durch seine Diener, manchmal auch durch seinen Christus habe wirken lassen, so kann ich auch auf Grund dessen mit Recht die Einrede erheben: um so weniger darf sich der Glaube an Christus allein auf Wunderkräfte gründen, weil sie ihn als den Christus keines andern als des Schöpfergottes hätten hinstellen können, indem sie dessen Fälligkeiten entsprechen, durch seine Diener gewirkt und bei seinem Christus verheissen worden sind.

Indessen, auch wenn sich bei Deinem Christus andere Beweismittel, d. h. noch nicht dagewesene fänden, so würden wir doch eher glauben, dass die neuen von demselben Urheber wie die alten herrühren, als von einem, dem lauter neue Beweismittel angehören, welche selber erst noch Glaubensbeweise bedürfen, durch welche sie die alten zu überwinden imstande sind. Auch bei dieser Voraussetzung durfte er also nur kommen, nachdem er vorausverkündigt war, sowohl durch eigene Ankündigungen, die ihm Glauben bereiteten, als auch durch Wunder, zumal da er gegen den Christus des Schöpfergottes auftreten wollte, der mit eigenen Wunderzeichen und Propheten ausgestattet war, um durch Verschiedenheiten aller Art offen als Gegner Christi dazustehen. Allein, wie hätte er können durch einen Gott, der niemals gepredigt worden war, als sein Christus angekündigt werden? Dieser Umstand ist es also, der zu der Forderung berechtigt, man dürfe weder an Deinen Gott noch an Deinen Christus glauben; denn einerseits durfte Gott nicht unbekannt sein, andererseits musste Christus durch Gott zur Anerkennung gebracht werden.

4. Vermutlich verschmähte er es, das geordnete Verfahren unseres Gottes nachzuahmen, da dieser ihm missfällig war und er ihn bekämpfen musste. Da er eine ganz neue Erscheinung war, so wollte er auch in ganz neuer Weise auftreten, als Sohn ohne vorhergegangene Anerkennung durch den Vater, und als Gesandter ohne Autorisierung durch seinen Auftraggeber, um damit eine ganz wunderliche Art von Glauben einzuführen, wonach man glauben musste, es sei ein Christus erschienen, bevor man wusste, dass einer existiert.

Es ist angezeigt, auch darauf näher einzugehen, warum er nicht nach dem Auftreten Christi erschien. Denn da ich sehe, dass sein Herr den widerwärtigen Demiurgen, der noch dazu mittlerweile den Menschen seinen Christus ankündigte, so lange Zeit hindurch in höchster Geduld gewähren liess, so sage ich, aus demselben Grunde, weshalb er dies that und seine Offenbarung und sein Eingreifen aufschob, hätte er auch müssen mit dem Schöpfergott Geduld haben, der dann auch seine Ratschlüsse hinsichtlich seines Christus ausgeführt haben würde. Dann hätte er, nachdem das ganze Thun und Treiben des ihm feindlichen Gottes und seines Christus erschöpft war, selber seine eigenen Ratschlüsse darauf folgen lassen sollen. Allein er fand an so grosser Geduld keinen Geschmack und das war die Ursache, dass er nicht abwartete, bis der Schöpfergott mit seinem Thun zu Ende war. Zu dulden, dass der Christus des Schöpfergottes prophezeit wurde, war eine Thorheit, wenn er dessen Erscheinen nicht dulden wollte. Entweder griff er grundlos vor Ablauf der Zeitperiode des andern ein, oder er unterliess es so lange Zeit hindurch mit ebenso schlechtem Grunde einzugreifen. Was hielt ihn davon ab, was machte ihn verlegen? So aber sündigte er in beiden Beziehungen, bezüglich des Demiurgen, indem er sich erst so spät offenbarte, bezüglich des Christus desselben, durch seine Voreiligkeit. Den erstem hätte er müssen schon längst zu Schanden machen, den andern aber jetzt noch nicht. Erstem hätte er nicht dürfen so lange wüten lassen, diesen aber, der sich noch ruhig verhielt, nicht stören. In betreff beider fiel er aus seiner Rolle als guter Gott heraus; jedenfalls aber war er selbst schwankend, gegenüber dem Demiurgen fahrlässig, hitzig gegen dessen Christus und einfältig nach beiden Seiten hin.

Er hat den Demiurgen so wenig gebändigt, als er dessen Christus Widerstand leistete. Der erstere bleibt grade so, wie er ist; der letztere kommt, sowie es von ihm geschrieben steht. Warum kam er nach dem Schöpfer, den er doch nicht zu bessern vermochte? Warum offenbarte er sich vor der Ankunft des Christus desselben, wenn er letzteren nicht zurückhalten konnte? Oder, wenn es ihm gelungen ist, den Demiurgen wirklich zu bessern, so fällt seine Offenbarung später als die des letzteren und das Besserungswerk ging vorher. Folglich hätte er, wenn er den Christus noch bessern wollte, ihn erst abwarten müssen; dann hätte er später sein Besserungswerk an ihm mit demselben Erfolg üben können wie am Schöpfer. Anders steht die Sache freilich, wenn er nach jenem noch einmal erscheinen wird; dann ist er bei seiner ersten Ankunft bloss gegen den Demiurgen eingeschritten, indem er dessen Gesetz und Propheten zunichte machte. Bei der zweiten wird er dann gegen den Christus vorgehen, um gegen dessen Reich als Ankläger aufzutreten. Folglich wird er auch alsdann erst den Verlauf seiner Ordnung der Dinge abschliessen und günstigen Falles erst dann Glauben verdienen. Andernfalls aber, wofern er sein Thun schon jetzt abgeschlossen hat, ist sein Kommen ein Unsinn; denn er kann ja dann nichts mehr thun.

5. Hiermit mag das Vorspiel zum Kampfe, gleichsam der erste Strauss und das Vorpostengefecht beendigt sein. Um nun den Entscheidungskampf und das Handgemenge beginnen zu können, sehe ich mich aber genötigt, vorher noch einige Schranken abzustecken, innerhalb welcher gekämpft werden muss, die hl. Schriften des Schöpfergottes nämlich. Denn da ich im Begriffe stehe, an der Hand derselben zu beweisen5), dass Christus dem Schöpfergott angehörte, weil sie sich nachher an seinem Christus erfüllten, so muss ich auch deren Charakter und sozusagen die Natur dieser Schriften selbst feststellen, damit sie nicht nachher, wenn sie zur Anwendung kommen sollen, in Frage gezogen und so die Aufmerksamkeit des Lesers abgelenkt werde, indem bei Verteidigung der Sache selbst die ihrige noch mit unterläuft.

Ich ziehe also zwei Punkte der prophetischen Reden heran, die fortan von unseren Gegnern anerkannt werden müssen. Der eine ist, dass von zukünftigen Dingen bisweilen als von vergangenen gesprochen wird. Denn es kommt der Gottheit zu, alle ihre Beschlüsse als vollendet anzusehen, weil es bei ihr keinen Unterschied der Zeiten gibt, indem bei ihr die Ewigkeit selbst es ist, welche einen uniformen Zustand der Zeiten vorschreibt. Auch dem prophetischen Schauen ist es natürlicher, das, was sie schaut, noch während des Schauens, als bereits geschaut und damit als bereits vollendet, d. h. als in jedem Falle geschehend darzustellen; wie es z. B. bei Isaias heisst: "Ich habe meinen Rücken den Geisselhieben hingegeben, meine Wangen aber den Backenstreichen und mein Antlitz habe ich vor ihrem Qualstern nicht weggewendet."6) Mag nun Christus schon damals, wie wir annehmen, von sich gesprochen haben, oder mag, wie die Juden annehmen, der Prophet von sich selbst gesprochen haben, jedenfalls wurde von etwas noch nicht Geschehenem so gesprochen, als wäre es schon vorüber.

Der andere Punkt ist, dass sehr oft Dinge in Vorbildern geweissagt werden durch Kätsel, Allegorien und Parabeln, die dann anders zu verstehen sind, als der Buchstabe lautet. Wir lesen, dass die Berge Süssigkeit träufeln lassen werden,7) aber nicht, damit Du Syrup aus den Felsen und Mus von den Klippen erhoffen sollst. Wir hören, dass die Erde von Milch und Honig fliesse8), aber nicht, damit Du glaubst, jemals aus Erdschollen Samische Honigkuchen kneten zu können. Denn Gott verspricht nicht, als Brunnenmeister und Gartenkünstler auftreten zu wollen, wenn er sagt: "Ich werde Ströme bilden in durstigem Lande, Cedern und Buchsbaum setzen in der Wüste."9) Ebenso, wenn er von der Bekehrung der Heiden redend sagt: "Es werden mich lobpreisen die Tiere des Feldes, die Wespen und die jungen Sperlinge",10) so ist es gewiss nicht seine Absicht, von den jungen Schwalben, Füchsen und anderen absonderlichen und fabulosen Sängern glückliche Omina zu

erhalten.11)

Warum aber soll ich mich darüber noch weiter auslassen, da sogar der Lieblingsapostel der Häretiker diesem Gesetze huldigt und das unverkorbte Maul des dreschenden Ochsen12) nicht auf den Ochsen, sondern auf uns deutet und beibringt, der zum Liefern des Wassers dienende Fels sei Christus13) gewesen. Ebenso belehrt er die Galater, die beiden Beweise von den Söhnen Abrahams14) seien allegorisch gewesen, und den Ephesern deutet er an,15) was im Anbeginn vom Menschen gesagt worden sei, dass derselbe Vater und Mutter verlassen und zwei in einem Fleische sein werde, das verstehe er von Christus und der Kirche.

6. Wenn diese beiden Eigentümlichkeiten der jüdischen Litteratur nunmehr zur Genüge sichergestellt sind, so vergiss nicht, o Leser, dass dieser Punkt bereits ausgemacht ist und dass es sich, wo wir dergleichen anwenden, nicht um die Methode der hl. Schrift, sondern um den Sachverhalt handele. Wenn der häretische Wahnsinn also annimmt, es sei ein Christus erschienen, der niemals verheissen worden, so würde daraus folgen, derjenige Christus, der wirklich stets verheissen wurde, sei niemals erschienen. Er ist sonach gezwungen, sich dem Irrtum der Juden anzuschliessen und sich der Beweisführung derselben zu bedienen in dem Sinne, als wären die Juden ihrerseits auch vollständig überzeugt gewesen, der erschienene sei ein anderer161) und als hätten sie ihn nicht bloss als ihnen fremdartig verworfen, sondern auch als Feind getötet. Denn sie würden ihn ohne Zweifel anerkannt und mit ehrfurchtsvollen Diensten jeder Art beehrt haben, wenn er der ihrige gewesen wäre.

Da hat nun freilich wohl, wenn nicht das Rodische,17) so doch das Politische Gesetz dem Schift'sreeder die Versicherung gegeben, dass sich die Juden in betreff ihres Christus nicht irren durften?! "Wenn auch keine derartige Weissagung über sie vorhanden wäre, so hätte schon die der Täuschung ausgesetzte menschliche Natur die Überzeugung begründen müssen, dass die Juden als blosse Menschen sich irren konnten, und man durfte nicht aus ihrer Ansicht sofort ein Präjudiz entnehmen, da es sehr glaublich war, sie könnten einen Irrtum begangen haben. Da es aber vorhergesagt war, dass sie Christus nicht anerkennen und ihn sogar deshalb töten würden, so wird der von ihnen verkannte und getötete Christus wohl also auch der gewesen sein, gegen welchen sie laut der Vorhersagung dergleichen Handlungen begehen sollten.

Verlangt man den Beweis dafür, so werde ich nicht diejenigen Bücher aufschlagen, welche bloss aussagen, dass Christus einem gewaltsamen Tode ausgesetzt sei, und darum natürlich auch besagen, dass der Verkannte unterliege ---- denn wurde er nicht verkannt, so hätte ihn natürlich das Leiden nicht treffen können. Ich will mir diese lieber aufsparen für die Verteidigung seines Leidens und mich gegenwärtig mit Anführung derjenigen Prophezien begnügen, welche beweisen, dass eine Verkennung Christi möglich war, und auch das nur in Kürze, indem sie zeigen, dass das Volk durch den Schöpfergott aller Erkenntniskraft beraubt worden war.

"Ich will die Weisheit ihrer Weisen", sagt er, "ihnen entziehen und ihre Klugheit verdecken.18) Mit den Ohren werdet Ihr hören und doch nicht hören, mit den Augen sehen und doch nicht sehen. Denn das Herz dieses Volkes ist verhärtet. Ihre Ohren sind schwerhörig und ihre Augen verschlossen, dass sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihren Ohren nicht hören, dass sie es beherzigen und sich bekehren und ich sie heile."19) Eine solche Abstumpfung der Sinne für das Heil hatten sie verdient, sie, die ihn nur mit den Lippen liebten, mit ihren Herzen aber fern von ihm blieben. Wenn also der Schöpfergott, der den Donner dröhnen lässt und den Wind beherrschet und der nach dem Propheten Joel den Menschen auch seinen Christus kundmacht,20) Christum wirklich vorher ankündigte, wenn zugleich jegliche Hoffnung der Juden, um von den Heiden nicht zu reden, auf die Offenbarung Christi gerichtet war, so wurden die Juden ohne Zweifel damit als solche hingestellt, die es nicht anerkennen und den Gegenstand der Vorhersagung, d. i. Christus, nicht verstehen würden, indem sie die Fähigkeit zur Erkenntnis und zum Verstehen, die Weisheit und Klugheit verloren hätten. Es sollten sich in betreff seiner irren ihre vorzüglichsten Weisen, nämlich ihre Schriftgelehrten, und ihre Klugen, d. i. die Pharisäer, ebenso auch das Volk mit seinen Ohren hören, nämlich wie Christus lehrte, und ihn doch nicht hören, ihn mit seinen Augen sehen und doch nicht sehen, nämlich wie Christus Wunder that. In diesem Sinne heisst es anderwärts auch: "Wer ist sonst blind, wenn nicht meine Söhne; und wer ist sonst noch taub, wenn nicht ihre Herrscher."21) Und durch denselben Isaias lässt er auch noch den Vorwurf laut werden: "Ich habe Söhne erzeugt und hoch erhoben, aber sie haben mich verschmäht; es kennt der Ochs seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn, Israel aber hat mich nicht erkannt und mein Volk mich nicht verstanden."22) Wir unsererseits, die wir überzeugt sind, dass in den Propheten allezeit Christus gesprochen habe, versteht sich der Geist des Schöpfergottes, wie der Prophet bezeugt, das Organ23) unseres Geistes, Christus der Herr, der von Anfang an als Stellvertreter des Vaters unter dem Namen Gottes sich hören und sehen Hess, wir wissen darum auch recht gut, dass dergleichen Aussprüche von ihm herrühren und dass er schon damals Israel die Thaten zum Vorwurf machte, welche es der Prophezeiung gemäss erst später gegen ihn verüben würde: "Ihr habt den Herrn verlassen und zum Zorn herausgefordert den Heiligen Israels."24)

Wollte man aber sämtliche Vorhaltungen in betreff der frühern Unwissenheit der Juden nicht auf Christus, sondern vielmehr auf Gott selbst beziehen und nicht zugeben, dass das Wort und der Geist Gottes, d. i. Christus, damals schon von ihnen verachtet und verkannt worden sei, so wird dem ebenfalls seine Widerlegung zuteil werden. Denn wenn man zugibt, Christus sei der Sohn, der Geist und die Substanz des Schöpfergottes, so muss man auch zugeben, dass die, welche den Vater nicht erkannten, auch nicht imstande waren, den Sohn zu erkennen, infolge der Annahme der Identität der Substanz. Wenn deren Fülle nicht erkannt wurde, dann noch viel weniger der Teil davon, wenigstens insofern er an der Fülle Anteil hat.

Wenn man die Sache so geprüft hat, so wird es schon klar, wie die Juden Christum verwerfen und töten konnten, nicht, weil sie ihn als einen fremden Christus ansahen, sondern weil sie ihn, obwohl der ihrige, nicht anerkannten. Wie hätten sie ihn überhaupt für einen fremden Christus ansehen können, da ihnen niemals über einen solchen etwas mitgeteilt worden war? Sie waren ja nicht einmal imstande, den zu erkennen, der ihnen beständig angekündigt worden war! Denn ein Verstehen oder nicht Verstehen kann nur da statthaben, wo für die Verkündigung ein wirkliches Objekt vorhanden ist und den Stoff zum Erkennen oder zum Irrtum darbietet. Wo das Objekt fehlt, da hat schliesslich auch die Weisheit keine Gelegenheit, Erfolge zu erzielen. Mithin haben die Juden ihn nicht etwa als den Christus eines andern Gottes verschmäht und verfolgt, sondern bloss insofern er ein Mensch war, den sie, was seine Wunder anlangt, für einen Betrüger und Gegner ihrer Lehren ansahen. Eben diesen Menschen, gerade insofern er als einer der ihrigen galt, nämlich als Jude, aber als ein Übertreter und Zerstörer des Judaismus, haben sie vor Gericht gestellt und ihrem Rechte entsprechend bestraft; einen Fremden würden sie wohl nicht gerichtet haben. So viel fehlt also daran, dass sie ihn für einen fremden Christus ansahen, da sie ihn nicht einmal hinsichtlich seiner Menschheit als Fremdling verurteilten.

7. Jetzt mögen nun die Häretiker und obendrein die Juden auch noch den Grund ihrer Irrtümer kennen lernen; denn es hat sich bei dieser Argumentation der Blinde der Führerschaft des Blinden bedient und ist mit ihm in dieselbe Grube gefallen.

Wir behaupten, dass zwei Erscheinungsweisen Christi von den Propheten angezeigt und damit eine ebenso vielfache Ankunft desselben angekündigt ist, die eine in Niedrigkeit, nämlich die erste, wo er wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt werden sollte, ohne dass er seinen Mund aufthut, wie ein Lamm vor dem, der es schert, stumm ist, und nicht einmal ein anständiges Aussehen hat. "Wir haben in betreff seiner verkündiget," heisst es, "wie ein Knäblein ist er, wie ein Steckreis in durstigem Boden, kein Ansehen und keine Herrlichkeit ist an ihm; wir sahen ihn und er hatte kein Ansehen und keine Schönheit, sondern sein Aussehen war unscheinbar, hinter den Menschenkindern zurückbleibend, ein Mann mit Wunden, der Schwachheit zu ertragen weiss",25) "als gesetzt vom Vater zum Stein des Anstosses und zum Felsen des Ärgernisses",26) "der von ihm nur ein wenig unter die Engel erniedrigt ist",27) "der sich einen Wurm nennt und nicht Mensch, einen Spott der Leute und eine Verachtung des Volkes". 28)

Diese Beweise der Unansehnlichkeit stimmen zu seiner ersten Ankunft, sowie die der Hoheit zu der zweiten, wo er schon nicht mehr Stein des Anstosses und Klippe des Ärgernisses sein wird, sondern oberster Eckstein, der trotz seiner Verwerfung angenommen und zur Vollendung des Tempels, der Kirche nämlich, in die Höhe gehoben ist; jenes Felsstück bei Daniel, welches, vom Berge losgelöst, das Urbild der weltlichen Reiche zertrümmern und zerschmettern wird.29) Von dieser Ankunft sagt derselbe Prophet: "Und siehe, mit den Wolken des Himmels als Menschensohn kommend kam er bis zum Alten der Tage, er war vor seinem Angesichte, und die ihn umgaben, führten ihn herbei, und es wurde ihm die Königsgewalt übergeben und alle Nationen der Erde nach ihren Geschlechtern und alle Herrlichkeit diente ihm. Seine Gewalt ist eine ewige und wird ihm nicht genommen werden und auch sein Reich, welches nicht wird zerstört werden."30) Dann wird er nämlich auch eine schöne Gestalt und eine unvergängliche Schönheit vor den Menschen haben. "Vollendet bist Du an Schönheit vor den Söhnen der Menschen, Lieblichkeit ist ausgegossen über Deine Lippen, deshalb hat der Herr Dich gebenedeit auf ewig. Gürte Dir Dein Schwert um Deine Lenden, mächtig in Deiner Vollendung und Schönheit."31) Auch der Vater wird ihn, nachdem er ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt, mit Glorie und Ehre krönen und alles zu seinen Füssen legen.32) Dann werden ihn auch die erkennen, die ihn durchbohrt haben,33) und sie werden an ihre Brust schlagen, Stamm für Stamm, natürlich darum, weil sie ihn früher in der Niedrigkeit der menschlichen Natur nicht erkannt haben. "Ein Mensch ist er," sagt Jeremias, "und wer wird ihn erkennen."34) "Denn auch seine Geburt," sagt Isaias, "wer wird sie erklaren?"35)

So wird auch bei Zacharias an der Person des Jesus Josua sogar mit Benutzung des Geheimnisses seines Namens der wahre Hohepriester des Vaters, Christus Jesus, in Hinsicht der zweifachen Kleidung bei seiner zweimaligen Ankunft beschrieben, zuerst als schmutzig gekleidet, d. b. mit der Unscheinbarkeit eines leidensfähigen und sterblichen Fleisches, wo ihm auch der Teufel Widerstand leistet, als Urheber nämlich des Verrats des Judas, ja, vollends auch als Versucher nach seiner Taufe ---- sodann als der vorigen schmutzigen Gewände entkleidet und geschmückt mit dem Priestergewande, der Mitra und einer reinen Cidaris, d. h. mit der Herrlichkeit und Ehre der zweiten Ankunft.36)

Wenn ich ferner die Deutung der beiden,  Böcke geben wollte,37) welche unter Fasten geopfert wurden, würden nicht auch sie die beiden Stände Christi vorbilden? Allerdings bilden sie ein ganz ähnliches Paar wegen der Identität des Herrn, der geschaut wird; denn er wird, um von denen, welche ihn beleidigt haben, erkannt zu werden, nicht in einer andern Gestalt kommen dürfen. Der eine von ihnen wurde mit einer Purpurdecke umhüllt, verwünscht, bespieen, zerrauft und zerstochen, vom Volke aus der Stadt ins Verderben gestossen, also mit handgreiflichen Kennzeichen des Leidens des Herrn versehen. Der andere aber wurde für die Sünden geopfert und den Priestern des Tempels zum Verzehren übergeben; so stellt er die Kennzeichen der zweiten Anwesenheit dar, wo nach Sühnung aller Sünden die Priester des geistigen Tempels, d. i. der Kirche, gewissermaassen das Eingeweide der Barmherzigkeit des Herrn gemessen, während die andern nach der Erlösung schmachten.

Da mithin die erste Ankunft in den Weissagungen dargestellt wurde, vielfach durch Vorbilder umdunkelt und als in Niedrigkeiten aller Art versenkt, die zweite aber in unverkennbarer Weise und Gott entsprechend, so dass die Juden sie deshalb auch leicht erkennen und glauben konnten, so haben sie ihr Augenmerk bloss auf diese, d. i. auf die zweite geheftet, und täuschten sich darum in betreff der schwerer verständlichen und Gott weniger entsprechenden, d. i. der ersten Ankunft nicht ohne ihr Zuthun. So leugnen sie denn bis auf den heutigen Tag, dass Christus erschienen sei, weil er nicht in Hoheit erschienen ist, und ignorieren, dass er auch in Niedrigkeit erscheinen sollte.

8. Nun sollen aber die Häretiker aufhören, ihr Gift vom Juden zu borgen, wie die Natter von der Viper, wie man sprichwörtlich sagt, und jetzt das Gift ihrer eigenen Erfindung von sich spritzen, nämlich die Behauptung, Christus sei ein Phantasma. Freilich dürfte auch diese Lehre andere Urheber haben, nämlich jene nicht ganz gar gebackenen und etwas zu früh auf die Welt gekommenen Marcioniten,38) jene Leute, welche der Apostel Johannes Antichristen genannt hat, weil sie leugneten, dass Christus im Fleische erschienen sei, ohne aber darum noch einen andern Gott zu statuieren, weil auch dies sonst vom Apostel gerügt worden wäre, sondern sie hielten einen Gottmenschen für etwas Unglaubliches.

Um so begieriger hat sich Marcion jene Annahme angeeignet. Er konnte die leibliche Substanz Christi nämlich mit mehr Erfolg dann leugnen, wenn er die Lehre einführte, sein Gott habe das Fleisch weder erschaffen, noch lasse er es auferstehen. Derselbe ist dann natürlich auch in diesem Stücke die reine Güte und von den Lügen und Täuschungen des Schöpfergottes weit entfernt. Damit nun also sein Christus nicht lüge, nicht täusche, und darum nicht etwa als zusammengehörig mit dem Schöpfer angesehen werde, so war derselbe das nicht, als was er erschien und was er zu sein heuchelte, Fleisch und doch kein Fleisch, Mensch und doch kein Mensch, ebenso der Gott Christus und doch kein Gott. Denn warum sollte er denn nicht auch eine Scheingottheit an sich getragen haben? Oder soll ich ihm etwa noch hinsichtlich seines innern Wesens glauben, wenn ich in betreff seines Äussern getäuscht worden bin? Wie könnte man ihn in heimlichen Dingen für wahrheitsliebend halten, da er sich in offenkundigen Sachen als Betrüger gezeigt hat?

Wie aber war es möglich, dass er in seiner Person einen wirklichen Geist und einen trügerischen Leib verband und sich so die vom Apostel abgewiesene Gemeinschaft von Licht, d. h. Wahrheit und von Finsternis, d. h. Betrug in seiner Person selber zu schulden kommen Hess? Wenn das Fleisch sich an Christo als ein Trugbild erweist, so folgt schon jetzt, dass alles, was er mittels des Leibes that, Lügen waren, sein Gehen, Berühren, Essen und sogar seine Wunder. Wenn er nämlich jemanden durch eine Berührung von einem Fehler befreite oder wenn er von jemand berührt wurde, so kann das leiblich Geschehene als wirklich geschehen nicht angesehen werden, wofern sein Leib selbst kein wirklicher war. Denn durch etwas Materielles konnte nicht etwas Wesenloses und Greifbares nicht durch etwas Ungreifbares geschehen. Ist die Erscheinung eine bloss vermeintliche, dann auch ihre Verrichtungen; ist der Handelnde bloss eingebildet, dann auch seine Handlungen. Ebenso wenig Glauben werden die Leiden Christi verdienen. Denn wer nicht wirklich litt, der hat nichts gelitten; ein blosses Phantasma aber konnte nicht wirklich leiden. Also ist es mit dem ganzen Wirken Gottes aus. Der ganze Nutzen und Gewinn des Christentums, der Tod Christi, wird geleugnet, obwohl ihn der Apostel so nachdrücklich empfiehlt, nämlich seinen wirklichen Tod, den er zur Grundlage des Evangeliums, unseres Heiles und seiner Predigt gemacht hat. "Ich habe euch", sagt er, "vor allem gelehrt, dass Christus für unsere Sünden gestorben, begraben und am dritten Tage wieder auferstanden ist".39) Wenn ihm also die Leiblichkeit abgesprochen wird, so kann man auch seinen Tod nicht mehr behaupten. Denn das Sterben ist eine Eigentümlichkeit des Leibes, welcher nach einem Gesetze seines Erschaffers durch den Tod zur Erde wiederkehrt, von der er genommen ist.

Wenn aber mit der Leugnung seines Leibes auch sein Tod geleugnet ist, so steht auch seine Auferstehung nicht mehr fest. Er ist dann aus demselben Grunde nicht auferstanden, aus welchem er nicht gestorben ist; nämlich weil er keinen wesenhaften Leib hat, dessen Sache das Sterben sowohl als das Auferstehen ist. Sowie die Auferstehung Christi in Frage gestellt wird, ist auch die unsrige beseitigt. Denn wenn die Auferstehung Christi selber nichts gilt, so wird auch die nichts gelten, um derentwillen Christus gekommen ist. Denn wie die, welche lehrten, es gebe keine Auferstehung, vom Apostel mit der Auferstehung Christi widerlegt werden, so fällt umgekehrt mit der letztern die Auferstehung der Toten. So wäre denn vergeblich unser Glaube, vergeblich auch die Predigt der Apostel, 40) und die, welche von Gott bezeugten, er habe Christum auferweckt, stehen sogar als falsche Zeugen da, indem er ihn doch nicht auferweckt hat. Wir sind; auch noch in unsern Sünden, und die in Christo Entschlafenen sind zu Grunde gegangen; sie werden allerdings auferstehen, aber vielleicht als Scheinwesen, wie Christus auch.

9. Wenn man glaubt, uns bei dieser Frage die Engel des Schöpfergottes entgegenhalten zu müssen, da sie bei Abraham und Loth auch als Phantasmen mit einem Scheinleibe gehandelt hätten und doch wirklich gekommen seien, gegessen und gethan hätten, was ihnen befohlen war, so sage ich: Erstens geht es nicht, dass man seine Beispiele von dem Gott entnimmt, den man verwirft. Je besser und vollkommner der Gott ist, den man neu einführt, um so weniger passen jene Beispiele auf ihn; denn ist er von dem andern nicht gänzlich verschieden, so ist er auch durchaus nicht besser und vollkommner als jener. Zweitens merke Dir, das Zugeständnis, der Leib der Engel sei ein Scheinleib gewesen, wird Dir gar nicht gemacht, sondern derselbe war von wirklicher, materieller, menschlicher Substanz. Denn wenn es Gott nicht schwer war, seinem Scheinleibe wirkliche Wahrnehmungen und Akte beizulegen,41) so hatte Gott es noch viel leichter, wirklichen Sinneswahrnehmungen und Handlungen auch eine wirkliche Leibessubstanz zu geben, schon deshalb, weil er deren eigentlicher Urheber und Bildner ist.

Dein Gott, o Marcion, hat überhaupt keine Leiblichkeit hervorgebracht, darum that er vielleicht ganz recht daran, ein Phantasma von dem vorzuführen, wovon er die Realität nicht zustande bringen konnte. Mein Gott dagegen, der sie aus dem Lehm entnommen und in dieser Weise gestaltet hat, dass er zwar noch nicht von ehelichem Samen, doch schon ein Leib war, der konnte auch für Engel Leiber aus was immer für einer Materie herstellen, da er ja die ganze Welt, eine solche Fülle auch grosser Körper und zwar durch sein blosses Wort aus nichts hervorgebracht hat. Und in der That, wenn Dein Gott den Menschen dereinst die wirkliche Wesenheit der Engel verheisst: "Sie werden sein," sagt er,42) "wie die Engel im Himmel", warum sollte nicht auch mein Gott eine wirkliche Menschensubstanz irgendwoher entlehnen und sie den Engeln anpassen können? Da Du mir wohl die Antwort darauf, woher jene Deine Engelsubstanz genommen werden soll, schuldig bleiben wirst, so ist es mir auch genug, festzustellen, dass das Gesagte Gottes würdig sei, nämlich die Realität dessen, was er drei Sinnen als ebensoviel Zeugen darstellte, dem Sehvermögen, Tastsinn und Gehör.

Einen Betrug zu üben würde Gott schwerer fallen, als einen Leib irgendwoher zu entnehmen, selbst einen ungeborenen.

Aber auch den andern Häretikern, welche behaupten, jene Leiber der Engel hätten müssen aus andern Leibern geboren werden, um wirklich menschliche zu sein, wollen wir in bestimmter Weise Antwort geben, warum sie wirklich menschlich und trotzdem ungeboren sind. Wirklich menschlich sind sie wegen der Wahrhaftigkeit Gottes, dem Lüge und Täuschung durchaus fremd sind, und deshalb, weil sie von den Menschen nicht hätten wie menschliche behandelt werden können, wenn sie nicht menschlicher Substanz wären. Ungeboren aber sind sie, weil einzig Christus aus dem Fleische als Fleisch sollte geboren werden, um durch seine Geburt die unsrige zu reformieren. Ebenso sollte er auch durch seinen Tod unser Sterben lösen, dadurch, dass er im Fleische auferstand, in welchem er geboren ist, um sterben zu können. Daher erschien er bei Abraham damals mit den Engeln, zwar in einem wirklichen Leibe, aber nicht in einem, der einer Geburt sein Dasein verdankte; denn derselbe sollte ja auch noch nicht sterben, sondern erst lernen, mit den Menschen verkehren. Um so weniger brauchten die Engel, die ja auch nicht für uns sterben sollten, ihren kurzen Aufenthalt in einem Leibe mit dem Akte des Geborenwerdens zu beginnen; denn sie sollten ihn auch nicht mit dem Sterben endigen. Sie entnahmen ihren Leib irgendwoher und legten ihn auf irgend eine Weise ab, ohne einen solchen zu erheucheln. Wenn der Schöpfer die Winde zu seinen Boten macht und Feuerflammen zu seinen Dienern, die dann ebenso wahrhafte Winde als Flammen sind, dann hat er auch jenen Engeln eine wahrhaftige Leiblichkeit verliehen, damit wir uns jetzt daran erinnern und den Häretikern kund thun sollten, es sei ebenso von ihm verheissen, die Menschen zu Engeln umzugestalten, wie er einstmals Engeln die Gestalt von Menschen gab.

10. Da Deine Berufung auf analoge Handlungen des Schöpfergottes nicht angenommen werden kann, weil sie Dich nichts angehen und ihre besonderen Ursachen haben, so wünschte ich, Du legtest mir nun die Ratschlüsse Deines Gottes dar, warum er nicht haben will, dass sein Christus in einem wirklichen Leibe erscheine. Wenn er einen solchen verschmähte als etwas irdisches, etwas, wie Ihr vorgebt, mit Unreinigkeiten erfülltes, warum  hat er denn nicht ebenso auch das Scheinbild davon verachtet? Denn von einer Sache, die man verachten muss, darf man auch das Abbild nicht in Ehren halten; das Bild teilt das Los des Originals.

"Allein wie hätte er denn mit den Menschen umgehen können, ohne das Abbild der menschlichen Substanz"? ---- Noch besser konnte er es durch das Original und dann auch wirklich mit ihnen umgehen, wenn er überhaupt mit ihnen umgehen musste! Viel würdiger wäre es seiner gewesen, ehrlich zu sein, als sich mit Possen abzugeben! Du kommst uns da mit einem recht erbärmlichen Gott! Denn er vermag seinen Christus nicht auftreten zu lassen, als in einem der Sache unwürdigen Bilde, das noch dazu nicht einmal ihm gehört. Manchmal mag es ihm anstehen, sich seiner unwürdiger Dinge zu bedienen, wenn er sich nämlich unserer Dinge bedienen muss, fremder Sachen aber darf er sich nicht bedienen, wären sie ihm auch noch so angemessen. Warum ist er denn nicht in einer andern noch angemesseneren Wesenheit erschienen, und vor allem, warum nicht in seiner eigenen? Dann wäre er gar nicht in den Schein gekommen, als sei er unwürdiger und fremdartiger Dinge bedürftig. Ist mein Schöpfergott mittels des Dornstrauchs und Feuers mit dem Menschen in Verkehr getreten, so hat er es nachher auch mittels der Wolke und der Feuersäule gethan und hat sich bei seinen Erscheinungen der Körper der Elemente bedient. Diese Beispiele göttlicher Macht beweisen aber zur Genüge, dass Gott des leiblichen Apparats, sei er nun wirklich oder fingiert, nicht bedurfte. Wollen wir der Sache auf den Grund gehen, so ist überhaupt keine Substanz würdig genug, dass Gott sich mit ihr bekleide. Demjenigen aber, womit er sich bekleidet, dem gibt er damit selber auch die Würde, doch ohne Täuschung. Was könnte also der Satz, er habe die wirkliche Leiblichkeit für eine grössere Schmach erachtet als deren Trugbild, noch für einen Sinn haben? Und doch hat er sie geehrt, indem er sie fingierte? Wie erhaben ist also der menschliche Leib, da der oberste Gott sogar ein Phantasma davon nötig hatte!

11. All diesen Hokuspokus mit dem Scheinleibe in Christo hat Marcion nur in der Absicht angefangen, damit nicht die wahre menschliche Substanz Christi zu einem Schutzzeugnisse für seine wirkliche Geburt verwendet werde und er somit doch als der Christus des Schöpfergottes dastehe, weil in betreff seiner geweissagt wurde, dass er des Geborenwerdens fähig und deswegen auch mit einem Leibe versehen sein werde. Auch hier geht der Mann aus Pontus sehr einfältig zu Werke. Denn man würde sich bei Gott eher einen durch Geburt entstandenen Leib gefallen lassen, als einen scheinbaren, da die Engel des Schöpfergottes, indem sie auch in einem realen Leibe auftraten, der nicht geboren war, dem Glauben daran vorarbeiteten. Darum hat die bekannte Philumena dem Apelles und den übrigen abtrünnigen Schülern des Marcion die Ansicht beigebracht, Christus habe zwar in ehrlicher Weise einen Leib gehabt, aber einen, der nicht durch Geburt entstanden, sondern von den Elementen entlehnt war. Wenn Marcion besorgte, dass der Glaube an die Wirklichkeit des Leibes auch den Glauben an dessen Geburt zur Folge haben werde, so unterliegt es, behaupte ich, gar keinem Zweifel, dass der, welcher als Mensch erschien, auch für einen geborenen gehalten wurde. Denn es that ein Weib .den Ausruf: "Selig ist der Leib, der dich getragen und die Brüste, die du gesogen."43) Und wie hätte von seiner Mutter und seinen Brüdern die Rede sein können, die draussen standen.44) Wir werden uns diese Stellen seinerzeit noch ansehen. Gewiss ist, wenn er sich Menschensohn nannte, so hat er auch seine Geburt eingestanden.

Um alles dies bis zur Prüfung des Evangeliums zu versparen45), bemerke ich doch, wie oben festgestellt, für jetzt so viel: Wenn er als Mensch erschien und darum jedenfalls auch für einen solchen gehalten werden musste, der geboren war, so war es eine Thorheit, sich einzubilden, der Glaube an seine wirkliche Geburt sei durch das Hilfsmittel eines Scheinleibes wieder zu beseitigen. Denn was nutzte es, dass das, was wirklich vorhanden zu sein schien, doch nicht wirklich da war, der Leib nämlich und die Geburt? Wolltest Du aber etwa sagen: Was liegt denn an der Ansicht der Leute? so heisst das so viel, als Deinen Gott sofort mit dem Titel eines Betrügers beehren, wenn derselbe sich bewusst war, etwas anderes zu sein als das, wofür die Menschen ihn hielten. Du hättest ihm dann auch gleich die scheinbare Geburt beilegen können; dann hättest Du damit diese weitere Schwierigkeit vermieden. Es kommt ja manchmal auch vor, dass die Weiber glauben schwanger zu sein, wenn sie von Blut oder sonst infolge eines ungesunden Zustandes aufgeschwollen sind. Wer eine Maske der Leibessubstanz an sich trug, hätte jedenfalls die Pflicht gehabt, die Scenerie des Gespensterhaften ganz zu durchlaufen und nicht die Entstehungsweise desselben zu überspringen.

Den Betrug betreffs der Geburt hast Du nun allerdings abgewiesen. Du hast nämlich den Leib selbst für einen recht tüchtigen Betrug ausgegeben.46) Denn eine wirkliche Geburt wäre ja für Gott selbstverständlich etwas höchst unpassendes. ----- Wohlan denn, peroriere nun gegen jene heiligen und ehrwürdigen Veranstaltungen der Natur, schimpfe auf alles, was Du bist, mache den Ursprung des Leibes und der Seele47) herunter, nenne den Mutterleib, die Werkstätte zur Hervorbringung eines so erhabenen Wesens, wie der Mensch ist, eine Kloake; ergehe Dich in Redensarten über die Unsauberkeit und Schmählichkeit der Geburtswehen, sowie über den weitem unreinlichen, qualvollen und spassigen Verlauf des Kindbettes! Und doch, wenn Du alles das tüchtig herunter gesetzt und als Gottes unwürdig dargestellt hast, so wird trotzdem die Geburt des Menschen nicht unwürdiger dastehen als sein Sterben, die Kindheit nicht niedriger als das Kreuz, die Natur nicht unwürdiger als die Strafe und die Verurteilung nicht schlimmer als der Leib. Wenn Christus dies alles wirklich gelitten hat, so wäre es weniger gewesen, sich der Geburt zu unterziehen. Hat er zum Schein gelitten, als eine Art Gespenst, so konnte er auch zum Schein geboren werden.

Dass diese Hauptbeweise Marcions, womit er Christus zu einem andern macht, durchaus keinen Bestand haben, ist, scheint mir, zur Genüge von uns bewiesen, wenn wir lehren, dass die Wirklichkeit der äussern Erscheinung, in welcher Gott seinen Christus vorstellte, Gottes würdiger ist, als der Schein davon. Wenn er Realität hatte, so hatte er einen Leib; hatte er einen Leib, so war er auch geboren. Denn was von dieser Häresie bekämpft wird, das findet seine Bestätigung, wenn das, womit es bekämpft wird, in sich zerfällt. Wenn also die Annahme eines Leibes in Christo seine Geburt und die Vorstellung, dass er einen Leib gehabt, bedingt, weil er kein Phantom war, so wird man ihn als den, dessen Ankunft im Fleische und dessen Geburt durch die Propheten des Schöpfergottes angekündigt wurde,48) mithin als den Christus des Schöpfergottes anerkennen müssen.

12. Berufe Dich nun, wie es Deine Gewohnheit ist, auf die betreffende Parallelisierung Christi bei Isaias mit dem Vorgeben, es treffe in ihr nichts zu. Erstens meinst Du, der Christus des Isaias solle Emmanuel heissen, sodann er werde die Macht von Damaskus und die Beute von Samaria nehmen gegen den König von Assyrien. Nun ist aber der, welcher erschien, weder unter diesem Namen aufgetreten, noch hat er kriegerische Thaten verrichtet.

Hiergegen werde ich Dich daran erinnern, dass man den Zusammenhang jener beiden Capitel49) nicht vergessen darf. Auch die Übersetzung von Emmanuel: "Gott mit uns", wurde gegeben,50) damit man auch den Sinn des Wortes beachte, nicht bloss seinen Klang. Das Wort Emmanuel nämlich ist hebräisch und auf das betreffende Volk beschränkt, seine Bedeutung aber "Gott mit uns" ist der Deutung entsprechend etwas allgemeines. Prüfe also, ob dieser Ausdruck "Gott mit uns" oder Emmanuel von der Zeit an, wo Christus erschien, an und bei Christus in Übung kommt. Ich glaube, Du wirst es nicht leugnen, da Du ja selbst auch sagst, er wird "Gott mit uns" genannt, d. h. aber Emmanuel. Oder solltest Du, weil bei Euch: "Mit uns Gott" gesagt wird und nicht Emmanuel, so thöricht sein, nicht zugeben zu wollen, dass der, dem der Name Emmanuel eigentlich zukommt, erschienen sei, als ob nicht der "Gott mit uns" eben dieser sei, so wirst Du finden, dass man bei den Hebräern, bei den Christen, ja sogar bei den Marcioniten den Namen Emmanuel braucht, wenn man sagen will: "Mit uns ist Gott"; wie jedes Volk, mag der Begriff "Gott mit uns" bei ihm sonst lauten, wie immer er will, doch das Wort Emmanuel ausspricht und durch das Wort den Gedanken wiedergibt. Wenn also Emmanuel heisst "Gott mit uns", wenn der "Gott mit uns" aber eben Christus ist, der ja auch in uns ist ---- "denn ihr alle, die ihr auf Christum getauft seid, habt Christum angezogen"51) dann ist er so recht eigentlich Christus sowohl der Bedeutung seines Namens nach, der da bedeutet "Gott mit uns", als dem Klange des Namens nach, der da lautet: Emmanuel. Somit steht es fest, dass der, welcher als der Emmanuel angekündigt wurde, bereits gekommen sei, weil das gekommen ist, was Emmanuel bedeutet, d. h. der "Gott mit uns".

13. In gleicher Weise lassest Du Dich vom blossen Schalle der Titel leiten, wenn Du "die Macht von Damaskus, die Beute von Samaria und den König der Assyrier" so nimmst, als würde durch diese Ausdrücke der Christus des Schöpfergottes als Krieger angekündigt, ohne darauf Acht zu geben, was die hl. Schrift hat vorausgehen lassen, dass "bevor er Vater und Mutter sagen kann, er die Stärke von Damaskus und die Beute von Samaria fortführen wird gegen den König der Assyrier".52) Du solltest nämlich vorerst die Angabe des Lebensalters berücksichtigen und zusehen, ob dasselbe wohl Christum auch schon als Mann hinstelle, geschweige denn gar noch als einen Feldherrn. In letzterem Falle hätte natürlich das Kind durch Geplärre zu den Waffen rufen müssen, die Signale zur Schlacht nicht mit der Trompete, sondern mit der Kinderklapper geben, nicht vom Pferde, dem Streitwagen oder der Stadtmauer herunter, sondern am Halse oder auf dem Rücken seiner Amme oder Kindsmagd hängend auf den Feind .hinzeigen und so anstatt der Mutterbrust Damaskus und Samaria überwältigen müssen. Wenn die Kinder bei den Barbaren in Pontus mit in die Schlacht hinauslaufen, so ist das etwas anderes; vermutlich sind sie vorher an der Sonne gesalbt worden, sodann mit Windeln bepanzert, bekommen ihre Buttermilch als Kriegsration und verstehen schon Lanzen zu schwingen, ehe sie noch den Löffel regieren können. Wenn aber der Lauf der Natur es nirgendwo gestattet, eher Krieg zu führen, bevor man das Leben hat, und die Macht von Damaskus an sich zu reissen, bevor man die Worte Vater und Mutter auszusprechen vermag, so folgt daraus, dass der Ausspruch bildlich gemeint ist.

Aber, wendet Marcion ein, dass eine Jungfrau gebäre, ist auch gegen den Lauf der Natur und doch glaubt man es dem Propheten. ---- Mit Recht! Er hat nämlich dem Glauben an das Unglaubliche eine Grundlage gegeben, indem er als Grund dafür angab, dass sie als Kennzeichen dienen würde. "Deshalb", heisst es, "wird Euch der Herr ein Zeichen geben: Siehe die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären." ---- Als ein Zeichen von Gott konnte aber nur eine aussergewöhnliche, neue Erscheinung dienen. Wenn daher die Juden, um uns in den Weg zu treten, manchmal so verwegen sind, zu Ausflüchten zu greifen und vorgeben, die Schrift besage nur, dass ein junges Weib, nicht gerade eine Jungfrauempfangen und gebären solle, so werden sie damit widerlegt, dass eine so alltägliche Erscheinung wie das Empfangen und Gebären seitens eines jungen Weibes nicht als ein Zeichen angesehen werden könne.

Mit Recht wird also die als Zeichen hingestellte Mutter auch für eine Jungfrau, aber nicht mit Recht das Kind für einen Krieger gehalten. Denn hier fehlt der Zweck, dass es ein Zeichen sein soll, und nachdem das Zeichen einer ganz ungewöhnlichen Geburt angegeben ist, wird sodann nach diesem Zeichen für das Kind sogleich eine ganz andere Ordnung aufgestellt, "es wird Honig und Butter essen". Und es ist auch sicher kein Zeichen, dass es dem Bösen nicht zustimmen werde, denn auch das ist Sache der Kindheit, sondern Zeichen ist wieder, dass es die Macht von Damaskus und die Beute von Samaria gegen den König der Assyrier erhalten werde.53) Man halte nur das Maass des Alters fest und suche dann den Sinn der Verheissung; oder gebe vielmehr nur dem Evangelium seine Wahrheit wieder, die man ihm entzogen hat, und die Prophezeiung wird so gewiss verständlich sein, als ihre Erfüllung berichtet wird.54) Man muss aber die Magier aus dem Orient, die den neugeborenen Christus mit Gold und Weihrauch beschenken, hübsch beibehalten.55) Dann wird das Kind schon die Macht von Damaskus und die Beute von Samaria empfangen, auch ohne Kampf und ohne Waffen.

Denn abgesehen davon, dass, wie allen bekannt ist, die Macht des Orients, d. h. seine Kraft und Stärke, in Gold und Wohlgerüchen sich auszuzeichnen pflegt, steht es fest, dass für den Schöpfergott auch die Macht der übrigen Völker in Gold bestehe, wie er durch Zacharias sagt: "Auch Juda wird streiten in Jerusalem und alle Kräfte der Nationen ringsherum zusammenbringen, Gold und Silber. 56) Mit Bezug auf das damalige Geschenk an Gold sagt auch David: "Und es wird ihm gegeben werden vom Golde Arabiens",57) und wiederum: "Die Könige von Arabien und Saba werden ihm Geschenke bringen.58) Denn der Orient hatte in der Regel Magier zu Königen und Damaskus wurde ehemals zu Arabien gerechnet, bevor es infolge der Teilung der beiden Syrien zu Syrophönizien geschlagen wurde. Seine Macht empfing damals Christus, in der Annahme seiner charakteristischen Producte, nämlich des Goldes und der Wohlgerüche. Die Beute von Samaria aber waren die Magier selbst, die auf das Zeugnis des Sternes hin, der ihnen als Zeichen und Führer diente, ihn erkannten, ihn mit Geschenken ehrten und ihn als ihren Gott und König kniefällig anbeteten. So machten sie sich Samaria, d. h. die Idololatrie zur Beute, indem sie an Christus glaubten. Der Name Samaria nämlich ist nur eine tadelnde Bezeichnung für den Götzendienst, mit dem Samaria befleckt war, da es unter dem König Jeroboam von Gott abfiel.

Auch das ist bei dem Schöpfergott nichts neues, dass er zur Gleichstellung der Vergehungen sich einer sinnbildlichen Vertauschung der Namen bedient. Er nennt z. B. auch die Fürsten von Juda Fürsten von Sodoma, das Volk selbst Volk von Gomorrha.59) Ein anderes Mal sagt er: "Dein Vater ist ein Amorrhäer und Deine Mutter eine Chethäerin"60) wegen ihrer Ähnlichkeit in der Gottlosigkeit; einstmals hatte er sie seine eigenen Söhne genannt. "Söhne habe ich erzeugt und erhoben".61) So wird auch unter Ägypten zuweilen der ganze Erdkreis gemeint wegen seines Sündenregisters von Aberglauben und Fluch. So ist auch Babylon bei unserem Johannes62) ein Sinnbild der Stadt Rom, die in gleicher Weise gross ist und, stolz auf ihre Herrschaft, die Heiligen Gottes bekämpft. Nach demselben Sprachgebrauche also hat er auch die geplünderten Magier mit der Benennung Samariter tituliert, weil sie mit den Samaritern, wie gesagt, die Idololatrie gemein gehabt hatten. Unter "dem König der Assyrier" aber verstehe man: "den König Herodes", dem die Magier entgegen handelten, indem sie ihm nichts über Christus, den er umzubringen trachtete, meldeten.

14. Dieser unserer Auffassung kommt zu statten, dass Du mit Deiner Ansicht, Christus sei, weil die Namen gewisser "Waffen und ähnlicher Ausdrücke vorkommen, ein Krieger, durch Heranziehung des übrigen Sinnes widerlegt wirst. Allerdings sagt David: "Gürte Deine Lenden mit dem Schwerte." Allein was liesest Du weiter oben von Christus? "Reif bist Du an Schönheit vor den Menschenkindern, Lieblichkeit ist ausgegossen über Deine Lippen."63) Es kommt mir lächerlich vor, dass man einem, den man mit dem Schlachtschwert umgürtet, wegen der Reife seiner Schönheit und der Lieblichkeit seiner Lippen Schmeicheleien sagt. Ebenso heisst es dann weiter: "Dehne Dich aus, sei glücklich und herrsche", aber es wird beigesetzt, "um der Wahrheit, Milde und Gerechtigkeit willen." "Wer aber wollte diese durch das Schwert herstellen? Ist da nicht vielmehr das Gegenteil von List, Roheit und Ungerechtigkeit, den eigentlichen Wirkungen des Krieges? Sehen wir also zu, ob jenes Schwert, dessen Wirkungen so abweichend sind, nicht ein anderes sei! Auch der Apostel Johannes schreibt in der Apokalypse von einem zweischneidigen, sehr scharfen Schwerte, das aus dem Munde Gottes hervorgeht,64) worunter man aber das Wort Gottes zu verstehen hat, das zweischneidig ist wegen der beiden Testamente, des Gesetzes und des Evangeliums, und sehr scharf wegen seiner Weisheit, das gezückt ist gegen den Teufel, das uns wappnet gegen die geistigen Feinde der Bosheit und Begierlichkeit, das uns lostrennt sogar von unseren Freunden wegen des Namens Gottes.

Wenn Du den Johannes nicht anerkannt wissen willst, so ist Paulus noch da, der gemeinsame Lehrer, der unsere Lenden gürtet mit der Wahrheit und dem Panzer der Gerechtigkeit, der uns beschuht mit der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, nicht des Krieges, der uns ergreifen heisst den Schild des Glaubens, womit wir all die feurigen Pfeile des Teufels auszulöschen imstande sind, den Helm- des Heiles und das Schwert des Geistes, welches da ist, wie er sagt, das Wort Gottes.65) Dieses Schwert auf die Erde zu bringen, nicht den Frieden, ist der Herr selbst gekommen.66)

Wenn er Dein Christus ist, dann ist er folglich auch ein Krieger. Ist er kein Krieger, sondern zückt er nur im figürlichen Sinne das Schwert, so wird wohl auch der Christus des Schöpfergottes im Psalm sich ohne kriegerische Thaten mit dem sinnbildlichen Schwert des Wortes gürten dürfen. Mit ihm verträgt sich auch die oben erwähnte Schönheit und Lieblichkeit auf den Lippen, und es war jenes Schwert, womit er damals bereits bei David seine Lenden gürtete und welches er einstens auf die Welt schicken wollte. Denn das soll es heissen, wenn er sagt: "Breite Dich aus, habe Glück und herrsche!" Ausbreiten thut er sein Wort auf der ganzen Erde zur Berufung aller Völker; glücklich ist er durch Erfolge des Glaubens, womit er aufgenommen wird; regieren thut er von dem Augenblick an, wo er durch seine Auferstehung den Tod besiegt hat. "Und es wird Dich," heisst es weiter, "wunderbar geleiten Deine Rechte," die Kraft nämlich der geistigen Gnade, wodurch die Erkenntnis Christi herbeigeführt wird. Seine "scharfen Pfeile" sind die uns überall begegnenden Vorschriften, die Drohungen und Demütigungen des Herzens, die eines jeden Inneres verwunden und durchbohren. "Die Völker werden vor Dir niederstürzen" ---- natürlich in Anbetung.

In dieser Weise ist der Christus des Schöpfergottes ein Kriegsheld und Waffenträger, solcher Beute bemächtigt er sich auch jetzt noch, nicht bloss in Samaria, sondern bei allen Völkern. Da Du seine Waffen als allegorische erkannt hast, so siehe auch seine Beute für sinnbildlich an. Also der Herr spricht und der Apostel schreibt in dieser Weise sinnbildlich. Daher machen wir keinen vermessenen Gebrauch von seinen Auslegungen, wovon auch die Gegner Analogien zulassen. Der Christus, welcher erschienen ist, wird also umsomehr der Christus des Isaias sein, je weniger er ein Krieger ist, da er von Isaias nicht als solcher geschildert wird.

15. Soweit nun die Untersuchung über die Leiblichkeit Christi, und damit über seine Geburt und seinen bis jetzt einzigen Namen Emmanuel. Was für eine Antwort wird aber die Gegenpartei in betreff seiner übrigen Namen und insbesondere des Namens Christus geben? Wenn bei Euch die Bezeichnung Christus eine ebenso allgemeine ist wie die Bezeichnung Gott, und es ebenso angemessen ist, den Sohn eines jeden der beiden Götter Christus zu nennen, wie man beide Väter Herren nennt, dann wird die Vernunft dieser Argumentation widersprechen. Die Bezeichnung Gott nämlich kann als die der Gottheit natürliche auf alle Wesen ausgedehnt werden, für welche Göttlichkeit in Anspruch genommen wird; so auch für die Götzen nach dem Ausdruck des Apostels: "Es gibt auch sogenannte Götter im Himmel oder auf Erden."67)

Die Bezeichnung Christus aber verdankt nicht der Natur ihre Herkunft, sondern der Heilsordnung und wird Eigentum dessen werden, der einen Heilsplan angeordnet hat. Auch ist sie nicht an irgend einen andern Gott mitteilbar, namentlich nicht an einen Nebenbuhler, der seine eigene Heilsordnung hat und ihr also auch besondere Namen geben muss. Was sollte es heissen, verschiedene Heilsordnungen zweier Götter auszusinnen, aber doch eine Gemeinsamkeit der Namen zuzulassen, wenn deren Heilsordnungen sich bekämpfen sollen? Es gäbe keinen bessern Beweis für das Dasein zweier einander feindlichen Götter, als wenn sich in ihren Heilsordnungen auch verschiedene Namen fänden. Denn verschiedenartige Zustände werden immer durch besondere Benennungen abgeschlossen. Nur wenn diese fehlen, dann hilft man sich mit der Katachresis der Griechen durch Gebrauch einer andern. Bei Gott aber darf es, sollte ich meinen, an nichts fehlen und seine Ordnungen dürfen sich nicht mit fremden Federn schmücken.

Was würde das für ein Gott sein, der für seinen Sohn die Titel vom Demiurgen entnimmt? nicht einmal bloss fremde Titel, sondern noch dazu alte und schon verbreitete, die für den neuen und unbekannten Gott auch nicht einmal passen würden! Wie dürfte er noch die Lehre geben, man soll keine neuen Flicken auf ein altes Kleid setzen und den neuen Wein nicht alten Schläuchen anvertrauen, wenn er selber mit einem alten Namen versehen und ausgeflickt einhergeht? Wie kann er das Evangelium vom Gesetz loslösen, wenn er sich ganz in das Gesetz steckt? nämlich durch Annahme des Titels Christus. Wer hat ihm denn verboten, einen andern Namen anzunehmen, da er ja andere Lehren hat, anderswoher kommt und, um nicht für den Christus des Demiurgen gehalten zu werden, nicht einmal einen wahrhaftigen Leib angenommen hat? Es war aber ein Unsinn, das nicht scheinen zu wollen, was er doch heissen wollte; denn selbst dann, wenn er einen wirklichen Körper gehabt hätte, wäre er doch lange nicht so leicht für den Christus des Schöpfergottes gehalten worden, wenn er sich hätte anders nennen lassen. So aber hat er den Namen angenommen und das Wesen zurückgewiesen, während er doch viel eher den Besitz des Wesens durch Besitz des Namens bewiesen haben würde.

Wenn Christus nämlich der Gesalbte ist, so ist Salben ja etwas, das den Körper angeht. Wer keinen Körper hatte, konnte auch nicht gesalbt werden; wer nicht gesalbt werden konnte, der konnte auch durchaus nicht den Namen Christus führen. Etwas anderes wäre es, wenn er auch den Namen nur zum Schein begehrt hätte. Ohne jenen bei den Juden so beliebten und bekannten Namen, heisst es da, hätte er sich bei ihnen unmöglich Glauben erwerben können. ---- Entweder denkst Du Dir Gott als unbeständig oder als verschlagen; nur Mangel an Selbstvertrauen oder Bosheit verfallen auf das Mittel, durch Täuschung etwas zu erreichen. Da haben die Pseudopropheten viel freier und aufrichtiger gehandelt, die gegen den Demiurgen im Namen ihres eigenen Gottes auftraten. Ich sehe aber auch nicht einmal einen Erfolg dieses seines Verfahrens, da man ihn eher entweder für den richtigen Christus gehalten haben würde oder noch besser für irgend einen Betrüger, als für den Christus eines andern Gottes, wie das Evangelium beweist.

16. Hat er sich nun den Namen Christus wie ein Gauner glücklich erschwindelt, warum wollte er denn jetzt auch noch Jesus heissen, ein Name, der bei den Juden nicht so sehr Gegenstand der Erwartung ist? Denn wenn wir, durch die Gnade Gottes zur Erkenntnis seiner Heilsgeheimnisse gelangt, auch wissen, dass dies einer der für Christus bestimmten Namen sei, so dürfte den Juden, denen die Weisheit entzogen ist, die Sache doch nicht bekannt sein. So hoffen sie denn noch heutigentages auf einen Christus, nicht auf einen Jesus, und geben Christum lieber für Elias aus als für einen Jesus. Wer also mit der Benennung erschien, unter welcher Christus erwartet wurde,68) der hätte auch unter dem Namen allein kommen können, der allein erwartet wurde. Wenn er aber beide miteinander vermengt, den erwarteten und den nicht erwarteten, so werden seine beiden Absichten zu Schanden. Denn er heisst entweder in der Absicht Christus, um sich vorläufig auch als den Christus des Demiurgen einzuschmuggeln ---- dann steht ihm aber der Jesus im Wege, weil man im Christus des Demiurgen keinen Jesus erwartet, ---- oder69) um als der Christus des andern Gottes zu gelten ---- das lässt dann aber die Benennung Christus nicht zu, weil kein anderer Christus erwartet wurde, als der des Demiurgen.

Was von diesen beiden Dingen sich halten lässt, weiss ich nicht. Bei dem Christus des Schöpfergottes aber, bei dem sich auch der Jesus findet, lässt sich beides halten. Wie denn das? fragst Du. ---- Lerne es mit den Genossen Deines Irrtums, mit den Juden! Als Auses, der Sohn des Nave,70) zum Nachfolger des Moses bestimmt war, wurde sein früherer Name beseitigt und er fängt an Jesus zu heissen. Ganz recht, erwiderst Du. ---- Gut, wir behaupten vorab, dass das ein Vorbild des Zukünftigen gewesen sei. Weil Christus nämlich das zukünftige Volk, und das sind wir, die in der Wüste der Heidenwelt Geborenen, in das Land der Verheissung, das von Milch und Honig fliesst, einführen sollte, d. h. in den Besitz des ewigen Lebens, welches das allersüsseste ist, und zwar sollte dies nicht durch Moses, d. h. nicht durch die Zucht des Gesetzes, sondern durch Jesus, die Gnade des Evangeliums, geschehen, nachdem wir durch die Schärfe des Steines, d. i. Christi, denn Christus war der Stein,71) beschnitten worden, ---- darum ist der Mann, der zum Sinnbilde dieses Gläubensgeheimnisses in Bereitschaft gehalten wurde, auch als Sinnbild des Namens des Herrn eingeführt und Jesus genannt worden.

Dass dies sein Name sei, bezeugte Christus schon damals, als er sich mit Moyses unterredete. Denn wer war es sonst, der redete, wenn nicht der Geist des Schöpfergottes, der Christus ist. Als er daher zu dem abgesendeten Volke sagte: "Siehe, ich sende meinen Engel vor Dir her, der Dich beschütze auf dem Wege und einführe in das Land, welches ich Dir bereitet habe; sei achtsam und höre auf ihn und sei ihm nicht unfolgsam; denn er steht nicht von dir ab und mein Name ist über ihm",72) nannte er ihn allerdings einen Engel wegen der Grosse seiner Macht, die er an den Tag legen sollte, und wegen seines Prophetenamtes, da er den Willen Gottes verkündigte, Jesum aber nannte er ihn wegen des Geheimnisses seines künftigen Namens. Wiederholentlich hat er den Namen bestätigt, den er ihm beigelegt hatte, weil er ihn nicht Engel oder Auses, sondern Jesus in Zukunft zu nennen befahl. Wenn also beide Namen auf den Christus des Schöpfers passen, dann passen sie beide um so weniger auf den Christus des Gottes, der nicht Schöpfer ist, und ebenso wenig der übrige Verlauf der Dinge. Wir müssen also bereits an dieser Stelle eine Einrede erheben, die zwischen uns feststehend, gerechtfertigt und für beide Teile notwendig ist, nämlich die, dass zwischen dem Christus des andern Gottes und dem des Demiurgen durchaus nichts gemeinsam sein dürfe. Denn an Euch ist es ebenso sehr, die Verschiedenheit aufrecht zu erhalten, als an uns, sie zu bekämpfen, weil ihr anders die Ankunft des Christus eines andern Gottes nicht werdet beweisen können, als wenn ihr zeigt, dass er vom Christus des Demiurgen weit verschieden ist. Wir dagegen können nur dann aufrecht erhalten, dass er der Christus des Demiurgen sei, wenn wir darthun, dass er so ist, wie der Schöpfergott ihn hinstellt. In betreff seiner Namen haben wir obgesiegt. Mir gehört der Christus, mir eigne ich den Jesus zu.

17. Halten wir nun den übrigen Verlauf seiner Erscheinung mit den hl. Schriften zusammen! Wie unscheinbar auch immer jener Leib gewesen sein mag, weil er ihn angenommen hat und zur Schau trug,73) wenn er ohne Herrlichkeit, Ansehen und Ehre war, so wird er mein Christus sein. Denn als so beschaffen wurde er, dem Aussehen und Anblick nach, vorher angekündigt.

Da ist wieder Isaias: "Wir haben ihn", sagt er, "angekündigt; wie ein Knäblein ist er vor ihm, wie ein Reis in dürrem Lande; Ansehen und Schönheit hat er nicht; wir haben ihn gesehen, er hatte kein Ansehen und keine Schönheit, sondern sein Aussehen war unscheinbar, nachstehend allen Menschen."74) So lautete auch eben die Anrede des Vaters an den Sohn: "Gleichwie viele über dich erschrecken, so wird ohne Herrlichkeit sein Deine Gestalt vor den Menschen."75) Wenn er bei David auch "reif an Schönheit vor allen Menschenkindern" genannt wird, so ist er es in jenem allegorischen Zustande der geistigen Gnade, wo er sich gürtet mit dem Schwerte des Wortes, welches in Wahrheit seine Schönheit, seinen Glanz und seine Herrlichkeit ausmacht. Im übrigen aber ist er in seiner inkarnierten Erscheinung bei demselben Propheten auch "ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und Gegenstand der Verachtung des Volkes".76)

Dergleichen Prophezeiungen gehen nicht etwa auf seine innere Beschaffenheit. Wenn nämlich die Fülle des Geistes in ihm wohnte, so erkenne ich daran das Reis aus der Wurzel Jesse. Die Blüte desselben muss mein Christus sein, auf welchem nach Isaias der Geist der Weisheit und der Erkenntnis ruhte, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und Frömmigkeit, der Geist der Furcht Gottes.77) Denn keinem andern Menschen ausser Christus kommt die Mannigfaltigkeit der Geistesgaben zu. Einer Blume wird er wegen seiner geistigen Gnade verglichen; als entsprossen aus der Wurzel Jesse aber gilt er, indem er durch Maria davon herzuleiten ist. Absichtlich frage ich noch danach, ob Du ihm jede Art von Erniedrigung, Geduld und Gelassenheit schuld gibst; wenn er sie hat, wird er der Christus des Isaias sein. "Der Mann mit Wunden, der Schwachheit zu ertragen weiss, der wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt wurde und wie ein Lamm seinen Mund nicht öffnete vor dem, der es schert, der nicht eiferte noch schrie, dessen Stimme draussen nicht gehört wurde, der das geknickte Rohr, d. i. den wankenden Glauben der Juden, nicht zerbrach, der den glimmenden Docht, d. i. den vorübergehenden Eifer der Heiden, nicht auslöschte,78) kann kein anderer sein als der Verheissene. Man muss sein Thun an der Hand der hl. Schrift genau betrachten; dasselbe scheidet sich, wenn ich nicht sehr irre, in zweifacher Richtung als Predigen und Wunder wirken.

Doch ich werde über beide Beziehungen in der Art disponieren, dass ich, weil ich doch über das Evangelium des Marcion noch sprechen will, die Erörterung über die einzelnen Lehren und Wunder bis dahin, also nur für einen Augenblick verschiebe. Hier wollen wir im allgemeinen die angefangene Ordnung zu Ende führen und vorläufig zeigen, dass Isaias in Christus einen Lehrer angekündigt hat. "Wer ist unter Euch," sagt er, "der Gott fürchtet und die Stimme seines Sohnes hören wird?"79) ebenso als einen heilbringenden Arzt. "Er selbst", heisst es, "hat unsere Schwachheiten hinweggenommen und unsere Krankheiten getragen."80)

18. Aus seiner Todesart allerdings versucht Ihr, wie ich meine, eine Verschiedenheit herzuleiten, indem Ihr leugnet, dass für den Christus des Demiurgen das Leiden am Kreuze vorher verkündet sei, und ausserdem noch ausklügelt, es sei unglaublich, dass der Demiurg seinen Sohn einer Todesart aussetzte, die er selber verflucht habe. "Verflucht sei'', heisse es, "jeder, der am Holze hängt." 81) Doch ich verschiebe es noch, die eigentliche Bedeutung dieses Fluches anzugeben,82) der bloss als Ankündigung des Kreuzes, um die es sich jetzt vorzugsweise handelt, eine würdige Stelle behauptet; denn auch sonst geht ja der Nachweis der Thatsachen wohl der Begründung derselben voran. Ich will mich vorerst über die betreffenden Vorbilder aussprechen. Und da bedurfte denn jedenfalls gerade dieses heilige Geheimnis bei seiner. Ankündigung vorzugsweise der Vorbilder. Je unglaublicher es ist, desto mehr würde es zum Ärgernis gereicht haben, wenn die Ankündigung desselben nur mit dürren Worten geschehen wäre; je erhabener es ist, desto mehr musste es verhüllt werden, damit die Schwierigkeit des Verständnisses uns antreibe, nach der Gnade Gottes zu suchen. So hat denn also vor allem Isaak, als er, von seinem Vater zur Opfergabe hingegeben, das Holz für sich selber trug, schon damals die Todesart Christi angezeigt, der auch von seinem Vater zum Schlachtopfer hingegeben wurde und das Holz seines Leidens schleppte. Auch Joseph bildet Christum vor, nicht bloss darin, dass er ---- ich will mich nicht lange aufhalten ---- von seinen Brüdern wegen der Gnade bei Gott Verfolgung zu leiden hatte, wie Christus von den Juden, seinen Brüdern dem Fleische nach, sondern auch darin, dass er von seinem Vater den Segen mit den Worten erhielt: "Seine Schönheit ist die eines Stieres, Hörner des Einhorns sind seine Hörner, mit ihnen wird er schleudern die Völker bis zum Ende der Erde."83) In diesen Worten wurde gewiss kein einhörniges Rhinoceros und kein zweihörniger Minotaurus in Aussicht gestellt, sondern Christus wurde damit bezeichnet, der ein Stier ist wegen seines doppelten Verhaltens, für die einen streng als Richter, für die andern milde als Erlöser, dessen Hörner die beiden Enden des Kreuzes sein sollten. Denn auch an dem Querbalken, der die eine Hälfte des Kreuzes bildet, werden die Enden Hörner genannt, Einhorn aber der Mittelpfahl des Gerüstes. Durch diese Kraft des Kreuzes und in dieser Weise gehörnt, schleudert er jetzt denn auch alle Völker, indem er sie durch den Glauben von der Erde zum Himmel sendet, und später wird er sie worfeln im Gerichte, indem er sie vom Himmel zur Erde herabstürzt.

Auch anderwärts in demselben Buche der hl. Schrift wird er der Stier sein, nämlich da, wo Jakob im Geiste gegen Simon und Levi spricht84) d. h. gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer ---- von diesen nämlich schreibt sich jene Klasse von Menschen her. Simon und Levi trieben ihre Ruchlosigkeit auf die Spitze infolge ihrer Häresie, womit sie nämlich Christum verfolgten. "In ihre Versammlung soll meine Seele nicht kommen und auf ihrem Lagerplatz sollen meine Hüften nicht liegen, weil sie in ihrem Grolle Menschen töteten",85) d. i. die Propheten, und "in ihrem Mutwillen dem Stiere die Sehnen zerschnitten",86) d. i. Christo, den sie nach der Ermordung der Propheten töteten, sie wüteten nämlich gegen ihn, indem sie seine Sehnen mit den Nägeln anhefteten. Sonst, wäre es ein Unsinn, wenn ihnen nach der Ermordung von Menschen das Abschlachten eines Ochsen zum Vorwurf gemacht würde.

Ferner, warum hat denn Moses bloss damals, während Jesus gegen Amalek kämpfte, mit ausgebreiteten Händen dasitzend gebetet, während er bei so beängstigender Sachlage vielmehr hätte auf den Knieen liegen, mit den Händen an seine Brust schlagen, sein Antlitz in den Staub drücken und so sein Gebet hätte eindringlicher machen sollen? Offenbar nur aus dem Grunde, weil da, wo der Name des Herrn selbst kämpfte, der einst gegen den Teufel streiten wollte, auch die Haltung in Kreuzesform nötig war, durch welche einst Jesus den Sieg davon tragen sollte. Derselbe Moses hat Nachbildungen aller Art untersagt, warum hat er denn aber selbst die eherne Schlange am Kreuze in hängender Haltung zum heilsamen Anblick aufgestellt? Hat er etwa, auch dabei die Wirkung des Kreuzes des Herrn im Auge gehallt, woran die teuflische Schlange an den Pranger gestellt wurde, und wodurch jedem, der von den geistigen Schlangen verwundet ist, wenn er gläubig nach demselben schaut, Genesung von der Bisswunde der Sünde und infolge davon das Heil verheissen wird?

19. Wohlan nun, wenn Marcion bei David gelesen hat: "Der Herr regierte vom Holze herab,"87) so bin ich gespannt, was er darunter versteht. Am Ende wird es noch bedeuten, dass einmal ein Holzhacker König der Juden werden soll und nicht Christus, der seit seinem Leiden am Holze und nach Besiegung des Todes König ist. Denn wenn der Tod von Adam bis Christus die Herrschaft gehabt hat, warum soll man nicht sagen können, Christus sei vom Holze herab König, seitdem er durch seinen Tod an diesem Kreuzesholze, die Herrschaft des Todes beseitigt hat?

Ebenso sagt auch Isaias: "Ein Knabe ist uns geboren."88) Wäre das etwas neues, wenn er mit seinem Ausspruch nicht den Sohn Gottes meint?

"Und es ist uns gegeben worden der, auf dessen Schultern, die Herrschaft, ruht." Wer von den .Königen trägt denn überhaupt die Abzeichen seiner Herrschaft auf den Schultern und nicht vielmehr auf dem Kopfe ein Diadem, in der Hand das Szepter oder als Abzeichen irgend ein besonderes Gewand? Nur allein der neue König der neuen Zeiten, Christus Jesus, hat die Herrschaft und Hoheit seiner neuen Herrlichkeit auf der Schulter hinausgetragen, nämlich das Kreuz, damit nach der vorigen Prophezie von da ab der Herr vom Holze herab König sei.

Den Gedanken an dieses Holz legt Dir auch Jeremias nahe, der es verheisst, indem die Juden sagen würden: "Kommt, thuen wir Holz an sein Brot,89) natürlich auf seinen Leib, denn so lautet die Offenbarung, die Gott, sogar noch erteilt hat, in Eurem Evangelium90), wenn er das Brot seinen Leib nennt, damit mau schon daraus erkenne, dass eben dieselbe Person, deren Leib in der Vorzeit der Prophet figürlich schon zu einem Brot machte, ein Glaubensgeheimnis, welches der Herr selbst nachmals ausdeuten sollte,91) dieses Brot zum Vorbild ihres Leibes gewählt, habe.

Wenn Du noch nach weiteren Vorherverkündigungen des Kreuzes des Heran Verlangen hast, so kann Dir jetzt schon der 21. Psalm Genüge leisten, der die ganze Passion Christi enthält, welch letzterer damals schon seine Herrlichkeit besang mit den Worten: "Sie haben meine Hände und meine Füsse durchbohrt", eine Grausamkeit, die eben nur der Kreuzigung eigen ist. Und wo er den Vater um Hilfe anruft, sagt er wiederum: "Errette mich aus dem Rachen des Löwen", d. h. des Todes, "und von den Hörnern des Einhorns meine Niedrigkeit", d. h. von den Armen des Kreuzes, wie wir oben gezeigt haben. Eine solche Kreuzigung hat weder David erfahren noch irgend ein König der Juden. Glaube auch nicht, dass damit das Leiden irgend eines andern geweissagt werde als dessen, der allein vom Volke in so auffallender Weise gekreuzigt worden ist.

Sollte die Verstocktheit der Häresie so weit gehen, alle diese Deutungen zu verschmähen und zu verspotten, so will ich zugeben, es sei darin keine Kreuzigung Christi vom Schöpfergott angekündigt worden, weil dann daraus auch der Beweis nicht mehr erbracht werden kann, dass der, welcher gekreuzigt wurde, ein anderer sei;92) es müsste denn etwa sein, Marcion könnte beweisen, dass dieser sein Tod von seinem Gott vorher angekündigt, worden ist, damit sich eine Verschiedenheit des Leidens und damit auch eine Verschiedenheit der Personen aus dieser Verschiedenheit der Vorherverkündigungen ergebe. Ist aber sein Christus überhaupt gar nicht, vorher angekündigt worden, dann, noch weniger dessen Kreuzigung, und somit genügt für meinen Christus schon die Ankündigung des Todes allein. Denn, weil die Art des Todes nicht näher angegeben wurde, konnte derselbe auch durch das Kreuz erfolgen und wäre diese Todesart nur dann für eine andere Person anzusetzen, wenn sie für eine andere wäre geweissagt worden. Oder es müsste sein, dass Marciou auch das nicht wollte, dass der Tod meines Christus verkündigt werde, um sich dann desto mehr schämen zu müssen, wenn er mit der Ankündigung vom Tode seines Christus kommt, dessen Geburt er leugnet, während er die Sterblichkeit meines Christus leugnet, dessen Geburt er zugesteht.

Ich will Euch aber nun mit einem einzigen Ausspruche des Isaias alles dreies, den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung meines Christus, darthun. Derselbe sagt nämlich: "Sein Begräbnis ist aus der Mitte entfernt worden."93) Er hätte aber nicht können begraben werden, wenn er nicht gestorben war, und sein Begräbnis wäre nicht aufgehoben worden, wenn nicht durch die Auferstehung. Denn er lagt bei: "Darum wird er selbst, viele als Erbschaft haben und die Beute von vielen wird er austeilen, deswegen, weil seine Seele in den Tod ist hingegeben worden94) Damit ist die Ursache dieser Vergünstigung angezeigt, nämlich die Wiedergutmachung der Unbill des Todes. Ebenso ist damit angezeigt, dass er diese Dinge um seines Todes willen, nämlich nach dem Tode, natürlich also durch die Auferstehung, erlangen werde.

20. Es genügt vorläufig, das Auftreten und Verhalten Christi bis hierher durchgegangen zu haben, um zu beweisen, das er so sei, wie er angekündigt wurde, und dass er für keinen andern gehalten werden dürfe, als für den, der so angekündigt würde. Somit wäre denn schon wegen dieser Harmonie seines Auftretens mit den hl. Schriften des Schöpfergottes ---- wegen des günstigen Vorurteils, das die Majorität erweckt ---- auch denjenigen Stellen Glauben beizumessen, welche je nach den verschiedenen Standpunkten entweder in Zweifel gezogen oder gar geleugnet werden. Wir fügen aus den hl. Schriften des Schöpfergottes noch obendrein alle analogen Umstände bei, welche vorher verkündigt wurden als nach Christas sich ereignend. Denn der betreffende Ratschluss würde als nicht vollzogen dastehen, wenn derjenige nicht erschienen wäre, nach dessen Erscheinen er eintreten sollte.

Wirf einen Blick auf die sämtlichen Heidenvölker, wie sie sich von da ab aus den Wirrsalen des menschlichen Wahnes zum Schöpfergott und zum Gott Christus erheben, und leugne, wenn Du es imstande bist, dass er vorher verkündet worden sei. Da wird Dir aber sofort in den Psalmen die Verheissung des Vaters entgegentreten: "Mein Sohn bist Du, heute habe ich Dich gezeugt. Fordere es von mir, und ich will Dir die Völker der Erde zum Erbe geben und zu Deinem Besitztum die Grenzen der Erde."95) Du wirst nicht imstande sein, mit Erfolg den Satz zu behaupten, dieser Sohn sei David, nicht Christus, und die Verheissung der Grenzen der Erde sei David gegeben, da dessen Herrschaft innerhalb der Grenzen des einzigen Judenvolkes eingeschlossen blieb, und nicht vielmehr Christus, der bereits den ganzen Erdkreis durch den Glauben an sein Evangelium in Besitz genommen hat. So spricht er auch durch Isaias: "Siehe, ich habe Dich gemacht zum Bunde für das Volk, zum Lichte der Heiden, zu öffnen die Augen der Blinden, d. i. der Irrenden, zu lösen aus den Banden die Gefesselten, d. i. von den Sünden zu befreien, und aus der Zelle des Kerkers, d. i. des Todes, diejenigen, die in den Finsternissen, der Unwissenheit nämlich, sitzen96) "Wenn diese Prophezeiungen durch Christus zur Erfüllung gelangen, so haben sie auf keinen andern Bezug, als auf den, durch welchen sie eintreffen. Ebenso an einer andern Stelle: "Siehe, ich habe ihn gesetzt zum Zeugnisse für die Nationen, zum Fürsten und Herrscher über die Heiden; Nationen, welche Dich nicht kennen, werden Dich anrufen und die Völker werden zu Dir ihre Zuflucht nehmen."97) Dies wirst Du wohl nicht auf David deuten, weil vorhergeht: "Ich werde mit Euch einen ewigen Bund veranstalten, die Verpflichtungen Davids, die treuen."98)

Nun gut, Du wirst, es in der Folge noch besser einsehen müssen, dass Christus der fleischlichen Herkunft nach als Nachkomme Davids angesehen wurde auf Grund der Abstammung der Jungfrau Maria. In betreff dieser Verheissung legt Gott vor David im Psalm einen Schwur ab: "Von der Frucht, Deines Leibes werde ich auf Deinen Thron setzen99) Wessen ist dieser Leib? Der des David? Offenbar nicht. Denn David sollte ja nicht gebären. Auch seine Frau ist nicht gemeint. Denn dann wäre nicht gesagt: "Von der Frucht Deines Leibes", sondern vielmehr: Des Leibes Deiner Gattin. Da aber ausdrücklich sein Leib bezeichnet ist, so bleibt nichts übrig, als dass damit auf jemand ans seinem Geschlechte hingedeutet ist, und dieses Mutterschoosses Frucht sollte der Leib Christi sein, der ans dem Schoosse Maria hervorging. Darum hat Gott ihn denn auch schlechthin Frueht des Leibes genannt, d. i. des Mutterleibes allein, nicht auch des Leibes eines Mannes, und diesen Mutterleib auf David, als den ersten des Stammes und Vater der Familie, zurückgeführt. Denn weil er den Mutterleib der Jungfrau dem Manne nicht zuschreiben konnte, so schrieb er ihn dem Stammvater zu.

Was also heute bei Christus als eine neue Veranstaltung dasteht, das dürfte nur das sein, was der Schöpfergott damals verheissen hat und was er die heiligen Verpflichtungen gegen David, die treuen nannte. Diese betrafen Christus, weil Christus aus David stammt; ja, sein Leib selbst eben wird die Verpflichtung gegen David, die treue sein, da derselbe geheiligt ist durch Frömmigkeit und treu wegen seiner Auferstehung. Auch der Prophet Nathan legt im ersten Buche der Könige100) vor David ein Bekenntnis ab zu gunsten seines Samens. "Derselbe wird", sagt er, "aus Deinen Lenden sein." Wollte man das einfach auf Salomon beziehen, so würde es bei mir Heiterkeit erregen; denn es würde dann den Ansehein haben, als hätte David den Salomon geboren. Oder wird nicht etwa auch hier Christus als Samen Davids bezeichnet um des Mutterschoosses willen, der von David herstammt, das ist Mariens? Auch deshalb, weil das Haus Gottes in einem viel bessern Sinne von Christus erbaut werden sollte, nämlich der geheiligte Mensch, in welchem, als in einem bessern Tempel, der Geist Gottes wohnen würde, so ist viel besser Christus für den Sohn Gottes zu halten als Salomon, der Sohn Davids. Denn auch "der Thron für die Ewigkeit und das Reich für die Ewigkeit"' passt besser auf Christus als auf Salomon, der ja nur König für eine Zeitlang war. Von Christus wich auch "die Barmherzigkeit Gottes"101) nicht; den Salomon aber traf sogar der Zorn Gottes, nachdem er Unzucht und Götzendienst begangen. Denn der Satan erweckte als Feind gegen ihn den Idumäer.

Da also von alledem nichts auf Salomon passt, wohl aber alles auf Christus, so dürften unsere Auffassungen wohl begründet sein; denn auch der Verlauf der Dinge bestätigt die Weissagungen, welche offenbar auf Christus gehen. Und so werden sich denn in ihm die heiligen und treuen Verpflichtungen Davids linden, ihn hat Gott zum Zeugnis gesetzt für die Nationen, nicht den David, ihn zum Fürsten und Herrscher der Nationen, nicht den David, der bloss über, Israel zu befehlen hatte. Christus ist es, den heute die Heiden anrufen, die nichts von ihm wussten, und die Völker nehmen gegenwärtig ihre Zuflucht zu Christus, den sie früher nicht kannten. Man kann das nicht mehr für zukünftig ausgeben, was man sich vollziehen sieht.

21. So bist Du also auch nicht imstande, jenem Deinem Einwurfe Halt zu verschaffen an der Unterscheidung von zwei Christus, als würde der Christus der Juden vom Demiurgen nur dazu bestimmt sein, bloss dieses Volk allein aus der Zerstreuung zurückzuführen, Euer Christus dagegen von dem guten Gott gegeben und geschenkt, um das ganze Menschengeschlecht zu befreien. Denn die Christgläubigen des Demiurgen sind am Ende auch früher da als die des Marcion, indem alle Völker von dem Augenblick an in sein Reich berufen sind, wo Gott vom Holze herab regierte und es noch keinen Cerdo, geschweige denn einen Marcion gab. In Bezug auf die Berufung der Heiden zurückgeschlagen, greife nur gleich zu den Proselyten. Du fragst, welche von den Heidenvölkern gehen denn zum Demiurgen über; denn der Prophet macht ja auch Proselyten von verschiedener und eigener Art besonders namhaft. "Siehe"', sagt Isaias, "Proselyten werden durch mich zu Dir kommen",102) indem er damit zu erkennen gab, dass auch die Proselyten durch Christus zu Gott gelangen würden.

Auch die Nationen, und das sind wir, hatten ebenso ihre Bezeichnung als Hoffende auf Christus. "Und auf seinen Namen", heisst es, "werden die Nationen hoffen." Die Proselyten aber, welche Du der die Heiden betreffenden Weissagung unterschiebst, pflegen nicht auf den Namen Christi zu hoffen, sondern auf die Ordnung Moses', von welchem die betreffende Einrichtung herrührt. Übrigens hat die Aufnahme der Heidenvölker erst in den letzten Tagen ihren Anfang genommen. In denselben Worten sagt Isaias:103) "Und es wird in den letzten Tagen offenbar sein der Berg des Herrn", natürlich Christus, der katholische Tempel Gottes, in welchem Gott verehrt wird, der errichtet ist auf allen Gipfeln der Kräfte und Mächte;  ,,und es werden zu ihm alle Nationen kommen und viele hingehen und sagen: Kommt, lasset uns hinansteigen zum Berg des Herrn und zum Hause des Gottes Jakob, und er wird uns lehren seinen Weg und wir werden denselben wandeln; von Sion wird ausgehen das Gesetz und das Wort des Herrn von Jerusalem." Das würde der Weg des neuen Gesetzes, das Evangelium sein, der Weg des neuen Wortes in Christo, nicht in Moses. "Und er wird Richter sein unter den Nationen", natürlich über ihren Irrtum. "Und er wird ein ansehnliches Volk überführen", vorzüglich aus den Juden selbst und den Proselyten. "Und sie werden umschmieden ihre Schwerter in Pflugscharen und ihre Spiesse in Sicheln"', d. i. alles Sinnen und Denken boshafter Herzen, feindlicher Zungen, alle Bosheit und Lästerung wird sich verwandeln in Gesinnungen der Genügsamkeit und des Friedens. "Und es wird kein Volk mehr gegen das andere zum Sehweite greifen", d. i. zum Schwerte der Bosheit. "Sie werden nicht mehr das Kriegführen erlernen", d. h. Feindseligkeiten ausüben, und auch daraus solltest Du erkennen, dass kein kriegsmächtiger Christus verheissen sei, sondern ein friedliebender.

Leugne nun entweder, dass diese Verheissungen gegeben wurden, da sie doch vor Augen liegen, oder dass sie in Erfüllung gegangen sind, während man sie liest, oder wenn Du keins von beiden leugnen kannst, dann werden die Prophezeiungen in dem erfüllt sein, auf den sie lauteten. Wirf auch einen Blick auf das Auftreten und den Verlauf der Berufung der Heiden, die erst seit den letzten Zeiten104) zum Schöpfergott übergehen, nicht auf die Proselyten, deren Annahme vielmehr in die ersten Zeiten105) fällt. Die Einführung dieses Glaubens war das Werk der Apostel.

22. Auch das Wirken der Apostel findet sich prophezeit. "Wie lieblich sind die Füsse derer, die den Frieden verkündigen, die Gutes verkündigen106) nicht Krieg, nicht Unheil. Dem entspricht auch der Psalm: "Über die ganze Erde ist ausgegangen ihr Schall und bis zu den Grenzen der Erde ihre Stimmen",107) derjenigen natürlich, welche das Gesetz, das von Sion, und das Wort des Herrn, das von Jerusalem ausging, umhertragen, damit geschehe, was geschrieben steht: "Sie alle, die fern sind von meiner Gerechtigkeit, kommen heran zu meiner Gerechtigkeit und Wahrheit."108)

Als sich die Apostel zu diesem Werke anschickten, sagten sie sich allerdings von den Priestern, Fürsten und Ältesten der Juden los. Geschah es nicht gerade deshalb, fragt man, weil sie einen andern Gott predigten? Nein, eben denselben, dessen hl. Schrift sie gerade erfüllten. "Weichet, weichet", ruft Isaias, "entfernt Euch von da und rühret nichts Unreines an",109) nämlich keine Lästerung gegen Christus. "Ziehet ans", natürlich aus der Synagoge; "sondert Euch ab, Ihr, die Ihr die Gelasse des Herrn traget." Denn der Herr hatte bereits entsprechend obigen Stellen mit seinem Arme das Heilige, d. h. Christum, durch seine Kraft vor den Heiden geoffenbart, so dass alle Nationen und die Gipfel der Erde das Heil sahen, das von Gott kam. So wandten sie sich denn vom Judaismus ab, indem sie die Verpflichtungen und Lasten des Gesetzes bereits mit der Freiheit des Evangeliums vertauschten, und sie verwirklichten die Worte des Psalmes: "Zerbrechen wir ihre Fesseln und werfen wir von uns ihr Joch" sicher nach der Zeit, "da die Heiden getobt und die Völker auf Eitles gesonnen hatten, da die. Könige zusammengetreten waren und die Fürsten sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten vereinigt hatten."110)

Was haben aber die Apostel in der Folgezeit zu leiden gehabt? Alle Unbill der Verfolgungen, antwortet unser Gegner, natürlich durch die Leute des Demiurgen, weil sie die Gegner dessen waren, den jene predigten. ---- Und warum hat der Demiurg, wenn er der Gegner Christi war, nicht bloss vorherverkündet, dass dessen Apostel dieses leiden würden, sondern auch sogar Vorwürfe deshalb erhoben? Die Anordnungen und Einrichtungen des andern Gottes konnte er nicht weissagen, da er sie, wie Ihr behauptet, nicht kannte, auch würde er keinen Tadel über das erhoben haben, woran er selbst schuld war. "Sehet, wie der Gerechte zu Grunde geht und niemand es zu Herzen nimmt, wie die gerechten Männer umkommen und niemand darauf achtet."111) Vor der Person der Ungerechtigkeit nämlich ist der Gerechte hinweggenommen. Wer anders als Christus? "Kommt, sagen sie, "beseitigen wir den Gerechten, da er uns unnütz ist."112)

Wenn er mithin zum voraus bemerkte und hinterher beifügte, auch Christus habe gelitten und seine Gerechten würden ebenso dieselben Leiden erdulden müssen, die Apostel sowohl als auch alle Gläubigen, so hat er damit prophezeit, sie würden Gezeichnete sein mit jenem Zeichen nämlich, von welchem Ezeehiel sagt: "Es sprach zu mir der Herr: Gehe hindurch in der Mitte des Thores mitten durch Jerusalem und mache das Zeichen des Tau auf die Stirn der Männer." Der griechische Buchstabe Tau ist nämlich unser T, eine Art von Kreuz, welches sich, wie er dadurch andeutete, auf unseren Stirnen befinden würde, im wahren katholischen Jerusalem, in welchem die Brüder Christi, d. h. die Kinder Gottes, Gott, ihrem Vater, Lob darbringen werden, wie der 21. Psalm in der Person Christi selbst dem Vater zuruft: "Ich werde Deinen Namen meinen Brüdern kundthun und inmitten der Versammlung Dir Lob singen." Was nämlich in seinem Namen und in seinem Geiste in unseren Tagen geschehen sollte, das wird mit Kocht als durch ihn geschehend geweissagt. Etwas weiter unten heisst es: "Von Dir empfange ich Lob in grosser Versammlung", und im 67. Psalm: "In den Versammlungen preiset den Herrn“, so dass auch die Prophezeiung des Malachias damit zusammentrifft: "Mein Wille ist es nicht, spricht der Herr, und ich nehme keine Opfer von Euch an; denn vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang wird mein Nanu; verherrlicht werden unter den Völkern und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht",113) die Darbringung nämlich von Ehre, Preis, Lob und Gesängen. Weil sich das alles auch bei Dir findet, sowohl die Bezeichnung auf der Stirn als auch die Sakramente der Kirchen und die reinen Opfer, so müsstest Du schon jetzt in den Ruf ausbrechen, der Geist des Demiurgen habe Weissagungen zu gunsten Deines Christus erteilt.

23. Da Du, o Marcion, mit den Juden behauptest, ihr Christus sei noch nicht gekommen, so vernimm nun auch das endliche Schicksal desselben, welches den Prophezeiungen zufolge nach Christi Zeit sie treffen sollte, wegen der Gottlosigkeit, womit sie ihn verachteten und töteten.

Von dem Tage an, wo nach Isaias die Menschen die goldenen und silbernen Gegenstände des Greuels,114) die sie gemacht zur Verehrung thörichter und schädlicher Wesen, bei Seite warfen, d. h. nachdem das Menschengeschlecht, durch Christus erleuchtet, die Götzenbilder beiseite warf, von der Zeit an ist, wie du Dich überzeugen wirst, nämlich erstens folgende Prophezeiung in Erfüllung gegangen: "Es nahm der Herr Sabaoth von Judäa und von Jerusalem unter anderem auch den Propheten und weisen Baumeister weg",115) den heiligen Geist nämlich, der die Kirche erbaut, d. i. den Tempel, das Haus und die Stadt Gottes. Denn von der Zeit an hörte bei ihnen die Gnade Gottes auf und die Wolken erhielten den Befehl116), keinen Regen kommen zu lassen über den Weinberg von Seroch, d. h. die Wohlthaten des Himmels sollten dem Hause Israel nicht mehr zuteil werden. Es hatte nämlich ein Dornengeflecht gemacht, um den Herrn damit zu krönen, nicht Gerechtigkeit geübt, sondern das Geschrei erhoben, wodurch es ihn ans Kreuz brachte. Und so erstreckt sich, weil der Tau der Gnadengaben aufgehört hat, das Gesetz und die Propheten nur bis auf Johannes.

Da der Name des Herrn mit halsstarriger Wut von ihnen gelästert wurde, wie geschrieben steht: "Euretwegen wird mein Name gelästert unter den Heiden''117) ---- bei ihnen nämlich ging die Beschimpfung an ---- und da sie während der Zwischenzeit von Tiberius bis Vespasian von keiner Reue wissen wollten, so wurde sodann zweitens ihr Land zur Einöde gemacht, ihre Städte verbrannt, ihr Gebiet unter ihren Augen von den Ausländern verwüstet und Sion einer verlassenen Tochter gleich, einem Wachtturm im Weinberg und einem Häuschen im Gurkenfeld ---- nämlich von der Zeit an, wo Israel den Herrn nicht erkannte, sondern ihn verliess und zum Unwillen reizte den Heiligen Israels. Ebenso hat auch die bedingte Drohung mit dem Sehweite: "Wenn Ihr nicht wollt und mich nicht; holtet, so soll das Schwert Euch dahinraffen",118') den Beweis geliefert, dass es Christus gewesen ist, den sie nicht hören wollten, und weswegen sie, umkamen.

Letzterer fordert daher im 58. Psalm vom Vater auch ihre Zerstreuung. "Zerstreue sie in Deiner Macht!"119) Derselbe peroriert wiederum durch Isaias für ihre Verbrennung120): "Um meinetwillen'', sagt er, "ist Euch dies widerfahren; in Ängsten werdet Ihr schlafen." Unsinnig genug, wenn sie es nicht um dessentwillen gelitten haben, der vorhersagte, dass sie es um seinetwillen leiden sollten, sondern wegen des Christus des andern Gottes! ---- Nun aber nennt Ihr den, welcher durch die Kräfte und Mächte des Schöpfergottes, die ihm feindlich sind, ans Kreuz ger bracht worden ist, den Christus des andern Gottes. Aber, siehe da, es zeigt sich, dass er vom Demiurgen verteidigt wird "es sind ihm gegeben worden die Schlechtesten für sein Begräbnis," nämlich die, welche bezeugten, er sei gestohlen worden, "und die Reichen für seinen Tod'', nämlich die, welche von Judas die Auslieferung und von den Soldaten ein falsches Zeugnis über den entwendeten Leichnam erkauft hatten.121) Entweder also sind die Juden nicht seinetwegen von diesen Schicksalen getroffen, wogegen aber spricht, dass der Sinn der hl. Schrift mit dem Verlauf der Dinge und der Zeitfolge übereinstimmt ---- oder jene Schicksale trafen sie um seinetwillen, und dann war nur dies eine möglich, dass der Demiurg seinen Christus rächte. Er würde hingegen die Juden122) belohnt haben, wofern sie den Gegner ihres Herrn umgebracht hätten.

Gewiss ist aber, wenn der Christus des Schöpfergottes noch nicht gekommen ist, um dessentwillen die Juden der Prophezeiung nach dieses leiden sollen, so werden sie es folglich dann leiden, wenn er kommt. Wer wird dann die einsam zu lassende "Tochter Sion" sein, die jetzt schon gar nicht mehr existiert? Wo werden die Städte sein, die verbrannt werden sollen, da sie jetzt schon Schutthaufen sind? Wie steht es mit der Zerstreuung des Volkes, das jetzt schon verbannt ist? Versetze Judäa erst wieder in den Zustand, in welchem es der Christus des Schöpfergottes finden soll, und dann magst Du behaupten, der Gekommene sei ein anderer gewesen. Sodann, was soll es heissen, dass er ihn durch seinen Himmel eingehen liess, während er ihn auf der Erde umbringen möchte, dass die angeseheneren und herrlicheren Regionen seines Reiches durch ihn erbrochen, sein Vorhof selbst und seine Burg betreten wurden? Oder hat er dies etwa vorgezogen? Offenbar ist Gott ein eifriger Gott, und doch hat jener gesiegt. Schäme Dich, dass Du einem besiegten Gott Glauben schenkst! Was kannst Du von einem hoffen, der sich selbst nicht zu schätzen verstand? Dann entweder unterlag er den Kräften und Leuten des Demiurgen aus Schwäche oder in der böswilligen Absicht, sie durch sein Dulden in ein so grosses Verbrechen zu verstricken.

24. Nein, entgegnet Marcion, ich hoffe davon, dass auch es, das Reich Gottes selbst, das einen ewigen und himmlischen Besitz gewährt, dazu beitrage, die Verschiedenheit zu bezeugen. Euer Christus aber verheisst den Juden übrigens ihren frühem Zustand wieder, als Folge der Erneuerung der Erde und nach Ablauf des Lebens in der Unterwelt Tröstungen im Schoosse Abrahams. ---- O welch ein guter Gott, der in Güte wieder hergibt, was er im Zorne weggenommen hat! O, wie doch Dein Gott auch schlägt und heilt, Übles hervorruft und Frieden macht!123) O, wie er doch noch bis in die Unterwelt hinab barmherzig ist.

Doch über den Schooss Abrahams zu seiner Zeit!124) In betreff der Herstellung Judäas aber, welche die Juden selbst, durch die Orts- und Ländernamen verleitet, buchstäblich so hoffen, wie sie beschrieben wird, wäre es zu weitläufig, hier auszuführen, dass sich die allegorische Auslegung davon im geistigen Sinne auf die Kirche, ihr Aussehen und ihre Früchte beziehe; auch findet sich das in einem andern Werke dargestellt, welches wir betiteln: De spe fidelium. Im gegenwärtigen Augenblick wäre das auch unnütz, schon aus dem Grunde, weil es sich hier nicht um die irdische, sondern um die himmlische Verheissung handelt. Wir bekennen auch, dass uns ein Reich auf Erden verheissen sei, aber vor dem Eintritt des Himmelreiches und in einem andern Zustande; nämlich in der Stadt Jerusalem göttlichen Ursprungs, welche auf 1000 Jahre nach der Auferstehung vom Himmel herabgebracht wird. Diese bezeichnet auch der Apostel "als unsere Mutter da droben"',125) und indem er es ausspricht: "dass unser Wandeln",126) d. i. unser Bürgertum, "im Himmel sei“, versetzt er jenes Reich offenbar in eine himmlische Stadt. Dieselbe war auch Ezechiel bekannt; auch Johannes hat sie gesehen.127)

Auch die neue prophetische Rede, die sich in unserer Religion findet,128) legt Zeugnis davon ab in der Weise, dass sie sogar vor der sichtbaren künftigen wirklichen Erscheinung dieser Stadt vorherverkündet hat, ein Abbild derselben werde als Anzeichen in die Sichtbarkeit treten. Es ist denn kürzlich bei dem Feldzug im Orient auch wirklich so eingetroffen und sogar durch heidnische Zeugen festgestellt, dass in Judäa 40 Tage hindurch in den Morgenstunden eine Stadt vom Himmel herabgehängt habe; all ihr Mauerwerk verschwand mit dem Zunehmen des Tageslichtes und sonst war nirgendwo eine Stadt in der Nähe.129)

Von dieser Stadt behaupten wir, das sie von Gott vorsorglich hergerichtet sei zur Aufnahme der Heiligen bei der Auferstehung, um dieselben mit der Fülle aller geistigen Güter zu erquicken zum Ersatz für die Güter, welche wir auf Erden entweder verachtet oder verloren haben. Denn es ist recht und Gottes würdig, dass seine Diener an dem Orte, wo sie um seines Namens willen Leiden erduldeten, auch frohlocken. Solche Bewandtnis hat es mit dem himmlischen Reiche, nach dessen 1000jähriger Dauer, in welchen Zeitraum die Auferstehung der Heiligen einzuschliessen ist, die je nach ihren Verdiensten früher oder später auferstehen werden, dann wir, nachdem sich die Zerstörung der Welt und der Brand des jüngsten Gerichtes vollzogen hat, in einem Nu in die engelhafte Substanz verwandelt, natürlich durch die bekannte Überkleidung mit der Unsterblichkeit, in das himmlische Reich versetzt werden. Von diesem wird jetzt in dieser Weise nur darum gehandelt, weil es vom Demiurgen nicht vorherverkündet sein soll und darum als Beweis dafür verwendet wird, dass der Christus, von welchem es zuerst und allein geoffenbart ist, einem andern Gotte angehöre.

Lass Dir bereits an dieser Stelle sagen, dass auch jene Dinge vom Demiurgen vorher verkündet worden sind und dass sie auch ohne dies bei ihm anzunehmen wären. Was sagst Du denn dazu, dass dem Abraham nach der ersten Verheissung, wodurch ihm ein Same von der Menge der Sandkörner verheissen wird, auch noch bestimmt wird, den Sternen gleich zu sein? Sind das nicht Hindeutungen auf einen irdischen und einen himmlischen Ratschluss Gottes? Wenn Isaak seinen Sohn Jakob segnend sagt: "Es gebe Dir der Herr vom Tau des Himmels und vom Fett der Erde'',130) sind das nicht Beweise von einer doppelten Schenkung? Es ist hier auch die Struktur des Segensspruches selbst zu beachten. In betreff Jakobs nämlich, der das Abbild des spätern und vorzüglichem Volkes ist, das ist des unsrigen, ist erster Gegenstand der Versprechung der himmlische Tau, das Fett der Erde erst der zweite. Denn wir werden zuerst zu den himmlischen Dingen eingeladen, indem wir uns vom Heidentum lossagen, und so stehen wir erst nachher als solche da, die auch das Irdische erlangen werden. Auch Euer Evangelium enthält ja die Aufforderung: "Suchet zuerst das Reich Gottes, und dieses wird Euch zugegeben werden."131) An Esau aber richtet er das Versprechen irdischen Segens und reihet den himmlischen daran, indem er sagt: "Im Fett der Erde wird Deine Wohnung Bein und im Tau vom Himmel."132) An Esau nämlich zeigt sich der Ratschluss in betreff der Juden, die der Geburt nach die ersten, der Liebe nach die letzten Söhne sind; er beginnt mit den irdischen Gütern durch das Gesetz und wird nachher durch das Evangelium mittels des Glaubens zu Himmlischem hindurchgeführt.

Wenn Jakob träumt, dass Leitern von der Erde nach dem Himmel reichen,133) Engel daran teils auf-, teils niedersteigen und der Herr oben daraufstehe, so würde es vielleicht von unserer Seite eine verwegene Deutung sein, wenn wir in diesen Leitern den Weg zum Himmel angezeigt finden, wohin einige gelangen, von wo andere herabsteigen, wie es durch das Gericht Gottes festgestellt ist. Warum aber machte sich Jakob, sobald er erwachte und vom Schauer des Ortes ergriffen wurde, an eine Deutung des Traumes? Sobald er nämlich den Ruf ausgestossen: "Wie schrecklich ist dieser Ort", sagte er sofort: "Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und die Pforte des Himmels134) Er hatte nämlich Christus, den Herrn gesehen, welcher der Tempel und die Pforte Gottes ist, denselben, durch welchen man zum Himmel gelangt. In keinem Falle hätte er die Bezeichnung Himmelspforte gebraucht, wenn man bei dem Schöpfergott nicht in den Himmel gelangen kann.

Aber es gibt auch wirklich eine Pforte, die sich aufthut und dahin führt, und welche die schon von Christus bereitete ist. Von ihm sagt Amos: "Er, der zum Himmel seinen Aufgang bauet",135) natürlich nicht für sich allein, sondern auch für die Seinigen, die bei ihm sein werden. "Und Du wirst Dich mit ihnen umgeben", heisst es, "wie eine Braut mit ihrem Schmuck,"136) Darum, zielt der Geist auf diejenigen, welche dem Himmelreich auf diesem Aufgange zueilen, wenn er sagt: "Sie fliegen, als wären sie Geier; sie fliegen wie die Wolken und wie junge Tauben zu mir",137) versteht sich, einfältig wie die Tauben. "Wir werden nämlich''', nach dem Ausspruche des Apostels, "in die Wolken entrückt werden, entgegen dem Herrn",138) wenn nämlich "der Menschensohn ---- nach Daniel ---- in den Wolken kommen wird",139) und "so werden wir allzeit bei dem Herrn sein",140) während wir bis dahin sowohl im Himmel als auch auf Erden waren. Er ruft um derentwillen, welche seinen Versprechungen gegenüber undankbar sind, die Elemente selbst zu Zeugen an: "Merke auf, Himmel, und nimm es zu Ohren, Erde."141)

Ich für meine Person aber würde, wenn ich auch die Handhabe der himmlischen Hoffnung, welche mir die hl. Schrift so oft reicht, nicht besässe, ich würde doch für diese Verheissung eine ausreichende Bürgschaft darin besitzen, dass ich bereits die irdische Gnade inne habe. Ich würde auch etwas vom Himmel erwartet haben, von Gott nämlich, der ebenso Gott des Himmels ist wie auch der Erde. Darum würde ich geglaubt haben, dass der Christus, der das Höhere verspricht, der Christus dessen sei, der auch das Niedere versprochen, der im Kleinen eine Probe der grösseren Dinge gemacht, der die Ankündigung dieses vielleicht ganz unerhörten Reiches für seinen Christus allein aufgespart hat. damit die Herrlichkeit auf Erden durch Diener, die Herrlichkeit des Himmels aber durch Gott selbst angekündigt werde.

Du aber stützest Dein Vorgeben, dass es noch einen andern Christus gebe, auch darauf, dass er ein neues Reich ankündigte. Erst müsstest Du doch irgend ein Beispiel von seiner Freigebigkeit beibringen, damit nicht, bei mir berechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit solcher Verheissung entständen, die ich Deiner Aussage nach hoffen soll. Oder noch besser, Du solltest vor, allen Dingen beweisen, dass der, welcher Deiner Predigt zufolge himmlische Dinge verheisst, auch einen Himmel besitze. So aber ladest Du zu einer Mahlzeit ein, ohne uns das Haus zu zeigen. Du sprichst von einem Königreiche, ohne uns die Residenz anzugeben. Aber vielleicht verspricht gar Dein Christus ein himmlisches Reich, ohne einen Himmel zu besitzen, wie er sich auch als Mensch darstellt, ohne einen Leib zu besitzen ?! O, hier ist alles Phantasie, auch die grosse Verheissung nur Taschenspielerei!


Anmerkungen

1 Vergl. die. Schrift über die Prozesseinreden, c. 31-35.

2 Oben I. o. 1

3 Matth. 24, 24.

4 Quo posterior wird die richtige Lesart sein, nicht quod.

5 Cfr. Buch IV und V.

6 Is. 50, 6.

7 Joel 3, 23

8 II. Mos. 3, 8. V. 26, 9 15.

9 Is 41,19

10 Is. 13. 20, ungenau.

11 Wie die Auguren der Heiden

12 I Kor 9 , 9

13 I. Kor. 10, 4.

14 Gal. 6, 22 ff

15 Eph. 5, 31 ff.

16 Verstehe: als der von den Propheten angekündigte Messias.

17 Die Bewohner von Rhodus standen im Rufe der Gesetzeskunde und hatten ein See- und Schiffahrtsrecht ausgebildet, welches für das Römische Recht massgebend wurde. Pontus dagegen, die Heimat Marcions, war ein unzivilisiertes Land ohne Gesetzgehung.

18 Ps. 29, 14.

19 Ps. 6, 9 ff.

20 Joel 3, 1 (Vulg. 2, 28), vgl. Arnos 4, 13.

21 Is. 42, 19.

22 Is. 1,3; 4.2, 19.

23 Persona, eigentlich die Maske, das Sprachorgan, wodurch der Geist dem Menschen erscheint. An ein Bibelcitat, wie die Ausgaben nahelegen, (Öhler citiert Thren. 4, 3,) ist an dieser Stelle schwerlich zu denken

24 Is. 1, 4.

25 Is. 53, 2.

26 Is. S, 14.

27 Ps. S, 6.

28 Ps. 22, 7.

29 Dan. 2, 34 ff

30 Dan. 7,13. 1A

31 Ps. 44, 3 ff.

32 Ps. S, 6

33 Zacharias 12, 10

34 Jerem. 17, 9.

35 Is. 53,8

36 Zachar. 3.

37 III. Mos. 16, 5

38 Die Häretiker der Äpostelzeit.

39 I. Kor. 15, 3. 4.

40 I. Kor. 15, 13 ff.

41 Illi putativae carnis veros sensus. Glatter würde der Text lauten: Uli putativae carni.

42 Im Lukas-Evangelium 20, 36, welche Stelle Marcion auch in sein sogenanntes Evangelium hinübergenommen hatte.

43 Luk. 11, 27.

44 Ebend. 8, 19.

45 In Buch IV und V gegen Marcion.

46 Der Text bei Öhler bietet hier veram, ich vermute aber, es sei zu lesen verum scil. mendacium.

47 Generatianisch. Vergl. das Buch de anima.

48 Is. 7, 14.

49 Is. 7 und 8.

50 Matth. 1, 23.

51 Gal. 3, 27.

52 Is. 8, 4.

53 Is. 7,16.

54 Nämlich in den Evangelien.

55 Und nicht deren Geschichte beseitigen, wie Marcion thut, der das Evangelium erst mit Luk. 4, 14 beginnen lässt.

56 Zachar. 14, 14

57 Ps. 71, 15.

58 Ibid. v. 10.

59 Is. 1, 10.

60 Esech. 16, 3.

61 Is. 1, 2.

62 Apok. 14, 8; 16, 19 u. s. w.

63 Ps. U, 4 u. 3.

64 Apoh. 1, 5.

65 Eph. 6, 14 ff.

66 Matth. 10, 31.

67 I. Kor. 8, 5.

68 Andere lesen non praesumebatur.

69 Einige wollen hier ideo Jesus einschieben; das wäre aber gegen den Zusammenhang.

70 IV. Mos. 13, 17. Auses ist die Form bei den LXX, Osee filiua Nun die der Vulg. Hosea, Retter die Hebräische.

71 I Cor. 10, 4.

72 III. Hos. 23, 20. Nach der LXX citiert.

73 Die gedruckten Texte haben quoniam habitum, quoniam conspectum fuit. Ich vermute, es muss heissen quonam habitu, quonam oonspeetu fuit oder besser fuerit. Denn die folgenden Bibelstellen sollen die persönliche Unansehnlichkeit Christi beweisen.

74 Is. 53, 2 f. nach den LXX.

75 Is. 53, 14.

76 Ps. 22, 7.

77 Is. 11 f.

78 Is. 53, 2ff.

79 Is. 53, 2ff.

80 Is. 53, 4.

81 V. Mos. 21, 23

82 Ist aber, wie mir scheint, nachher in Vergessenheit gekommen.

83 V. Mos. 33, 17.

84 I. Mos. 49, 5. Tertullian sagt bald interpreto, bald interpretor als Deponens.

85 Die Einwohner von Sichem. I. Mos. 35, 25.

86 I. Mos. 4.9, (S. So nach dem Hebr. uud der LXX, die Vulgata hat mumm. Stier steht, sinnbildlich für die junge Mannschaft.

87 Ps. 106, 10

88 Is. 9, 6.

89 Jerem. 11, 19.

90 Im Marcionitischen verstümmelten Evangelium nach Lukas.

91 In derselben Weise wie hier sind auch die die anderen vielfach missdeuteten Auslassungen unseres Autors über die Eucharistie Marc. IV, 40 u. V, 8 aufzufassen.

92 Als der von den Propheten in obigen Stellen Gemeinte.

93 Is. 57, 2. Stimmt nicht mit der Vulgata, aber auch nicht ganz mit der LXX, indem die Worte anders verbunden sind als in unseren jetzigen Ausgaben.

94 Is. 53, 12.

95 Ps. 2. 7.

96 Is. 52, 6 ff.

97 Is, 55, 4 ff

98 Is. 55, 3, vgl. mit 11. Kön. II, 7,12, religiosa hat Tertullian wörtlich nach LXX ὄσια, während die Vulg. misericordias setzt

99 Ps. 131, 11.

100 Nach der Vulgata II. Regum 7. 12.

101 Ebend. 7, 15.

102 Is. 16, 4. Marcions Anwendung dieser Stolle wird sofort widerlegt.

103 Is. 2, 2, 3, 4.

104 D. i. im neuen Bunde.

105 Die Zeit des alten Bundes.

106 Is. 52, 7.

107 Ps. 19, 5.

108 Is. 16, 12 ff. Die LXX hat ηνγγικα, Vulg. prope feci.

109 Is. 52, 11 ff.

110 Ps. 2, 2 ff.

111 Is. 57, 1 Nach der LXX.

112 Weis. 2, 12 .

113 Malach. 1, 10.

114 Die Götzenbilder, Js. 2, 20.

115 Frei nach Is. 3, 2 ff. citiert.

116 Is. 5, 7.

117 Is. 52, 5.

118 Is. 1, 20

119 Ps. 58, 12.

120 Is. 50, 11.

121 Is. 53, 9.

122 Im Text stellt freilich Judam nicht Judaeos, was der Zusammenhang fordert

123 Was Marcion als bei einem und demselben Gott unvereinbar ausgegeben hatte.

124 In IV Marc, C. 4.

125 Gal. 1. 30.

126 Phil. 3, 20

127 Ezech. 48, 30. Offenb. Joh. 22, 2.

128 Der Montanismus

129 Offenbar eine fata morgana, wie sie in heissen Wüstengegenden zuweilen vorkommen,

130 Gen. 37, 28. 28, 10 ff.

131 Lukas 12, 31.

132 Gen. 27, 39.

133 Gen. 28, 10 ff

134 Gen. 28, 17

135 Arnos 9, 6.

136 Is. 49, 18.

137 Is. 60 8. Die LXX hat "wie junge Tauben zu mir"; die Vulg. quasi columbae ad fenestras suas. Die milvi aber fehlen in beiden Texten.

138 I. Thess. 4, 17.

139 Dan 7,13. .

140 I. Thess. a.a. O.

141 Is. 1, 2.


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Übersetzt von Heinrich Kellner, 1882.  Übertragen durch Hermann Detering, 2005.

Der griechischer Text wird mit mit einem Unicode Schriftkegel angezeigt.


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