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Allgemeine Einleitung.

§ I. Nordafrika und dessen Hauptstadt Karthago unter der römischen Herrschaft.

Die Urbewohner von Nordafrika bis nach Mauretanien hin waren Berbern chamitischen Ursprungs, die sich in verschiedene Stämme spalteten: Libyer, Nasamonen, Numider, Gätuler usw. Das Gebiet von Karthago aber erfuhr frühzeitig Einwanderungen von Phöniziern, die, den Berbern nicht stammverwandt, als kühne Seefahrer mächtig und reich wurden und zu einer weltherrschenden Nation sich auswuchsen. Sie hatten eine eigene Schrift und Literatur und gelangten zu einer hohen Entwicklung des staatlichen Lebens, machten den Römern eine Zeitlang die Herrschaft streitig, unterlagen aber endlich in drei blutigen Kriegen, die mit völliger Vernichtung ihres Staates und Zerstörung ihrer Hauptstadt im Jahre 146 v. Chr. endigten.

Während die genannten Urbewohner ungeachtet der Einwanderungen und Unterjochung durch verschiedene Völker sich bis auf den heutigen Tag erhielten und allzeit den Grundstock der Bevölkerung gebildet haben, ging der eingewanderte punische Volksstamm völlig zugrunde. Die Punier wurden teils im Kriege aufgerieben, teils in die Sklaverei geschleppt, und der Rest wanderte nach Numidien aus, hinterließ aber begreiflicher Weise Spuren seines Daseins in Orts- und Personennamen. Im Lande selbst können nur ganz unbedeutende Volksreste übrig geblieben sein, und wenn eine Punica lingua in später Zeit noch erwähnt wird, z. B. von Ulpian und Augustinus, so ist damit die Sprache der Berbern in Nümidien oder an der Syrte gemeint1), nicht die Sprache der ehemaligen Phönizier oder Punier. Die volkreiche und herrliche Hauptstadt wurde dem Erdboden |viii gleichgemacht und Scipio führte den Pflug über die Stätte, die dann über hundert Jahre lang wüst liegen blieb.

Nun kam die Reihe, von den Römern unterjocht zu werden, an das Nachbarland Numidien, das durch den Jugurthinischen Krieg im Jahre 105 seine Selbständigkeit verlor, aber vorläufig noch eigene Könige als Vasallenfürsten Roms behielt. Da sich König Juba in dem Kriege zwischen Caesar und den Pompejanern auf Seite der letzteren gestellt hatte, so wurde deren Niederlage bei Thapsus 46 v. Chr. auch für Numidiens Schicksal entscheidend. Es verlor den Rest von Selbständigkeit und wurde der römischen Provinz Afrika zugeteilt. Später aber unter Caligula im Jahre 39 oder 40 n. Chr., während Lucius Piso die Statthalterschaft führte, wurde das Land, dessen Bevölkerung inzwischen wieder sehr zugenommen hatte, in zwei Verwaltungsbezirke eingeteilt, Numidien und Zeugitana, das ehemalige Gebiet von Karthago. Beide wurden Provinzen, letztere mit Namen Africa proconsularis2).

Im Jahre 41 n. Chr. endlich unterwarfen die Proprätoren Suetonius Paulinus und Cajus Hosidius Geta auch das anstoßende Mauretanien, das heutige Marokko, welches ebenfalls der Provinz Africa zugeteilt wurde. Da das Land sehr groß war, so teilte Kaiser Claudius es in zwei Bezirke: Mauretania Caesarea und Mauretania Tingitana.

Die Landschaft Zeugitana oder das prokonsularische Afrika hatte in den punischen Kriegen am meisten gelitten; es war sozusagen ganz verödet und seiner früheren Einwohnerschaft beraubt. Nach und nach zogen lateinische Kolonisten ein, besonders ausgediente Soldaten, und so wurde es ein lateinisches Land. Zur Zeit des Marius tauchte der Gedanke auf, die Hauptstadt wieder aufzubauen, und es wurde eine Kolonie dorthin entsendet. Aber der Wiederaufbau begann doch erst durch C. Julius Cäsar im Jahre 44 v. Chr.3). Die neue Kolonie Karthago aber wurde nicht genau auf |ix derselben Stelle angelegt, wo die punische Stadt gestanden hatte, sondern etwas nordwärts davon.

Während des zweiten Triumvirates gehörte Karthago zum Reichsanteile des Lepidus, was dem Gedeihen der Stadt nicht förderlich war. Nachdem Lepidus im Jahre 36 v. Chr. von seinem Heere verlassen und seiner Macht beraubt war, nahm ein Unterfeldherr des Augustus, T. Statilias Taurus, beide Libyen für diesen ohne Kampf in Besitz4). Augustus gründete nun die Kolonie Karthago sozusagen von neuem, nachdem Lepidus einen Teil der Kolonisten fortgeführt und die Stadt dadurch die Eigenschaften und Rechte einer Kolonie verloren hatte. Deshalb schickte Augustus eine neue Schar Kolonisten dorthin5). Taurus baute die Stadtmauern auf und durch den Prokonsul C. Sentius Saturninus wurde 13 v. Chr. die Gründung der Kolonie feierlich vollzogen6). Wie viele andere römische Kolonien hatte sie den Beinamen Felix und wurde nun Hauptstadt der Provinz, was bis dahin Utica gewesen war. Als Sitz der Behörden gelangte die Stadt wieder zu Ansehen und Wohlstand. Die neuen Karthager aber setzten etwas darein, als Römer zu gelten; ihre Sprache war lateinisch, ihre Tracht die römische7), auch in ihrem Hange zum Vergnügen der Rennbahn, des Zirkus und der Gladiatorenkämpfe gaben sie sich als echte Abkömmlinge der Römer zu erkennen. Um 200 n. Chr. besaß die Stadt bereits ein ansehnliches Amphitheater, das Stadium war schon ein altes Gebäude8); ein Odeum wurde unter Caracalla erbaut9). Die Provinz zeichnete sich durch einen tüchtigen ausdauernden Menschenschlag aus und brachte auch auf geistigem Gebiete bedeutende Männer hervor. An Profanschriftstellern gelangten zu größerem Rufe der Rhetor Fronto aus Cirta und der berüchtigte Apulejus von Madaura. Ansehnlich ist auch die Zahl der Kirchenschriftsteller, welche |x Nordafrika bis zur Zeit der Vandalenherrschaft hervorbrachte. Dem Reiche gab es nicht wenige tüchtige Krieger und Staatsmänner und im dritten Jahrhundert schwangen sich mehrere Afrikaner sogar auf den Thron der Cäsaren. Karthago speziell war die Heimat vieler Rechtsgelehrien und Advokaten.

So war das ehemalige Punien ein lateinisches Land geworden, Mauretanien und Numidien blieben allerdings noch längere Zeit barbarische Hinterländer. Aber auch dort war die Zahl der Ureinwohner zusammengeschmolzen, manche Stämme selbst in Mauretanien ganz ausgerottet oder ausgestorben, so daß auch dort der Abgang durch lateinische Kolonisten wieder ersetzt werden mußte und die Romanisierung des Landes schließlich ebenfalls sehr weit gedieh, wie die Inschriften und baulichen Reste beweisen.

Die Provinz Afrika war eine der glücklichsten des Reiches, weil sie keine kriegerischen Nachbarvölker von Bedeutung zu Grenznachbarn hatte und sie wegen ihrer Abgelegenheit nicht in die Bürgerkriege des Reiches hineingezogen wurde. Die großen Begebenheiten der Weltgeschichte spielten sich in anderen Ländern ab und zogen Afrika nicht in Mitleidenschaft. Daher konnte die Provinz zu großem Wohlstand gelangen.

Nach den Angaben des älteren Plinius war der Zustand der Provinz unter Vespasian folgender. Der von Rom am weitesten entfernte Teil der Provinz, Mauretania Tingitana, hatte fünf römische Kolonien, darunter die schon von Augustus gegründete Constantia.

Mauretania Caesarea mit den wichtigen Seestädten Russadir, Caesarea und Sicca, der ehemaligen Residenz des Syphax, hatte acht Kolonien und vier Städte mit römischem Bügerrechte. In dem kleinen Numidien, dessen Grenze der Fluß Ampsaga bildete, gab es nur eine Stadt mit römischem Bürgerrecht, Tabraca, und zwei Kolonien. Afrika im engeren Sinne endlich, das frühere Zeugitana, der reichste Bezirk, erstreckte sich von Numidien bis zur großen Syrte, wo Arae Philaenorum den Grenzpunkt gegen Cyrenaica bildete. Es hatte sechs Kolonien, fünfzehn Städte mit römischem Bürgerrecht und dreißig freie Städte. Die wichtigsten Plätze waren |xi früher Utica, nachher Karthago, beide natürlich lateinischer Nationalität10). Karthago war von Rom aus nur drei Tagereisen entfernt und stand damit in beständigem regem Verkehr, besonders blühte der Kornhandel. Die aus Afrika stammende Dynastie des Severus versäumte nicht für ihr Heimatland etwas zu tun. Davon geben die zahlreichen Münzen des Severus und Caracalla mit der Inschrift „Liberalitas Augusti in Carthaginem" Zeugnis. Die Städte Karthago, Utica und Leptis aber erfreuten sich noch besonderer Fürsorge und Wohlgewogenheit des Severus, der ihnen auch das jus Italicum verlieh11). Weil Nordafrika keine mächtigen Grenznachbarn hatte und vor äußeren Feinden sicher war, so bedurfte es zu seinem Schütze keine große Truppenmacht. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung genügte eine Legion, welche im Auresgebirge12) ihr Standlager hatte, bei Lambaesis. Außerdem hatte Karthago noch eine Besatzung, welche aus einer Kohorte, der sog. urbana, 1200 Mann stark, bestand und als solche ein Lager in oder bei der Stadt inne hatte13).

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§ 2. Politische Ereignisse im römischen Reiche zur Zeit Tertullians 193-212 n. Chr.

Die Blütezeit Tertullians als theologischer Schriftsteller fällt so ziemlich zusammen mit der Regierung des Severus und seiner Söhne. Nachdem die Kaiser des zweiten Jahrhunderts meist durch Adoption für die Thronfolge gesorgt hatten, wobei sie sich auf die in Rom garnisonierende Prätorianergarde stützten, suchte Severus seinen Söhnen den Besitz des Thrones zu sichern, indem er alle sonst etwa als Thronprätendenten in Betracht kommenden Personen beseitigte, die Prätorianergarde auflöste und seine Herrschaft auf die |xii Gesamtarmee stützte. Das hatte aber die Folge, daß die Unruhen beim Thronwechsel, die sonst auf die Stadt Rom beschränkt blieben, zu Bürgerkriegen ausarteten. Obwohl Nordafrika direkt davon nicht berührt wurde, so finden sich in den Schriften Tertullians dennoch Anspielungen genug. Eine genaue Kenntnis der Zeitereignisse ist deshalb zur Beurteilung und für das Verständnis dieser Schriften unentbehrlich. Daher scheint es angemessen, eine übersichtliche Darstellung der wichtigeren Ereignisse der Zeit von 193-272 vorauszuschicken.

Die Ermordung des Soldatenkaisers Pertinax durch aufrührerische Prätorianer am 28. März 193 stürzte das Reich in Verwirrung und längere Bürgerkriege. Die auf unrühmliche Weise erlangte Herrschaft des Didius Julianus ruhte auf zu schwachen Stützen um von Bestand zu sein. Auf die Kunde von der Ermordung des Pertinax erhoben sich einmütig die Legionen in den Provinzen, um seinen Tod zu rächen, zumal da sie den Prätorianern das gefahrlose Leben in der Hauptstadt mißgönnten, wo sie schwelgten, während die Provinzialarmeen an den Grenzen des Reiches gegen die Barbaren kämpften.

Die wichtigsten Militärposten waren damals Syrien wegen der Nachbarschaft der Parther und Germanen. Der Oberbefehl in Syrien befand sich 193 in den Händen des C. Pescennius Niger Justus, eines tüchtigen und beliebten Generals. In Germanien kommandierte erst seit kurzer Zeit L. Septimius Severus, der augenblicklich zu Carnuntum in Oberpannonien stand. Drittens kam von den damaligen Heerführern noch der Statthalter von Britannien, Clodius Albinus, in Betracht, der ebenfalls eine ansehnliche Zahl Truppen unter sich hatte.

Diese drei Generäle erkannten den Julian nicht als Kaiser an, sondern strebten selbst nach der höchsten Würde und gaben vor, die Mörder des Pertinax bestrafen zu wollen.

In Rom gab das Volk seinen Unwillen über das Vorgefallene durch Tumulte zu erkennen. Da jedoch an Widerstand gegen die Prätorianer nicht zu denken war, so richteten sich aller Augen auf Niger. Von der günstigen Stimmung des Volkes unterrichtet, ließ dieser sich von seinen Legionen zum Augustus ausrufen und |xiii  betrachtete sich als Erwählten des Volkes und Senates. Aber anstatt sofort nach Rom aufzubrechen, blieb er im Orient und feierte Feste, als wäre er im unbestrittenen Besitze der Herrschaft. Trotzdem hielt ihn Julian für seinen gefährlichsten Gegner und sandte Meuchelmörder gegen ihn aus, die aber nichts ausrichteten.

Den Severus dagegen wollte Julian auf seine Seite ziehen und bot ihm die Würde eines Cäsar, also eines Mitregenten an. Allein Severus zog es vor, die Rolle eines Rächers des Pertinax zu spielen, und ohne seine Absichten zu verraten, ergriff er mit Energie seine Maßregeln. Nachdem ihn die Truppen zum Kaiser ausgerufen hatten, bemächtigte er sich in aller Stille der Provinzen der Balkanhalbinsel mit Ausnahme der Stadt Byzanz, welche in der Gewalt des Niger verblieb. Dann brach er gegen Rom auf.

Jetzt erkannte Julian die ihm drohende Gefahr, ließ den Severus für einen Feind des Vaterlandes erklären und traf Vorbereitungen zur Verteidigung. Allein Severus hatte bald Ravenna besetzt und rückte in Eilmärschen gegen Rom, wo auch die nichtprätorianischen Soldaten bereits für ihn gewonnen waren. Dieselben nahmen sogar die Mörder des Pertinax gefangen, was den Senat soweit ermutigte, daß er den Severus als Kaiser anerkannte, der nun seinen Regierungsantritt vom 15. Mai 193 an datierte. Es gelang ihm, die Prätorianer aus ihrem befestigten Lager herauszulocken, zu entwaffnen und aufzulösen. Der Senat verurteilte Julian zum Tode und dieser wurde am 1. Juni 193 im Palaste enthauptet. Severus aber hielt seinen Einzug in Rom, wo er die Apotheose des Pertinax vornahm und Spiele und Festlichkeiten veranstaltete. Einen weiteren Vorsprung gewann er seinem Nebenbuhler Niger noch dadurch ab, daß er Nordafrika besetzte. Dadurch verhinderte er, daß Niger ihm durch Sperrung der Getreidezufuhren in Rom Verlegenheiten bereitete. Auch der Kinder Nigers hatte er sich durch seinen Oheim Plautian bereits versichert.

So war er schon im faktischen Besitze der Herrschaft und der größeren Hälfte des Reiches, während sich Niger in falscher Sicherheit wiegte, sich als den |xiv rechtmäßigen Imperator und Augustus betrachtete und Münzen mit diesen Titeln auf seinen Namen schlagen ließ. Bald aber sollte er erkennen, daß Severus mehr sein wollte als bloßer Bestrafer der Mörder des Pertinax. Dieser verweilte nur so lange in Rom, als nötig war, um von der Herrschaft Besitz zu nehmen und sich zum Feldzuge gegen seinen Nebenbuhler zu rüsten. Nach einem Aufenthalte von bloß dreißig Tagen, also Ende Juni 193, brach er bereits nach dem Orient auf. Durch Etrurien, wo er bei Saxa rubra einen gefährlichen Soldatenaufstand zu dämpfen hatte, marschierte er über Oberitalien und Illyrien nach Kleinasien. Die Stadt Byzanz konnte er für jetzt nicht einnehmen und ließ ein Belagerungsheer davor zurück. Auf asiatischem Boden angelangt, lieferten zunächst seine Generale dem Legaten seines Gegners, Aemilian, der sich ihrem Vormarsche, entgegenstellte, bei Cyzicus ein siegreiches Treffen, worin der Anführer fiel. Dann siegte Candidus, ebenfalls ein Heerführer des Severus, bei Nicaea und trieb Nigers Scharen bis an den Taurus zurück. Allein die Pässe dieses Gebirges waren stark verschanzt und das Heer des Severus lag lange davor, ohne den Durchzug erzwingen zu können. Endlich kamen ihm Naturereignisse zu Hilfe, indem Wasserfluten die feindlichen Verschanzungen zerstörten. Severus überschritt das Gebirge und schlug alsbald seinen Gegner in einer entscheidenden Schlacht bei Issus 194 n. Chr. Des Pescennius Heer wurde zersprengt, er selbst kam auf der Flucht um im November 193. Severus aber nahm in dem genannten Jahre wegen dieser Kriege den Imperatorentitel zum zweiten, dritten und vierten Male an und bewilligte der Armee eine Geldspende (liberalitas).

Damit wäre der eigentliche Zweck seines Feldzuges nach dem Orient erreicht gewesen. Aber noch war eine andere Aufgabe zu erledigen. Die dem Reiche im Osten benachbarten Grenzvölker von Arabien und Parthien hatten den Bürgerkrieg dazu benutzt, sich in den Besitz der römischen Grenzkastelle zu setzen. Sie hatten dem Severus dadurch allerdings dem Niger gegenüber, der sie hätte verteidigen sollen, einen Dienst geleistet. Allein die Waffenehre erforderte doch, sie ihnen wieder zu |xv entreißen und die alten Grenzen herzustellen, was Zeit und Mühe kostete. Doch es gelang; Severus besiegte im Jahre 195 nacheinander die Feinde in drei Treffen, um derentwillen er noch drei Mal den Imperatorentitel annahm und sich den Beinamen Parthicus, Arabicus, Adiabenicus beilegte14).

Noch leistete ihm im Orient die Stadt Byzanz Widerstand, welche schon seit drei Jahren vergeblich belagert wurde. Auch sie fiel endlich im August 196 und wurde zerstört. Bei dieser Gelegenheit fand seinen Tod Caecilius Capella, der Statthalter von Thrazien, früher als Statthalter in Kappadozien ein grausamer Verfolger der Christen, der auch die Seele des Widerstandes gegen Severus in dortiger Gegend gewesen sein wird.

Albinus hatte sich während dieser Feldzüge völlig untätig verhalten, und hinsichtlich seiner Stellung zu Severus widersprechen sich die Quellen15). Die einen lassen ihn gleich nach dem Tode des Pertinax zum Imperator ausgerufen werden und ihn als Kaiser Gallien regieren. Ein anderer Bericht sagt, Severus habe ihn, als Niger in Syrien als Kaiser aufgetreten sei, zu seinem Substituten machen wollen16). Das Richtige wird sein, daß Albinus, der wie die anderen beiden Feldherrn die Regierung Julians nicht anerkannte, anfangs mit Severus gemeinschaftliche Sache machte. Der sonst ungenaue und romanhaft berichtende Herodian dürfte diesmal ausnahmsweise das Richtige treffen, wenn er ihn als den Cäsar des Severus bezeichnet17). Daß Severus ihn zu seinem Cäsar für den Westen ernannte, war den Umständen angemessen und ist positiv durch Münzen bezeugt. Er erkannte Albinus nicht bloß als Cäsar an, sondern nahm ihn sogar auch durch Adoption in seine Familie auf, um ihn an seine Interessen zu fesseln. Daher nennt und tituliert sich Albinus auf seinen Münzen: Dec. Clodius Septimius Albinus Caesar. |xvi 

Zu welcher Zeit und aus welchen Gründen das anfangs freundliche Verhältnis zwischen ihm und Severus ein feindliches wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, Gegenseitige Eifersucht und der mit den Erfolgen wachsende Stolz des Severus erklären es zur Genüge. Schon 195 scheint das Verhältnis ein gespanntes geworden zu sein. Severus soll sich beklagt haben, daß Albinus in Rom mit dem Senate Verbindungen gegen ihn unterhalte. Vermutlich glaubte Severus nach dem Tode des Pescennius und der Besiegung der Parther, er könne nun fremder Stützen entbehren und es wagen, die Herrschaft auf seine Kinder zu vererben. Denn er ernannte im Juni 196 noch vor dem Fall von Byzanz seinen ältesten Sohn zum Caesar und princeps juventutis, also zum Mit- und Nebenregenten18) und adoptierte ihn unter Mißbrauchung dieser Form in die Familie der Antoninen, so daß der frühere Bassianus Caracalla nun offiziell Marcus Aurelius Antoninus hieß. Damit war das Bestreben, die Kaiserwürde in der Familie erblich zu machen, deutlich ausgesprochen und dies wird auch die Ursache des offenen Bruches gewesen sein. Denn Albinus wurde damit für überflüssig erklärt und so mußte es zum Kriege zwischen beiden Nebenbuhlern kommen.

Albinus setzte mit seinen Legionen nach Gallien hinüber, wahrscheinlich in der Absicht, sich Roms zu bemächtigen. Severus aber kam ihm zuvor und traf Mitte 196 in Rom ein. Sein Heer marschierte unterdes, dem Zuge der römischen Heerstraßen folgend, durch Thrazien, Pannonien und Norikum nach Gallien. So kam es, daß die beiden gewaltigen Heere nördlich von Lyon aufeinander stießen, und zwar so, daß die Front des Severianischen Heeres nach Süden, die des Albinischen nach Norden gerichtet war. Am 18. Februar 197 fand bei Trivurtium, jetzt Trevoux, nicht weit von Lyon, die mörderische Entscheidungsschlacht statt. Sie stand anfangs für Severus ungünstig, doch neigte sich schließlich der Sieg auf seine Seite. Albinus stürzte sich, am Leben verzweifelnd, in sein eigenes Schwert und wurde noch |xvii lebend vor Severus gebracht, der ihn unter den Hufen seines Rosses zerstampft haben soll.

Richten wir nun den Blick auf den früheren Lebensgang des nunmehrigen Inhabers der Herrschaft, so war L. Septimius Severus am 11. April 144 zu Leptis in Afrika geboren. Einer lateinischen Kolonistenfamilie entstammend, kam er, kaum 18 Jahre alt, nach Rom, wo er die juristische Laufbahn einschlug und auf Empfehlung eines Verwandten gleichen Namens unter Mark Aurel Quästor und sodann Verwalter von Baetica wurde. Da diese Provinz aber gerade von den Mauretaniern geplündert wurde, erhielt er dafür die Quästur von Sardinien. 174 verwaltete er als stellvertretender Legat des Prokonsuls sein Heimatland Afrika. Unter Mark Aurel wurde er Tribun, 176 Prätor, Verwalter von Spanien, dann Kommandant der vierten Legion in Marseiile und später Legat der provincia Lugdunensis. Bei Commodus des Hochverrats angeklagt, wurde er nicht nur heigesprochen, sondern sogar mit Apulejus Rufus Konsul in einem Jahre, als Commodus selber das Konsulat bekleidete, also 190. So war er allerdings nur Titularkonsul, erhielt aber, was an sich und für seinen Lebenslauf viel wichtiger war, bald darauf 192 den Oberbefehl über die Legionen in Illyrien und Pannonien. Dort fanden ihn die Ereignisse von 193.

Ein Verwandter und lange Zeit Günstling des Severus war M. Fulvius Plautianus, ein Afrikaner von niederer Herkunft, wahrscheinlich Mutterbruder des Severus. Er war ein Mensch von wüsten Sitten und wurde von Pertinax, als derselbe Prokonsul in Afrika war, wegen verschiedener Vergehungen verurteilt. Als Severus anfing emporzusteigen, leistete ihm Plautian wichtige Dienste. Schon Julian hatte ihm aus Furcht vor Severus höhere Ämter verliehen. Aber erst unter Severus selbst wurde er Senator und Titularkonsul. Eine Zeitlang wegen seines allzu wüsten Lebens bei Severus in Ungnade, stieg er bald desto höher wieder in seiner Gunst. Wir finden ihn zur Zeit des zweiten orientalischen Feldzuges wieder in der Umgebung des Kaisers, auf den er sehr viel Einfluß gehabt haben soll. Damals stachelte er ihn auch zu erneuter Verfolgung der |xviii Anhänger Nigers auf. Seine Tochter Plautilla mußte 202 Caracalla auf Anordnung des Kaisers zur Gemahlin nehmen, das Jahr darauf wurde Plautian wirklicher Konsul 203 und 204 zum Praefectus praetorio ernannt. Nun aber stieg sein Hochmut auf den Gipfel und es schien den Angehörigen des Severus, als strebe er nach der Herrschaft. Besonders Caracalla haßte ihn und brachte es soweit, daß Severus den Anschuldigungen, Plautian gehe mit Mordanschlägen gegen ihn um, Glauben schenkte. So wurde derselbe am 22. Januar 205 im Palaste gefangen genommen und auf der Stelle niedergehauen, sein Andenken geächtet und seine Bildsäulen umgestürzt. Sein Sohn Plautius und seine Tochter Plautilla, Caracallas Gattin, wurden verbannt und 212 hingerichtet. Das gleiche Schicksal erfuhren bald nach Plautians Tode noch einer seiner Verwandten, Quintillus Plautianus, ein sonst geachteter und würdiger Mann, sowie mehrere Senatoren, namentlich Apronianus und Baebius Marcellinus. Präfektus der Prätorianer wurde Papinian.

Severus selbst wird von den Geschichtsschreibern jener Zeit als listig, hinterhaltig und grausam geschildert, und seine Taten haben in mehreren Fällen diese Anklagen bewahrheitet. So hatte er Nigers Kinder schon früher umbringen lassen. Nach seinem Siege über Albinus ließ er die übrigen Angehörigen seiner beiden Gegner töten und außerdem in Gallien und Spanien eine große Anzahl Menschen als deren Anhänger umbringen, namentlich reiche und angesehene Personen, deren Güter er konfiszierte. Endlich ließ er in Rom selbst über vierzig der angesehensten Personen, Senatoren und Konsulare, hinrichten, weil sie es mit Albinus gehalten hatten. Alle, die in den hinterlassenen Papieren desselben kompromittiert erschienen, wurden damals am Leben gestraft.

Nach der Besiegung des Albinus, dessen Anhänger in Spanien unter L. Novius Rufus den Kampf noch einige Zeit fortsetzten, aber von Candidus, einem Generale des Severus, bald überwältigt wurden, nahm Severus den Imperatorentitel zum achten Male an und Caracalla erhielt die Titel Pontifex und Imperator |xix destinatus. Die Stadt Lyon gab ihnen zu Ehren prachtvolle Spiele und Tierhetzen und veranstaltete auch für die Familie des Severus vom 4.-7. Mai das Opfer eines Taurobolium. Bis zu dieser Zeit muß er sich also noch in Gallien aufgehalten haben. Dann kehrte er, etwa im Mai 197, nach Rom zurück, wo große Freudenfeste veranstaltet wurden. Dem Volke gab er prachtvolle Spiele und Gladiatorengefechte, den Soldaten bedeutende Geldspenden19). Doch war sein Aufenthalt in Rom nicht von langer Dauer. Denn bald nach seinem Abzüge aus dem Orient waren die Parther wieder vorgerückt und bedrängten Nisibis. Dies machte sein Eingreifen nötig.

So traf er noch im Herbst 197 in Asien ein. Die Hauptbegebenheiten des zweiten orientalischen Feldzuges, den er nun begann, sind nach Dio Cassius folgende; Nach einigen geringen Erfolgen in Mesopotamien nahm Severus die von ihren Einwohnern verlassenen Städte Babylon und Seleucia ohne Schwertstreich ein, überfiel von da aus das gegenüberliegende Ktesiphon und plünderte es aus. Dann wandte er sich gegen Aträ oder Hatra. Dort hatte er entschiedenes Unglück und kehrte nach Syrien zurück. Jedoch ist durch Münzen bezeugt, daß er noch im Jahre 197 einen Sieg über die Parther errang und sich zum zehnten Male den Imperatorentitel beilegte, Anfang 198 Ktesiphon einnahm, sich den Titel Parthicus maximus beilegte und zum elften Male den Imperatorentitel erhielt.

Nach Syrien zurückgekehrt, verfolgte er die Reste der Pescennianischen Partei auf Antrieb des Plautian im Jahre 198. Auch hatte er schon vorher bei Gelegenheit der unglücklichen Unternehmung auf Aträ, teils aus Zorn hierüber, teils aus Eifersucht, zwei seiner verdientesten Anhänger, die Generale Julius Crispus, Tribun der Präforianer, und Laetus umbringen lassen.

Jetzt stand Severus auf der Höhe seiner Macht und, um sie seiner Familie zu sichern, verlieh er seinem alteren Sohne die tribunicische Gewalt (198) und machte ihn zum Augustus, also zum Mitregenten, Geta |xx aber ernannte er im Jahre 200 zum Caesar20), princeps juventutis und pontifex.

In diese Zeit fällt eine an sich unbedeutende, für uns aber wegen ihrer Folgen wichtige Begebenheit, deren zwar auch andere Quellen erwähnen, für die aber allein der hl. Hieronymus das Datum und den Schlüssel des Verständnisses gibt. Derselbe berichtet nämlich, daß die Juden und die Samariter im fünften Jahre der Regierung des Severus (also 198) eine Fehde untereinander hatten und daß Severus die Ruhe wiederherstellte21) (also 198). Der dreizehnjährige Caracalla habe dieser kleinen Expedition beigewohnt und es sei ihm dafür vom Senate die Ehre eines Triumphes über die Juden (Judaicus triumphus) zuerkannt worden. Auch Spartianus22) und Eusebius berichten dies. Letzterer ist zwar in solchen Angaben ungenau und unkritisch, weshalb die Richtigkeit dieser Mitteilungen in neuester Zeit bezweifelt worden ist. Die Tatsache ist gleichwohl unumstößlich, da durch Münzen bezeugt ist, daß Caracalla im Jahre 198 den Imperatorentitel zum ersten Male geführt hat. Severus selbst wurde der Titel Parthicus maximus hie und da beigelegt, aber wohl nur schmeichlerischer Weise, nicht offiziell.

Die Unruhen unter den Juden scheinen, trotzdem sie nicht bedeutend gewesen sein können, doch den Unwillen des Kaisers in sehr hohem Grade erregt zu haben. Denn er verbot durch ein Edikt die Annahme, vielleicht auch das Bekenntnis des Judentums23). Das gleiche geschah inbetreff des Christentums, das ja noch vielfach als bloße Abart des Judentums angesehen wurde. Wir haben dieses Verbot ohne Zweifel als das |xxi offizielle Edikt anzusehen, infolge dessen die Severianische Verfolgung ausbrach. Der natürlichen Entwicklung der Begebenheiten nach, sowie auch der Darstellung der Historiker zufolge ist es ins Jahr 199 zu setzen24).

In demselben Jahre unternahm Severus eine Reise nach Ägypten, die zu längerem Aufenthalt daselbst führte. Er besuchte Memphis und die Pyramiden und lernte die ägyptische Religion kennen. Dann kehrte er wieder nach Syrien zurück. Die dortigen Zustände muß er noch immer nicht für recht gesichert gehalten haben, denn sonst würde sich ein so langer Aufenthalt im Orient nach beendigtem Kriege nicht erklären lassen. Zu Anfang des Jahres 201 aber designierte er sich und seinen ältesten Sohn zu Konsuln für 202. Erst jetzt scheint er seine Aufgaben im Orient als beendigt angesehen zu haben. Nachdem er sein Konsulat noch in Syrien angetreten hatte, schickte er sich zur definitiven Rückkehr nach Europa an.

Seine Ankunft in Rom erfolgte im Jahre 202 im Frühjahr, wahrscheinlich im Mai25). Severus stand jetzt auf der Höhe seiner Macht und schwelgte im Glänze seines Glückes. Mehrere freudige Ereignisse fielen in das Jahr 202 und gaben Anlaß, den Prunk der Festlichkeiten, die in Rom bevorstanden, noch zu erhöhen: erstens die Vermählung des Caracalla, der 201 die Toga virilis erhalten hatte, sodann aber das zehnjährige Regierungsjubiläum des Severus, die Dezennalien. Beide Ereignisse wurden mit der höchsten Pracht gefeiert. Die Stadt Rom, die im Jahre 200 den Bau einer großen Badeanstalt begonnen hatte, nannte dieselbe zu Ehren |xxii der kaiserlichen Familie die Severianischen Thermen. Nun errichtete sie aus Anlaß des Einzuges des siegreichen Kaisers ihm zu Ehren den noch jetzt stehenden Triumphbogen auf dem Forum, der übrigens erst im Jahre 203 vollendet wurde26).

Sowohl dem Severus als auch seinem ältesten Sohne war vom Senate die Ehre eines Triumphes bewilligt worden. Severus seinerseits verzichtete zwar darauf, weil er wegen Gichtschmerzen nicht so lange stehen konnte, als die Feierlichkeit erforderte, Caracalla aber hielt seinen Triumphzug über die Juden in aller Form 202. Der Prunk der damals veranstalteten Feste ging ins Ungeheure. Die dem Volke gegebenen Spiele dauerten sieben Tage und werden als die prachtvollsten des ganzen Zeitalters gerühmt. Die dem Volke und den Soldaten gemachten Geschenke an barem Gelde aber sollen 50 Millionen Drachmen betragen haben.

Nun folgte in der Regierung des Severus eine Reihe von Friedensjahren, die er mit Bauten und Reformen in der Gesetzgebung ausfüllte. In jenen Jahren gedachte er auch seiner Heimat, vielleicht besuchte er sie sogar. Er ließ in Karthago Spiele abhalten und veranlaßte, daß dort der Bau eines Theaters, Odeons und Zirkus in Angriff genommen wurde27). Münzen von 203 und 205 tragen die Umschrift: Indulgentia Augustorum in Carthaginem. Karthago, Utika und Leptis erhielten von ihm das jus Italicum28). In das Jahr 204 fielen die sogen. Säkularspiele, die wieder mit großem Aufwande gefeiert wurden. |xxiii 

Im ganzen aber hatte Severus doch in seinem Glücke wenig Freude. Des Vorfalles mit Plautian wurde bereits gedacht. Seine Söhne ergaben sich nach Plautians Tode offen und ungescheut tollen Ausschweifungen, was dem Vater vielen Kummer verursachte. So war es ihm vielleicht nicht unwillkommen, daß er sie durch einen Krieg aus Rom entfernen und auswärts beschäftigen konnte. Denn an sich hätte der Krieg in Kaledonien nicht die Anwesenheit des Kaisers und seiner Söhne erfordert. Er beschloß aber, die Expedition persönlich zu leiten und trat 208 die Reise nach Britannien an. Den Geta ließ er im südlichen Britannien, der sog. römischen Provinz, als Verwalter zurück, er selbst betrieb mit Caracalla29) den eigentlichen Feldzug im Norden. Dieser dauerte zwei Jahre, als eine Spannung zwischen Vater und Sohn eintrat. Caracalla, dem der Vater, wie es scheint, zu lange lebte, soll einen Mordversuch auf denselben gemacht haben, empörte sich, als dieser fehlschlug, und ließ sich von einem Teile der Soldaten zum Kaiser ausrufen. Im Begriff, seines Sohnes Empörung zu bestrafen, starb der alte Kaiser zu York am 4. Febr. 211, 66 Jahre alt.

Caracalla -- offiziell hieß er seit 196 wie gesagt M. Aurelius Antoninus -- war wahrscheinlich am 4. April 184 geboren. Wie bemerkt, wagte Severus nicht, gleich nach seiner Erhebung seinen Söhnen den Titel Cäsar beizulegen, was nach unserer Ausdrucksweise so viel bedeutet als Prinz des kaiserlichen Hauses und eventueller Thronfolger. Caracalla erhielt den Titel Cäsar und princeps juventutis erst im Jahre 196 zu Viminacium in Mösien; nach Besiegung des Albinus erscheint er als Imperator destinatus, seif 198 dagegen als Mitregent mit der tribunizischen Gewalt und den Titeln Augustus und Pontifex30). Im Jahre 200 führt er den Beinamen Parthicus maximus, und 201, man weiß nicht |xxiv aus welcher Veranlassung, den Namen Plus, dessen er sich später so wenig würdig zeigte, und von 211 an den Namen Britannicus. Konsul war er 202 und 205.

P. oder L. Septimius Geta war geboren am 27. Mai 189 zu Mailand oder nach Spartianus zu Rom. Er erhielt die Würde eines Cäsar 198 und princeps juventutis im Jahre 20031). Im Besitz der tribunizischen Gewalt und der Titel Augustus und Pontifex und mit dem Ehrennamen Pius geschmückt erscheint er 209. Er hat ihn also jedenfalls 208 vor dem Ausmarsch nach Britannien erhalten. Konsul war er 205 und 208. Zuletzt führt er auch den Beinamen Britannicus; der Titel Imperator jedoch konnte ihm noch nicht beigelegt werden.

Nach dem Willen des Severus sollten seine Söhne die Regierung mit gleichen Rechten gemeinsam führen. Allein sie waren beide von zu schlechten Sitten und zu geringer Einsicht, als daß ein solches Verhältnis hätte Bestand haben können. Wie wenig sie einander trauten, trat alsbald darin hervor, daß sie den Rückweg aus Britannien nach Rom getrennt antraten und einer des ändern Nähe vermied, Nachstellungen fürchtend. Eine Zeitlang schien es zwar, als würden sie sich vertragen. Sie erwiesen gemeinschaftlich ihrem Vater die letzten Ehren, feierten die üblichen Siegesfeste wegen des Britannischen Feldzuges und es wurde sogar eine Teilung des Reiches zwischen ihnen geplant. Allein dieser täuschende Schein sollte nicht lange dauern. Caracalla haßte seinen Bruder tödlich besonders deswegen, weil derselbe sich größerer Beliebtheit bei der Armee erfreute. Darum versuchte er schon im Dezember 211 einen Mordanschlag und brachte ihn, als dieser nicht zur Ausführung gelangen konnte, am 27. Februar 212 eigenhändig ums Leben, obwohl er im Schöße ihrer gemeinsamen Mutter Schutz suchte. Nach vollbrachter Tat eilte der Mörder in das Lager der Soldaten und stellte sich, als sei er eben mit knapper Not einem Mordversuche seitens seines Bruders entronnen. Dadurch beugte er einem Aufstande der Soldaten zugunsten Gefas vor. So in den Besitz der Alleinherrschaft |xxv gelangt, ließ er sofort alle Diener, Freunde und Anhänger Getas, sowie auch andere Personen, die ihm verhaßt waren, ums Leben bringen. Nach einer kurzen Regierung fand er ein seines Lebens würdiges Ende in Syrien. Das sind die Schicksale des Reichs und der Dynastie während der Lebzeit Tertullians, welche in seinen Schriften so viele Reflexe finden, daß man sie genau kennen muß, um letztere zu verstehen.

Literatur: Für die Geschichte der römischen Kaiser ist noch immer von höchstem Werte: Tillemont, Histoire des empereurs. Von neueren Werken verdienen Beachtung: Hoefner M. J., Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Severus und seiner Dynastie, Gießen 1872-1875; Duruy N., Septime Sevère in der Revue hist. VII, sect. 2, pag. 241-325, Paris 1878; De Ceuleneer Ad., Essai sur la vie et le règne du Septime Sevère in Memoires de l'académie de Bruxelles 1880, t. XLIII; Fuchs K., Geschichte des Kaisers Septimius Severus, Wien 1884; Wirth Albr., Quaestiones Severianae, Bonn 1888; Domaszewski, Geschichte der römischen Kaiser Bd. II.

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§ 3. Christentum und Kirche in Nordafrika zur Zeit Tertullians.

Ebenso wichtig als die Kenntnis der politischen Zustände ist für das Verständnis der Schriften Tertullians und für die Würdigung seiner Persönlichkeit die Geschichte der christlichen Kirche von Nordafrika. Er war Mitglied der Gemeinde von Karthago und lange Zeit hindurch ihr werktätiger Diener und seine Tätigkeit ist, obwohl er später Separatist wurde, mit den Schicksalen der dortigen Kirche eng verwachsen. Ständen uns für deren Geschichte solche Quellen zu Gebote wie für die Kenntnis der politischen Zustände, so würden wir imstande sein, dem Leser ein höchst interessantes Lebensbild vorzuführen. Er selbst macht uns leider mehr mit seinen Stimmungen als mit seinen Schicksalen bekannt. |xxvi 

Die Kirche des lateinischen Nordafrika gehört nicht zu denen, welche ihre Gründung auf die Apostel zurückführten und machte niemals Anspruch auf diese Ehre. Unbekannte Glaubensboten waren es, welche die ersten Keime des Christentums dorthin brachten, sie kamen aber von Rom; denn mit der Hauptstadt des Reiches stand Nordafrika als Kornkammer desselben in regen, ununterbrochenen Handelsverbindungen und diese waren es, welche Karthago in kurzer Zeit wieder zu einer ansehnlichen Stadt machten. Somit war Rom die Mutterkirche von Karthago und von da gelangte die erste Kunde vom Christentum nach dem südlichen Spanien.

Gegen Ende des zweiten Jahrhunderts war die Zahl der Christen in Numidien schon nicht mehr unbedeutend und es gab bereits mehrere Bischöfe daselbst, da der erste uns dem Namen nach bekannte Bischof von Karthago, Agrippinus, schon eine Synode abhalten konnte, die sich mit der Frage nach der Gültigkeit der Ketzertaufe beschäftigte32). Auf Agrippinus folgte Optatus, der zur Zeit Tertullians 202 im Amte war, dann Cyrus und auf diesen Donatus, der, da er unmittelbarer Vorgänger Cyprians war, im Jahre 248 gestorben sein muß.

Entsprechend ihrer schon ansehnlichen Zahl zogen die Christen auch bald die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich und wurden vom Religionshaß der Heiden betroffen. Bereits im Jahre 180 n. Chr. fand eine Verfolgung statt. Zwölf Einwohner des Städtchens Iseli in Numidien, nicht weit von Karthago, wurden vor den Richterstuhl des Prokonsuls M. Aemilius Macer Saturninus33) gebracht und, da sie sich standhaft weigerten, den Kaisergöttern zu opfern, zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde sofort am 17. Juli 180 durch Enthauptung vollstreckt, ein Zeichen, daß diese Märtyrer römische Bürger waren. Dieses Martyrium fällt zwar zeitlich nicht mehr in die Regierung des Mark Aurel, ist aber ohne Zweifel durch sein Verfolgungsedikt hervorgerufen. |xxvii 

Danach hatten die Christen in Afrika Ruhe bis zur Zeit des Bürgerkrieges zwischen Severus und Pescennius Niger. Der erstere war Afrikaner von Geburt, ihm war die Sympathie der Afrikaner zugewandt und die Nachrichten von seinen Siegen riefen im ganzen Lande, besonders aber in der Hauptstadt, hellen Jubel hervor. Jeder seiner Siege wurde in Karthago mit Illuminationen als Freudenfest gefeiert. Die kühle Haltung, welche die Christen dabei beobachteten, hatte gewiß ihren Grund mehr in der ausgelassenen Art, womit die heidnische Bevölkerung ihre Freude kundgab, als in Abneigung gegen den Imperator selbst, der sogar Christen in seiner Umgebung hatte, aber sie erregte den Unwillen der Heiden. Der Pöbel verlangte mit dem Geschrei: „Die Christen vor die Löwen!" stürmisch die Verfolgung, und die Prokonsuln setzten schon 194-198 eine solche ins Werk. Dies veranlaßte Tertullian zur Abfassung seiner berühmten apologetischen Schrift, welche an die Prokonsuln und Prokuratoren, die höchsten römischen Provinzialstatthalter, gerichtet ist. Gerade letzterer Umstand beweist, daß die Christen auch vor der von Severus angeordneten allgemeinen Christenverfolgung speziell in Nordafrika Verfolgung zu leiden hatten. Denn, nachdem Severus als Alleinherrscher ein allgemeines Verfolgungsedikt erlassen hatte, hätte es keinen Sinn gehabt, den Provinzialbehörden Vorstellungen zu machen. So hatte die afrikanische Kirche noch vor Ende des zweiten Jahrhunderts wiederum eine Verfolgung zu bestehen, wenn wir auch keine Namen von Märtyrern jener Zeit aufweisen können.

Weit schlimmer fiel natürlich die von Severus Ende des Jahres 199 angeordnete allgemeine Christenverfolgung aus. Sie wurde in Afrika ins Werk gesetzt durch den Prokonsul Minucius Timinianus und nach dessen Tode, da derselbe während seines Amtsjahres starb, von einem Stellvertreter Hilarianus fortgesetzt. Der letztere war eigentlich nur Prokurator, d. h. der höchste Finanzbeamte in der Provinz. Als solcher wurde er direkt vom Kaiser ernannt und hatte, wenn der Prokonsul während seines Amtsjahres starb, die Provinz zu verwalten. |xxviii Leider ist das Amtsjahr des Minucius bisher noch nicht zu bestimmen gewesen, aber die Namen und die Härte dieser beiden Beamten sind uns aus der Leidensgeschichte der berühmten Märtyrerinnen Vibia Perpetua und Felicitas bekannt. Dieselbe ist tief ergreifend und hat erschütternde Auftritte. Perpetua war eine junge Frau von 22 Jahren, hatte einen Bruder, der Katechumene war, ein Kind von ein paar Monaten und einen um sie besorgten greisen Vater, der aber Heide war. Felicitas und Revocatus scheinen Sklaven der Familie gewesen zu sein; dazu kamen noch zwei Angeklagte: Saturus oder Saturninus und Secundulus. Alle hatten längere Zeit im Gefängnis zu schmachten, wo sie vom Bischof Optatus und dem Priester Aspasius Besuch erhielten. Sie wurden schließlich dazu verurteilt, am 7. März, dem Jahrestage von Getas Ernennung zum Cäsar, bei den Spielen im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Diese töteten die Märtyrer aber nicht, sondern stießen sie und schleiften sie herum, wobei Saturus eine starke Bißwunde von einem Leoparden erhielt. Da die Märtyrer also nicht von den Tieren getötet wurden, ließ man sie am Ende der Spiele auf einem Gerüst vorführen und von Gladiatoren erstechen. Secundulus war vorher schon im Gefängnis gestorben. Das ist das glorreiche Martyrium von Perpetua, Felicitas und Genossen, welches auch in Rom und sogar von den Griechen gefeiert wird.

Der Christenverfolgung durch Hilarianus gedachte später 212 auch Tertullian, indem er den Prokonsul Scapula daran erinnerte, daß auf dieselbe ein Jahr des Mißwachses gefolgt sei, wo nichts geerntet wurde.

Die eigentliche Severianische allgemeine Christenverfolgung dauerte in Afrika von 200 an fort bis 203, bis zum Konsulat des Plautianus und Geta. In jenem Jahre erlitt am 18. Juli in Karthago unter dem Prokonsul Rufinus die Jungfrau Guddenes34) den Märtyrertod, nachdem sie lange in einem schmutzigen Kerker geschmachtet und viermal zu verschiedenen Zeiten gefoltert worden war. Das berühmteste Opfer dieser Verfolgung ist |xxix bekanntlich Bischof Irenäus von Lyon. Nachdem dieselbe erloschen war, erfreute sich die Kirche längere Zeit der Ruhe. Ohne Zweifel haben noch andere Christen in Afrika außer den Genannten damals das Martyrium bestanden, von welchen man Genaueres nicht weiß. Denn es werden in den Schriften Tertullians und Cyprians noch mehrere Märtyrer namhaft gemacht ohne Angabe der Zeit, die aber allem Anschein nach der Severianischen Verfolgung angehören, so Mavilius und Celerina, die Großmutter eines zur Zeit Cyprians lebenden Celerinus.

Daß die schöne lange Zeit der Ruhe, wie Tertullian sarkastisch bemerkt, nach 203 i. J. 212 unterbrochen wurde, dazu gab ein Vorfall, der sich in Karthago ereignete, Veranlassung. Bei einer Geldverteilung an die Soldaten, welche die Kaiser 211 bewilligt hatten, weigerte sich einer, in der vorgeschriebenen Tracht, nämlich mit einem Kranz auf dem Kopfe, zu erscheinen und verriet sich dadurch als Christen. Er wurde abgeführt und ihm der Prozeß gemacht. Der Prokonsul Scapula aber entfachte im Jahre 212 eine heftige Verfolgung, welche glücklicherweise schnell vorübergehend war, aber, wie es scheint, auf die anderen Provinzen Nordafrikas übergriff. Ob diese auch durch die Verfolgung unter Maximinus Thrax betroffen wurden, darüber liegen bestimmte Nachrichten nicht vor; jedenfalls aber war dies unter Decius der Fall.

So hat die junge Kirche von Nordafrika schon im ersten Jahrhundert ihres Bestehens zu Lebzeiten Tertullians die Bluttaufe bestanden und haben die Gläubigen von ihrer Standhaftigkeit reichlich Proben abgelegt35). Einer, der nicht zum wenigsten Anteil daran hat, daß die afrikanischen Christen sich so standhaft zeigten, war ohne Zweifel Tertullian, dessen Leben und Wirken wir nun zu schildern haben. |xxx 

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§ 4. Tertullians Leben und Wirken.

Hätte Tertullian eine Selbstbiographie verfaßt, so würde sie den Konfessionen des Augustinus an die Seile zu stellen sein. Er hatte Charakterstärke und Wahrheitsliebe genug, um Selbstbekenntnisse zu schreiben; denn er machte aus den sittlichen Verirrungen seines früheren Lebens kein Hehl. Sein Charakter tritt in den zahlreichen Schriften, die von ihm erhalten sind, genugsam hervor, aber leider sind sie auch unsere einzigen Quellen, wenn es gilt, ein Bild vom Leben und Wirken dieses großen Mannes zu zeichnen. Denn was inbetreff seiner uns von anderen Autoren berichtet wird, ist wenig und zum Teil sogar noch irreleitend.

Zwar tut Eusebius seiner ein paarmal Erwähnung und führt sogar zweimal Stellen aus dem Apologetikum an, wovon eine griechische Übersetzung kursierte, und rechnet ihn zu den berühmtesten lateinischen Kirchenschriftstellern, aber inbetreff seiner Person und Schicksale weiß er nichts zu berichten, als daß er ein tüchtiger Kenner der römischen Gesetzgebung gewesen sei. Daß er Montanist geworden, scheint dem Vater der Kirchengeschichte unbekannt geblieben zu sein und die übrigen Schriften desselben hat er nicht gelesen, da er kein Latein verstand. Von den übrigen Kirchenvätern hat ihm der Literarhistoriker Hieronymus ein Kapitel gewidmet, woraus wir erfahren, daß Tertullian Sohn eines Offiziers der prokonsularischen Truppen in Afrika war und ein sehr hohes Alter erreichte, sonst aber enthält dasselbe inbetreff seiner Lebensumstände den Irrtum, er sei in der ersten Hälfte seines Lebens Priester der katholischen Kirche gewesen36).

Diese Angabe muß leider als vollständig falsch bezeichnet werden.

Wenn Tertullian überhaupt Priester war, so könnte er es nur in den letzten Jahren seines Lebens gewesen sein, als Mitglied der katholischen Kirche war er es sicher niemals. Doch hören wir ihn selber. Mehr als einmal |xxxi in seinen Schriften gibt er zu verstehen, daß er keine Würde und amtliche Autorität besitze37), ja an einer Stelle sagt er ausdrücklich, daß er nicht Priester sei. Er eifert dort dagegen, daß Christen eine zweite Ehe schließen. Ein Christ soll schon aus dem Grunde nicht zum zweiten Male heiraten, weil die Priester das nicht tun dürfen und ein Bigamist nicht Priester werden kann. Dann fährt er fort: „Sind wir Laien denn aber nicht auch Priester?" In Notfällen nämlich, wo kein Priester vorhanden ist, müssen Laien taufen und opfern38 ).

Diese Stelle, worin er sich klar und bündig als zu den Laien gehörig bekennt, lehrt uns andere Stellen, welche unbestimmt lauten, richtig auffassen. Leider ist die Schrift, in der sie sich findet, nicht genau zu datieren, sie ist aber entschieden montanistisch, weil Prisca darin seine heilige Prophetin genannt wird. Auch ist sie schon stark rigoristisch, weil darin der Unterschied von pflichtmäßigem und bloß geratenem Guten verwischt und die zweite Ehe für unstatthaft erklärt wird. Letzteres steht im Widerspruch mit der Schrift Ad uxorem, wo die zweite Ehe noch als statthaft und erlaubt erscheint. Die Schrift De exhortatione castitatis gehört also jedenfalls in die späteste Periode.

Wenn Tertullian also im höheren Alter noch nicht Priester war, so dürfen wir verschiedene Stellen seiner früheren Schriften ebenfalls dahin deuten, z. B. die Äußerung in der Schrift an die Märtyrer c. 1, welche 202 verfaßt ist: „Ich bin nicht der Mann, euch zuzureden. Aber auch die Gladiatoren erhalten nicht bloß von ihren Lehrmeistern und Vorgesetzten Mahnungen, sondern sogar von Leuten aus dem Volke". Er nimmt also keinerlei amtliche Würde gegenüber diesen Laien für sich in Anspruch, ebenso wenig in der Schrift De oratione c. 20, wo er sich einen Mann ohne Rang und Stellung (nullius loci) nennt. Zwar erwähnt er an dieser Stelle die Apostel und setzt sich gewissermaßen in Gegensatz |xxxii zu ihnen, aber der Ausdruck locus ist ohne Zweifel in Rücksicht auf die Gewohnheit gewählt, daß Kleriker und Laien beim Gottesdienst in der Kirche verschiedene Plätze einnahmen. Wenn er in derselben Schrift c. 22 den Frauen und Jungfrauen anempfiehlt, verschleiert beim Gottesdienst zu erscheinen, so bekennt er zugleich, daß das eigentlich über seine Befugnis hinausgehe (super meum modulum). In der Schrift über den Putz der Weiber II c. 1 drückt er das noch stärker aus, wenn er sagt, er sei der aller-allerletzte (postremissimus), der das Recht habe, dergleichen zu verlangen. Und wenn er verschiedentlich, von sich selbst redend, den Ausdruck meine Wenigkeit (mediocritas nostra) braucht, so ist das nicht Bescheidenheit, sondern das Bekenntnis, daß er einfacher Christ sei. Wenn dergleichen Wendungen in seinen Schriften mehrmals wiederkehren, so liegt darin offenbar das Befremden darüber angedeutet, daß er, als der gelehrteste und wahrscheinlich der angesehenste und reichste Mann in der Gemeinde, noch nicht in den Klerus gewählt sei.

Es steht also vollkommen fest, daß Tertullian, so lange er Katholik war, niemals Priester gewesen ist39). Man kann aber noch weiter gehen und sagen, er sei überhaupt nie, auch als Montanist nicht, Priester gewesen. Strenge Beweise dafür, daß er es auch dann nicht gewesen sei, lassen sich zwar aus seinen Schriften nicht erbringen, aber bei dem Umstände, daß es den Montanisten nicht gelang, einen Bischof auf ihre Seite zu ziehen, dürfte es ihm kaum möglich gewesen sein, die Weihe zu erhalten.

Trotzdem Tertullian, wie nachgewiesen, niemals Priester der katholischen Kirche war, übte er eine umfassende Lehrtätigkeit lange Jahre hindurch in mehr als dreißig Schriften verschiedener Art. Während er in |xxxiii seinen späteren Schriften vorwiegend philosophische und dogmatische Themata, nicht wie ein Dilettant, sondern wie ein Theologe behandelt, erörtert er in den früheren praktische Fragen; er untersucht, ob ein Christ den Schauspielen des Zirkus und Theaters beiwohnen dürfe, er gibt Anweisung darüber, an welchen Feierlichkeiten und Gebräuchen man sich nicht beteiligen dürfe, um die Gefahr der communicatio in sacris, der Kultusgemeinschaft mit den Heiden, zu vermeiden, sogar die Einzelheiten der weiblichen Toilette prüft er auf ihren sittlichen Wert oder Unwert. Die Frage, ob man sich der Verfolgung durch die Flucht entziehen dürfe, entscheidet er, aber er gibt auch Ratschläge, Gutachten und Anordnungen, wie man sich beim Gottesdienst zu verhalten habe. Alle diese Erörterungen haben aber nicht etwa bloß akademischen Wert, sondern sind für bestimmte Leute, die er als Neulinge, Novicioli d. h. angehende Christen, bezeichnet, oder als Gesegnete (benedicti) anredet. Er muß also, ohne Priester zu sein, doch eine gewisse Autorität in der Gemeinde und in der allgemeinen Kirche besessen haben und hierfür bieten die Einrichtungen der Urkirche das Amt eines Lehrers der Katechumenen.

Dies vorausgeschickt, werden wir imstande sein, uns ein richtiges Bild von Tertullians Lebenslauf und Lebensstellung zu entwerfen; bleibt dagegen die Tatsache, daß er nicht Priester der katholischen Kirche war, außer Ansatz, so muß vieles in unrichtigem Lichte erscheinen.

Quintus Septimius Tertullianus Florens, so lautet sein vollständiger Name, war in Karthago als Sohn eines Subalternoffiziers (centurio) der dortigen Garnison geboren und machte seine Studien einschließlich der Klasse der Rhetorik in seiner Vaterstadt. In der Rhetorik war ein gewisser Phosphorus -- unter ändern -- sein Lehrer (Adv. Val. c. 8). Auch die weiteren Nachrichten über die Hauptereignisse seines Lebens werden wir am besten aus seinen eigenen Schriften entnehmen, vor allem die Tatsache, daß er die erste Hälfte seines Lebens in Rom zubrachte und die zweite in Karthago. |xxxiv 

In Rom war er ohne allen Zweifel schon im Jahre 166 n. Chr. Denn er berichtet, daß er daselbst Gelegenheit gehabt habe, zu sehen, daß gefangene parthische Krieger kostbare Perlen an ihren Stiefeln anstatt der Knöpfe trugen (De cultu fem. I 7, II 10). Dazu bot nur ein Triumphzug Gelegenheit und einen solchen hielt zu Lebzeiten Tertullians nur Lucius Verus, der auch den Titel Parthicus maximus erhielt, im Jahre 166 in Rom. An Severus, der auch die Parther besiegte, ist dabei nicht zu denken. Denn erstens veranstaltete derselbe keinen Triumphzug nach Beendigung des Krieges 202 n. Chr. und zweitens war Tertullian damals nicht mehr in Rom, konnte also dergleichen Beobachtungen, wenn sich dazu Gelegenheit damals geboten hätte, gar nicht machen.

Ein anderer Vorfall, den Tertullian miterlebt und der sich seinem Gedächtnis tief eingeprägt hat, trug sich im Jahre 180 in Rom zu. Am 17. März 180 nämlich hatte Mark Aurel zu Sirmium sein Leben beschlossen, aber noch am 24. desselben Monats nahm der Oberpriester der Kybele in Rom die gewohnten Fürbitten für den Kaiser vor, wobei er sich die Arme ritzte und sein Blut opferte (Apol. c. 25). Man darf mit Sicherheit annehmen, daß Tertullian diesen Vorfall in Rom selber als Augenzeuge mitangesehen hat.

Mehr als dieser komische kleine Vorfall machte eine Begebenheit von sich reden, die sich unter Commodus zutrug. Ein Knabe, Sohn einer vornehmen Familie in Rom, war entführt und in Griechenland auferzogen worden. Als er erwachsen war, wurde er in Rom auf den Sklavenmarkt gebracht, dort von seinem Vater gekauft und zu unsittlichen Zwecken mißbraucht. Als das Verwandtschaftsverhältnis durch Zufall an den Tag kam, machte der Vater seinem Leben durch Selbstmord ein Ende und der Sohn wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen vom Stadtpräfekten Fuscianus verurteilt. Die Zeit dieser Begebenheit, welche Tertullian ausführlich erzählt (Ad natt I, 16), läßt sich bestimmen: Um Stadtpräfekt zu werden, mußte man zweimal Konsul gewesen sein. Letzteres war Fuscianus 188 n. Chr., folglich 189 Stadtpräfekt und in dieses Jahr fällt die |xxxv Familientragödie, welche Tertullian ebenfalls noch in Rom erlebt haben muß, da er so genau darüber unterrichtet ist40).

Da Tertullian im Jahre 194 nachweislich in Karthago war41), so haben wir damit seinen Lebenslaut aus dem Groben herausgearbeitet. Derselbe zerfällt in zwei ziemlich gleich lange Teile. Die erste Hälfte seines Lebens hat er in Rom zugebracht und dort das Amt eines Sachwalters (causidicus) ausgeübt, wie so viele seiner Landsleute. Bei seinem Scharfsinn und seiner kraftvollen Beredsamkeit konnte es ihm in dieser Laufbahn an Erfolgen nicht fehlen. Seit dem Jahre 193 aber finden wir ihn als vermögenden Privatmann in seiner Vaterstadt Karthago, wo er den Rest seines Lebens zubrachte. Das ist der äußere Umriß seines Lebenslaufes.

In der letzten Periode desselben war Tertullian Christ. Wo, wie und warum er es geworden, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen; sicher ist nur, daß der Anblick der Standhaftigkeit eines oder mehrerer Märtyrer im Angesichte des Todes, vielleicht daß der Senator Apollonius in Rom, der unter Commodus verurteilt und hingerichtet wurde, einen so tiefen und nachhaltigen Eindruck auf ihn machte, wie das ja ähnlich bei vielen Heiden der Fall war, und bewirkte, daß er in sich ging, seinen Lebenswandel änderte und zum Christentum übertrat. Dieser Schritt und vermutlich angegriffene Gesundheit haben ihn auch, wie es scheint, bewogen, seine Tätigkeit als Advokat aufzugeben und seinen Wohnsitz nach Karthago zu verlegen42).

Dort erregte die Art seines Auftretens, namentlich seine Art sich zu kleiden, die Aufmerksamkeit des Publikums. Er beliebte nämlich, dort nicht in dem gewöhnlichen römischen Staats- und Feierkleid, der Toga, dem Anzug der höheren Stände, besonders der Beamten und Juristen, öffentlich zu erscheinen, sondern trug über dem Unterkleid, der Tunica, nur das sog. Pallium, einen |xxxvi primitiven, viereckigen Überwurf oder Mantel, das Gewand, woran man dazumal den Philosophen erkannte, welches auch der Philosoph und Märtyrer Justin in Rom zu tragen pflegte43). In Karthago erregte das Aufsehen. Wie geht das zu, sagten sich die Müßiggänger: Von der Toga zum Pallium? was ungefähr, nur in feinerer Weise, so viel bedeuten dürfte als bei uns: Vom Frack zum Kittel! Allein diese Sonderbarkeit war bei Tertullian doch keine bloße Grille, sondern hatte einen tieferen Grund. Es begann jetzt für ihn eine Zeit gelehrter und besonders philosophischer Beschäftigung.

Denn wann sollte er sonst seine tiefen und umfassenden Studien in der Philosophie und in der Bibel gemacht haben, wenn nicht damals in den letzten Jahrzehnten seines Lebens. Vorher als vielbeschäftigter Advokat hafte er keine Zeit dazu gehabt. Die Menge von Schriften, die er zitiert, konnte er nur in der Muße eines Privatmannes, der nicht von amtlichen Sorgen geplagt ist, lesen. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß es über hundert verschiedene Schriftsteller sind, die er in seinen Werken zitiert. In seinen früheren kleinen Schriften sind Zitate allerdings selten, aber sie mehren sich im Laufe der Zeit und begegnen uns in Masse in den Schriften über die Seelenlehre und ändern derselben Periode. In der Hl. Schrift des Alten sowie des Neuen Testamentes ist er vollständig zu Hause und seine Belesenheit zeigt sich besonders in den Büchern gegen Marcion. Theologen zitiert er natürlich nur wenige, weil es zu seiner Zeit außer Hermas, Justin und Irenäus eben noch keine gab, aber Profanschriftsteller desto mehr. Am häufigsten zitiert er die antiken Philosophen aller Schulen und die Mediziner, insoferne sie für die Anthropologie und Psychologie etwas bieten.

In dem Maße, wie sich seine Kenntnis der Literatur erweiterte, wuchsen auch seine eigenen Schriften an Umfang und Gehalt. Wenn wir sie in Bezug auf ihren Inhalt durchmustern, so ergeben sich leicht die |xxxvii Merkmale, wonach wir sie in Klassen einteilen und ordnen können.

In einigen beschäftigt er sich sozusagen mit sich selbst und ist der subjektivistische Standpunkt vorherrschend; sie greifen zum Teil in das theologische Gebiet über, aber noch nicht in wissenschaftlicher Weise, sondern streifen es sozusagen nur: z. B. die Schriften über das Zeugnis der Seele, über die Geduld und die Bedrohung der Menschen, während andere sich nur auf seine persönlichen Angelegenheiten beziehen, z. B. die über das Pallium und die zwei Bücher an seine Frau. Hier treibt er gewissermaßen theologischen Dilettantismus.

Aber bald zeigen sie ein anderes Gesicht. Es war zu erwarten, daß in einer Gemeinde wie in Karthago ein geistig so bedeutender und materiell unabhängiger Mann eine hervorragende Rolle spielen und zum Kleriker, Priester oder Bischof sich eignen würde. Dazu machte man ihn freilich nicht, aber es gab eine andere kirchliche Wirksamkeit, zu welcher man ihn alsbald gebrauchen konnte. In allen größeren Städten meldeten sich in jener Zeit fortwährend Leute, welche zum Christentum übertreten wollten, sog. Katechumenen, und es mußte dafür gesorgt werden, daß sie in der christlichen Lehre unterrichtet wurden. Zu diesem Zwecke schuf die Kirche des Altertums das sog. Katechumenat, worin die Neulinge einesteils auf die Redlichkeit ihrer Absichten, die Reinheit ihrer Gesinnung sowie die Zuverlässigkeit ihrer moralischen Besserung geprüft, anderseits aber in den Wahrheiten der christlichen Religion unterrichtet wurden. Die Leitung des Ganzen lag in den Händen des Bischofs, der manchmal den Unterricht persönlich erteilte, wie Cyrill in Jerusalem, aber auch andere Lehrkräfte, nicht bloß Priester, sondern auch Laien zu Hilfe nahm und mit Erteilung des Unterrichts betraute, wie z. B. Origenes. Ein großer Teil der patristischen Literatur verdankt den Arbeiten solcher Männer, Katecheten oder Doktoren genannt, seine Entstehung.

Wenn sich nun Tertullian in mehreren seiner Schriften an die Neulinge (Novicioli), d. i. die Katechumenen, |xxxviii wendet44), so wird jedermann, der mit den Einrichtungen der Urkirche einigermaßen bekannt ist, sofort zugestehen, daß Tertullian, als er jene Schriften verfaßte, nur ordnungsmäßig bestellter Lehrer der Katechumenen, Katechet, gewesen sein könne. Denn daß jemand unberufen, auf eigene Faust oder zu seinem Zeitvertreib, katechetische Schriften in jener Zeit verfaßt habe, das ist undenkbar. Der Schriften dieser Art, worin er förmlich als Lehrer auftritt, die also seiner Amtstätigkeit ihre Entstehung verdanken, sind sieben: die über die Idololatrie, über die Schauspiele, über den weiblichen Putz, die Taufe, das Gebet, die Aufforderung zur Keuschheit und die an die Märtyrer. Daß auch in Karthago Fürsorge für den Unterricht der Katechumenen getroffen war, beweisen die Märtyrerakten der Perpetua, wo ein Lehrer derselben, Aspasius mit Namen, genannt wird, und die Schriften Cyprians. Was kann uns also hindern zu behaupten, daß Tertullian, ein Mann von der höchsten Begabung, mit dem Unterricht der Katechumenen betraut war? Aus dieser seiner Beschäftigung ging also zunächst eine Reihe von Schriften hervor, worin er Gegenstände der Moral und Kasuistik behandelt.

Bald wiesen ihn die allgemeinen Zeitverhältnisse und die Lage der Kirche in Nordafrika auf ein anderes Gebiet der Schriftstellerei. Schon während des Krieges zwischen Severus und Niger, noch mehr aber zwischen Severus und Albinus, nahmen die Heiden in Karthago eine drohende Haltung gegen die Christen an, Vorzeichen einer bevorstehenden Verfolgung, und bald fingen die Statthalter der drei Provinzen, offenbar durch die feindselige Haltung der Menge veranlaßt, an, gegen die Christen vorzugehen. Niemand war mehr geeignet, sich derselben anzunehmen und ihre Sache zu vertreten, als Tertullian. Er war unabhängig, Kenner der Gesetze und Staatsverwaltung und hatte Verbindungen mit |xxxix reichen Leuten. Er war nämlich befreundet -- wahrscheinlich von Rom her -- mit Prokulus genannt Torpakion, welcher den Severus von einer Krankheit geheilt hatte. Dieser behielt ihn bis zu seinem Tode in seinem Hause und seiner Umgebung, obwohl er Christ war übrigens hatte Severus auch sonst noch Christen als Sklaven oder Freigelassene in seinem Hause, wenigstens war die Amme seines Sohnes Caracalla eine Christin --. Prokulus war auch Verwalter des Vermögens der Euhodia, welche höchstwahrscheinlich zur Familie des Euhodos, des Erziehers Caracallas, gehörte45). Leider war Prokulus Montanist, der unter Papst Zephyrinus in Rom für die Sache des Montanismus tätig war (Euseb. h. e. II 26). Vielleicht trug die Freundschaft mit ihm dazu bei, Tertullian für den Montanismus zu gewinnen.

Wie dem aber auch sei, jedenfalls war es nicht ungefährlich, bei den Behörden für die Christen einzutreten und das Christentum zu verteidigen, wie das Schicksal des Apologeten und Märtyrers Justinus zeigt. Und wirklich kam Tertullian persönlich in Lebensgefahr46), was ihn aber nicht abhielt, im Jahre 212 wiederum die Feder zu ergreifen und dem Prokonsul Scapula Vorstellungen zu machen.

Der Schriftenkreis, der seiner apologetischen Tätigkeit die Entstehung verdankt, setzt sich in folgender Weise zusammen. Tertullian war offenbar mit den Vorarbeiten zu einem großartig angelegten und erschöpfenden apologetischen Werk beschäftigt, als die Gemeinde von Karthago durch die Verfolgungsgelüste des heidnischen Volkes beunruhigt wurde. Er änderte seinen Plan, als die Behörden nachgaben, und stellte nun in Kürze das gesammelte Material zu einer Schutzschrift zusammen, die den Vorständen der afrikanischen Provinzen überreicht worden ist. So entstand im Jahre 197 |lx n. Chr. das berühmte Apologetikum, die in jeder Hinsicht bedeutendste und gediegenste Schutzschrift, welche das Altertum hervorgebracht hat. Ob durch sie der drohenden Verfolgung Einhalt getan wurde, weiß man nicht. Beim Ausbruch der Severianischen Verfolgung richtete er eine Trostschrift an die im Kerker schmachtenden Märtyrer um 202 n. Chr. (Ad martyras).

Auch die Scorpiace ist zur Zeit einer längeren und heftigen Verfolgung geschrieben, welche nicht wohl eine andere gewesen sein kann als die Severianische; denn, wie es Kap. 9 heißt, kamen zur Zeit der Abfassung täglich Martyrien vor. Scorpiace hieß damals ein Heilmittel gegen den Stich des Skorpions. Mit den Skorpionen aber meint Tertullian die Valentinianer. Wie die Skorpione zur Zeit der größten Hitze am flinksten und gefährlichsten sind, so, sagt er, sind auch die Häretiker zur Zeit, wo die Verfolgung am heftigsten ist, am rührigsten, bemühen sich im Trüben zu fischen und die Gläubigen auf ihre Seite zu ziehen, indem sie lehren: Wenn Christus gesagt hat, wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem himmlischen Vater verleugnen, so macht er einen Unterschied. Christum verleugnen und leugnen, daß man ein Christ sei, ist etwas sehr Verschiedenes. Letzteres sei erlaubt, aber Christus ableugnen und abschwören, sündhaft. Mit dieser Distinktion eröffneten sie laxen Christen eine Pforte, sich der Verfolgung zu entziehen. Valentinus verlegte überhaupt das Bekennen Christi in den Himmel. So war Tertullian also anderseits auch darauf bedacht, die Mitglieder seiner Gemeinde vor Täuschung und Verführung durch die Häretiker zu bewahren. Scorpiace ist ruhig gehalten, frei von Übertreibungen und überspannten Behauptungen, wie sie sich in den späteren Schriften finden, und gehört zu den besten des Autors, der offenbar, als er sie schrieb, noch Katholik war. Sie ist entstanden zu einer Zeit, wo in Karthago besonders viele Feste und prunkvolle Spiele abgehalten wurden, also allem Anscheine nach 203, als die Dezennalien des Severus gefeiert wurden47). |lxi 

Ganz anders geartet ist die Schrift De fuga, worin die Frage erörtert wird, ob es erlaubt sei, sich der Verfolgung durch Flucht oder Bestechung der Beamten zu entziehen. Während Tertullian es in der Schrift an seine Frau (l, 4) ohne Einschränkung für erlaubt erklärte, der Verfolgung durch Flucht oder Aufsuchen von Verstecken auszuweisen, erklärt er beides hier in der schärfsten Weise für unerlaubt und setzt sich dadurch in Widerspruch mit der allgemeinen Ansicht und Praxis der Kirche; denn auch Priester und Bischöfe flohen in der Verfolgung. Diese Schrift verrät überall den extrem montanistischen Rigorismus des Verfassers, weshalb sie der letzten Periode seines Lebens, frühestens aber den Jahren 211 oder 212 zuzuweisen ist. Derselben Zeit gehört auch die Schrift an Scapula Tertullus an, der im Jahre 212 Prokonsul war und eine Christenverfolgung in Szene setzte. Ihn wollte Tertullian dadurch von seinem Beginnen abschrecken, daß er ihn an die Schicksale, Unglücksfälle und Krankheiten, mit einem Worte an die Gottesgerichte erinnerte, von welchen in vielen Fällen die Verfolger getroffen worden waren.

Nach der Severianischen Verfolgung trat für die Kirche überhaupt und auch für die von Nordafrika eine lange Periode des Friedens ein, welche in Karthago nur vorübergehend durch Scapula 212 gestört wurde. Bei Tertullian aber begann von diesem Zeitpunkte an eine Periode ununterbrochener fruchtbarer Tätigkeit als theologischer Schriftsteller, besonders auf dem Gebieteder Dogmatik und der speziellen Bekämpfung, der Häresien der Valentinianer, Marcioniten und anderer. Die Anfänge dazu hatte er wahrscheinlich schon vor oder während der Severianischen Verfolgung gemacht in einer kleinen Schrift gegen Marcion, die uns nicht erhalten ist. Man kann sagen, er ging nun nach hergestellter Ruhe systematisch zu Werke, indem er zunächst die Grundlagen des Glaubens, das Traditionsprinzip und die kirchliche Glaubensregel untersuchte in der Schrift über die Präscription. Dann folgten in langer Reihe die übrigen Schriften, zunächst die gegen die Valentinianer, worin er von Irenäus abhängig ist, und um 207 und die |lxii folgenden Jahre die fünf Bücher gegen Marcion, ferner gegen Hermogenes, und zwei andere wichtige Arbeiten über die Psychologie (De anima) und die Lehre von der Auferstehung, und die Schrift gegen Praxeas.

Es ist hier nicht der Ort, diese wichtigen Schriften im einzelnen zu charakterisieren, es genügt die Bemerkung, daß in denselben, vom Jahre 207 angefangen, deutlich die Montanistischen Ansichten des Verfassers hervortreten.

Tertullian war in der Theologie so wenig Autodidakt wie irgend ein gewöhnlicher Christ seiner Zeit, und freie Forschung und Voraussefzungslosigkeit gibt es auf dem Boden des Christentums überhaupt nicht, die christliche Lehre wird tradiert. Er hat so gut wie jeder andere als Katechumene sich müssen belehren lassen und auch die wenigen theologischen Schriftsteller, die es seinerzeit gab, soweit sie ihm erreichbar waren, gelesen, Hermas, Justin und Irenäus, aber er war ein Mann, der seine eigenen Wege ging und sich ändern überlegen fühlte. Seinem starren Charakter und seiner energischen Willenskraft sagte der Rigorismus des Montanus zu, dessen Irrlehre vor kurzem aufgetaucht, aber noch nicht überall als solche erkannt worden war, da sie sich meistens auf praktische Dinge bezog. So konnte es kommen, daß Tertullian jahrelang diesen Ansichten huldigte und daß er bei verschiedenen Gelegenheiten damit hervortrat und sie äußerte, ohne daß es zu einem Bruche gekommen wäre.

Seine Strenge in sittlichen Anforderungen konnte als Neigung zur Aszese gelten, die jeder Christ üben soll; wenn er gleichzeitig den Dualismus der Gnostiker usw. bekämpfte und siegreich die Einheit und Einzigkeit Gottes sowie die Erschaffung der Welt aus Nichts bewies, so mußte man ihm dafür freilich dankbar sein, aber man konnte die Augen nicht gegen die Tatsache verschließen, daß er einige absonderliche Lehren vortrug, und mußte sich fragen, ob sich dieselben mit der Glaubensregel vertrügen, die ja Tertullian selbst als Norm hingestellt hatte. Wenn er die Körperlichkeit der Seele lehrte, wenn er über die Trinität subordinatianisch dachte, |lxiii wenn er an die Inspiration des Montanus und seiner Prophetinnen glaubte, so mußte das auch gewöhnliche Christen befremden, die Vorsteher der Kirche aber mußten sich dagegen erheben. In welcher Weise nun dies geschah und wie im einzelnen die Kluft zwischen ihm und seinen hierarchischen Vorgesetzten, deren Namen er nirgends nennt, sowie dem Klerus sich bildete und erweiterte, das entzieht sich unserer Kenntnis. Aber die Kluft war um das Jahr 211 oder 212 jedenfalls vorhanden.

Wenn nun ein viel späterer Schriftsteller, der als Quelle für die Geschichte jener Zeit nicht gelten kann, wohl aber manchmal aus guten Quellen schöpft, die für uns verloren sind, -- wenn Ado von Vienne in seiner Chronik48) ihn erst unter Makrinus, also 217, aus der Kirche ausscheiden läßt, so dürfte manchem diese Datierung zu weit herabgehen. Man kann sie aber so rechtfertigen, daß man sagt, Differenzen zwischen Tertullian und seiner nächsten Umgebung bestanden schon lange, der völlige Bruch aber sei erst durch das Bußedikt des Callistus herbeigeführt worden. Da er dieses Edikt in schärfster Weise angriff, so konnte er nicht länger Mitglied der Kirche bleiben, was denn auch durch die Mitteilung bestätigt wird, die er selbst macht, daß er von den Agapen der Gemeinde ausgeschlossen sei49). Damit wären wir bei der letzten Periode seines Lebens und Wirkens angelangt, welche in literarischer Beziehung durch die drei oder vier extrem montanistischen Streitschriften gekennzeichnet wird (De pudicitia, De monogamia, De jejunio und De virginibus velandis).

Daß Tertullian sich vor seinem Tode wieder mit der Kirche ausgesöhnt habe, ist deshalb nicht anzunehmen, weil noch zur Zeit Augustins die separatistische Gemeinde der Tertullianisten in Karthago bestand50), deren Haupt und Priester er gewesen ist. Sie war die Erbin |lxiv seines Geistes, seiner Lehrmeinungen und wahrscheinlich auch seines Vermögens.

Wollen wir etwas in Betreff seiner Persönlichkeit und seines Charakters wissen, so müssen wir uns mit dem wenigen begnügen, was er nebenbei in seinen Schriften darüber fallen läßt. Daß er als Advokat in Rom verheiratet war, steht fest. Seine Frau zog natürlich mit ihm nach Karthago, starb aber lange vor ihm, da er sich in seiner Schrift über die Auferstehung als Witwer bezeichnet51). Daß er keine zweite Ehe einging, kann als sicher angenommen werden, umsomehr als seine schriftstellerische Tätigkeit mit dem Alter an Intensität und Ausdehnung zunahm. Tertullian hatte Verwandte, die den gebildeten Ständen angehörten; denn er berichtet, einer derselben habe einen Homer-Cento gemacht, d. h. aus Versen, die dem Homer entlehnt waren, ein eigenes Gedicht zusammengestoppelt. Was seine Konstitution anlangt, so scheint er zu Zeiten an Kopfschmerzen gelitten zu haben; denn er sagt: schon ein wenig Kälte schadet dem Kopfe, und trug einen Vollbart52). Was seine Studien angeht, so war er auch Naturkundiger, kannte die Naturgeschichte des Plinius und hat medizinische Schriften, z. B. den Soranus, gelesen. Die griechische Sprache war ihm vollständig geläufig und er hat mehrere Schriften darin verfaßt und seine eigenen Schriften übersetzt, auch solche, welche für die Katechumenen bestimmt waren; er muß also auch Schüler griechischer Zunge gehabt haben unter den Katechumenen. In einer aufblühenden Handels- und Hafenstadt wie Karthago mußte es deren jederzeit geben. Reisen nach Griechenland53) braucht er darum nicht gemacht zu haben, und wenn er mit einigen Einrichtungen der Kirche von Korinth bekannt ist, so konnte er durch andere Kenntnis davon erlangen.

Tertullian war von seinen Ideen sehr eingenommen |lxv und kümmerte sich wenig um den Widerspruch anderer, sondern beharrte auf seinen Meinungen. Das tritt recht deutlich hervor, wenn er sagt, er wisse sehr gut, daß das Buch Henoch von gewissen Leuten nicht als kanonisch angenommen werde, aber er macht sich nichts daraus, sondern zitiert es wie eine inspirierte Schrift. Da er nun auch in bezug auf Disziplin als Reformator aufzutreten sich herausnahm, in großen, aber manchmal auch in kleinlichen Dingen, so konnte es nicht fehlen, daß er mit Volk und Klerus in Konflikt geriet. Wenn nun Hieronymus sagt, er sei durch die Schelsucht und die Schmähungen der Kleriker der römischen Kirche zum Montanisten geworden, so mag er dabei an seine eigenen Erlebnisse gedacht haben, bei Tertullian aber trifft das Gesagte in keiner Weise zu, schon aus dem Grunde, weil er, wie seine Schriften zeigen, nicht in Rom lebte, sondern die letzten Jahrzehnte seines Lebens ununterbrochen in Karthago zubrachte. Diese Bemerkung zeigt, daß Hieronymus nur eine geringe Kenntnis der Schriften Tertullians besaß. Zutreffender hat ihn der Verfasser der Praedestinatus betitelten Schrift beurteilt.

Hat das Leben Tertullians auch nicht den Verlauf genommen, den man wünschen möchte, so bleibt er dennoch der große Mann, der die lateinische Sprache beherrscht wie kein anderer im dritten Jahrhundert, der sie zur Wiedergabe christlicher Ideen brauchbar machte, theologische Kunstausdrücke schuf und, was mehr ist, das Christentum und seine Anhänger in Verfolgungen mutig verteidigte, die wichtigsten Dogmen des Christentums bearbeitete und den Grund zur kasuistischen Moral legte. Mehrere seiner Schriften sind nach Inhalt und Form Meisterwerke, wie das Apologetikum und De praescriptionibus. Sie allein genügen, ihm einen für allezeit unvergänglichen Ruhm als theologischer Schriftsteller zu sichern. Erwägen wir endlich noch, wie viele Belehrungen über Archäologie, Disziplin und Verfassung der Kirche aus ihm zu schöpfen sind, so werden wir zugeben müssen, daß die Erhaltung seiner Schriften ein großes Glück für die theologische Wissenschaft ist und daß sie allgemein gekannt zu werden verdienen. Wenn |lxvi es bei anderen Autoren genügt, sie aus Darstellungen Dritter oder aus Handbüchern, Dogmengeschichten, Monographien usw. kennen zu lernen, so ist es bei Tertullian schon um seiner Originalität, seiner logischen Schärfe und seines sprühenden Witzes wegen vorzuziehen, ihn im Original zu lesen oder, falls das nicht anfänglich ist, eine Übersetzung zu Hilfe zu nehmen.

 

Die Literatur über Tertullians Leben und Schriften.

Die bisherigen Darstellungen des Lebens Tertullians sind deshalb sämtlich ungenügend, weil sie teils an der Angabe des Hieronymus über sein Priestertum festhalten, teils seine amtliche Stellung nicht erkannt haben, eine verkehrte Chronologie zugrunde legen und für seinen Abfall zum Montanismus ein bestimmtes Jahr suchen.

Die ältere Literatur ist vereinigt im dritten Bande der Ausgabe Tertullians von Oehler. Das wertvollste darunter ist die Dissertation von Le Nourry. Von der neueren Literatur erwähnen wir nur: Neander, Antignostikus. Geist des Tertullians, 1824, 2. Aufl. 1849, enthält über die Schrift De pallio nichts. Böhringer, Die Kirche Christi und ihre Zeugen, Bd. III-IV. Hauck, Tertullians Leben und Schriften, Erlangen 1877. Noeldechen, Tertullian, Gotha 1890. Derselbe, Die Abfassungszeit der Schriften Tertullians in Harnacks Texte und Untersuch. 1888; seine Arbeiten sind wegen unvergorener'Ideen wenig brauchbar. Monceaux, P., Hist. lit. de l'Afrique chretienne, Bd. I. Der Verfasser kennt Tertullian nur als apologiste und polemiste, nicht als Katechisten. Die Mauriner hatten eine Ausgabe Tertullians geplant und zwei Patres damit beauftragt (Tüb. Theol Quartalschr. 1833 und 1834 V). Dieselbe kam aber durch die Ungunst der Zeiten nicht zustande und so blieb eine klaffende Lücke in ihren Väterausgaben. Bemerkenswert ist neben dem Artikel des Kirchenlex. 2. Aufl. Bd. XI der Artikel des Bonwetsch in der Realenzyklopädie 3. Aufl. Bd. XVIII. Die übrige Literatur in Bardenhewers Patrologie.


1. 1) Marquardt-Mommsen, Handbuch der römischen Altest. Staatsverwaltung 2. Aufl. I 473.

2. 1) Dio Cassius 69, 9. 

3. 2) Ebd. 43, 50.

4. 1) Dio Cass. 49, 14.

5. 2) Ebd. 52, 43.

6. 3) Text, De pallio 1.

7. 4) Ebd.

8. 5) Tert., Scorp. 0-6. 

9. 6) Tert, De anima c.

10. 1) Plinius, Hist. nat. V, 1-5. 

11. 2) Corpus jur. civ. Digesta 50, 15, 8.

12. 3) Montes Aurasii in Numidien.

13. 4) Mommsen, Eph. epigr. V 119 und Staatsrecht II 1068 Anm. 2.

14. 1) Nicht Parthicus maximus.

15. 2) Capitolinus, Alb. c. 1 Bd. I pag. 155 der Script. Aug, ed Peter, Leipz. 1865; Spartian Pesc. c. 8. p. 150 Z. 8.

16. 3) Spartian, Sev. c. 6 pag. 129 Z. 22.

17. 4) Herodian II c. 15, 3 Καίσαρα δὲ αὐτὸν ἀποδεικνύοντα.

18. 1) Das Jahr ergibt sich aus Cod. Justin. lex 6, IV, 19.

19. 1) Cohen, Descr. hist des médailles etc. Ed. II t. III Nr. 183. Spartian, Sev. S. c. 19 pag. 135, 15. Herodian III c. 8.

20. 1) Hübner, Corp. inscr. lat. t. II hat zwei Inschriften Nr. 1669 und 1670, woraus sich 200 als Jahr der Erhebung des Geta zum Cäsar ergibt. Damit stimmt der erste Teil der Angabe Spartians, Vita Getae c. 5; Scr. h. Aug. pag. 180. Andere setzen für Getas Erhebung zum Cäsar aber schon 198. Comptes rendus Apr. 1884, S. 185.

21. 2) Hieron. chronicum Olymp. 244, 1.

22. 3) Vita Sev. c. 16 in Scr. h. Aug. I p. 136.

23. 4) Spartian, Sev. c. 17, Scr. h. Aug. I p. 137. Judaeos fieri vetuit, idem de Christianis sanxit (In Palaestinis).

24. 1) In demselben Jahre fiel ihr 28. Juli bereits der Papst Victor zum Opfer. Eusebius hat wieder zweierlei nicht ganz harmonierende Angaben. Chron. Arm. 2216 = 204; Hist. eccl. VI 2, 2 das zehnte Jahr des Severus = 202/203. Doch spricht die erste Stelle nur von der Stadt Alexandrien speziell, so daß kein Widerspruch mit der Angabe in der Kirchengeschichte vorhanden ist.

25. 2) Die Münzen dieses Jahres weisen unter ändern Umschriften auf: Adventus Augusti, Laetitia temporum, Saeculi felicitas; die des Caracalla: Adventus Augusti und mit Rücksicht auf seine Vermählung propago imperii.

26. 1) So die noch erhaltene Inschrift dieses Monumentes. Allein daraus ist nicht mit Tillemont und Ändern zu schließen, Severus sei erst 203 nach Rom zurückgekehrt. (Hist, des emp. t. III Sevère art. 28 und Note 6.) Denn auch die bei Dio Xiph. 75, 15 erwähnten Vorfälle, welche eine gleichzeitige Anwesenheit von Severus und Plautian in Nicaea und Tyana voraussetzen, können sich recht gut bereits i. J. 194 oder 196 zugetragen haben. Auch die aus Capitolinus c. 2 Scr. II p. 4 entnommene Schwierigkeit inbetreff des Geta wird hinfällig, indem Geta 196 noch nicht Caesar war.

27. 2) lieber diese Bautätigkeit vergl. Tert. Adv. Hermog c. 31 und De resurrectione c. 42.

28. 3) Digesta, 50 15, 8.

29. 1) Des Severus älterer Sohn wurde nach seinem Großvater mütterlicherseits Bassianus genannt und hatte den Beinamen Caracalla.

30. 2) Wenn er in den Ueberschriften mancher Gesetze schon i. J. 198 als Augustus tituliert wird, Cod. II, 24, l und III, 28, l, so ist diese Titulatur offenbar ein späteres Einschiebsel.

31. 1) Corp, inscr. lat. t. II er. 1669 f. Spartian. Geta c. 5.

32. 1) Cyprian Ep. 73 c. 3.

33. 2) Wenn ihn Tertullian Ad Scap. c. 3 Vigellius Saturninus nennt, so beruht das wohl auf einem Fehler.

34. 1) Der Name ist abgekürzt aus Gaudentia.

35. 1) Ueber den angebliehen Archimartyr Namphanio (vgl. Augustin, Ep, 16 u. 17) sowie die Massa candida siehe Ruinart, Acta mart pag, 14 u. 496.

36. 1) Hieronymus, De script. eccl. 53.

37. 1) Vgl. Ad nat. II 7. Ad mart. 1. De orat. 20 (mediocritas) und 22 (super meum molulum) De cultu fem. II, 1.

38. 2) Nonne et nos laici sacordotes sumus? De exhort. castit. c. 7.

39. 1) Ich habe das schon im Jahre 1871 in der Vorrede zu einer Uebersetzung und später 1897 in dem Artikel Tertullian im Kirch. Lex. Bd. XI behauptet. Aber erst Hugo Koch hat mir Hist. Jahrb. 1907 S. 95-103 unbedingt zugestimmt und ist noch einen Schritt weiter gegangen, indem er Tertullian die Priesterwürde überhaupt absprach.

40. 1) Nicht 188, wie Noeldechen sie ansetzt.

41. 2) Den Nachweis bringt die Einleitung zu De pallio.

42. 3) Monceaux, Hist. lit. de l'Afrique chrét. t. II sagt: Il etait vite rentré dans sa chère Afrique. Eine sehr naive Auffassung.

43. 1) Den längst abgetanen Irrtum, das Pallium sei das Gewand Aszeten gewesen, hat jüngst Monceaux wieder aufgewärmt.

44. 1) Er pflegt sie mit Benedicti anzureden, vgl. De spect. 1 ; De idol. 24; De cultu fem. I 4, II 1, 3, 9, 11 ; De bapt. 17, 20; De orat. 1 ; De poen. 6 ; Ad märt 1, 2, 3, 5.

45. 1) Caracalla ließ ihn, als er Alleinherrscher geworden war töten. Dio Cassius 76, 3, 76, 6 und 77, 1. Der Titel Euhodiae procurator, welchen Tertullian dem Proculus beilegt Ad Scap. 3, ist nicht als procurator viarum aufzufassen, denn öffentliche Aemter gab man Sklaven nicht

46. 2) Tert. Scorpiace c. 1.

47. 1) Noeldechens Datierung (212) ist entschieden unrichtig.

48. 1) Ado, Chronicon, Migne P. L. 123 col. 85. Ado hat an dieser Stelle Hieronymus, Scr. eccl. 53 benutzt. 

49. 2) Tert., De jej. 15 u. 17. 

50. 3) Vgl. den Praedestinatus c. 86 Migne P. L. 55.

51. 1) Als er De cultu fem. II 10 schrieb, war er noch Ehegatte, dagegen Witwer De resurr, c. 59

52. 2) De cultu fem. II, 8

53. 3) Es ist eine der fixen Ideen Noeldechens, daß Tertullian Griechenland bereist habe, doch fehlen dafür alle Beweise.


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Übersetzt von Heinrich Kellner, 1912/1915.  Übertragen durch Roger Pearse, 2002.

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